Das Deutschtum des Karpatenbeckens, die Revolution und der Freiheitskampf 1848/49

Quelle: Zentrum

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“Und Ihr, Germanien’s Söhne! fest und bieder,
Schließt Euch an Eure neue Heimat an!
Folgt kühn dem Rufe Eurer neuen Brüder,
Zum sichern Siege führt Euch ihre Bahn”

(Gustav Grimm: Stimme eines in Ungarn wohnenden Deutschen, 1848. Ausschnitt)

Am 15. März wird der Jahrestag der Märzrevolution von 1848 gefeiert. Zweifelsohne ist sie eines der bedeutendsten Ereignisse in der ungarischen Geschichte, die bis heute die Grundlage unseres politischen Denkens und Freiheitsbegriffes ist. Bei der Beziehung des Freiheitskampfes und der Nationalitäten fallen einem meistens die Konflikte ein, da mehrere von ihnen – zum Beispiel die Serben und die Rumänen – bewaffnet gegen die Ungarn auftraten. Die Mehrzahl des Deutschtums dagegen befürwortete – zumindest am Anfang – die Revolution.

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Für die Nationalitäten war der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufkommende Nationalismus von Nachteil. Laut der damaligen Auffassung der Nation galten die Untertanen des Ungarischen Königreiches als Ungarn, bezeichnend hierfür waren die Assimilationsbestrebungen. Dennoch unterstützte das Deutschtum die Reformen, in erster Linie sympathisierten sie mit dem gemäßigten Stephan Széchenyi.

Von der im Frühling 1848 in Wien ausgebrochenen Revolution waren zunächst nicht nur die Ungarischsprachigen begeistert. Auch ein bedeutender Teil des Pester Bürgertums begrüßte die Veränderungen, so z.B. auch Dániel Irányi, ein Mitglied der „Märzjugend”, Zipser Sachse und selbst von deutscher Abstammung. Mit dem größten Teil der am 15. März veröffentlichten 12 Punkte – wie der freien Presse oder der Gleichheit vor dem Gesetz – war auch das Deutschtum zufrieden. Durch die Beteiligung des Deutschtums wurden die Punkte samt des Nationalliedes in der Presse von Ludwig Landerer und Gustav Heckenast veröffentlicht.

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Leider wurde die Nationalitätenfrage auch durch die Aprilgesetzen nicht gelöst. Die Magyarisierungsbestrebungen setzten sich fort, die Gebiete des Ofner Berglands erhielten ungarische Namen, so wurde beispielsweise der Name Auwinkel zu Zugliget. Der deutschstämmige Ludwig Tavasi bezeichnete seine Landsleute im Pesti Divatlap als Deutsch sprechende Ungarn.

Dies alles hinderte die Deutschen nicht daran sich im Konflikt zwischen Österreich und Ungarn auf die Seite des ungarischen Freiheitskampfes zu stellen. Ungarn war auch zu ihrer Heimat geworden, so bezeichneten sie es als “Vaterland”. Es bekannten sich lediglich die Siebenbürger Sachsen zum Kaisertum, mit Ausnahme der Bürgern von Kronstadt. Die Zipser Sachsen, die Bürger von Pest, das sich zu einer eigenen Nationalität heranwachsende Schwabentum, standen auf der Seite der Ungarn, sie nahmen auch an den Kämpfen teil. Es gab auch Deutschstämmige im Generalstab. Arthur Görgei war Zipser, Georg Klapka Sohn einer deutschen Familie in der Banat, Anton Vetter Budaer Deutscher, und nicht zu vergessen die Arader Märtyrer Ludwig Aulich, Georg Lahner und Joseph Schweidel.

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Eine bedeutende Rolle im Krieg spielte auch die deutsche Legion, deren Soldaten ursprünglich Exilanten der österreichischen und deutschen Revolutionen waren. Bis zum Ende der Kämpfe bestand sie jedoch fast nur aus Ungarndeutschen. Ihr Befehlshaber war Peter Giron. Kossuth betonte die heldenhafte Gegenwehr der Deutschen bei Weißenkirchen im August 1848 gegen die zahlenmäßig deutlich überlegenen serbischen Aufständischen. Józef Bem gründete im Frühling 1849 ein selbstständiges deutsches Honvéd-Bataillon.

Das Pester Deutschtum wechselte während des Freiheitskampfes mehrmals die Seiten, so dass sie nach der Besetzung der Stadt durch Haynau als Verräter behandelt wurden, da er über ihre „Untreue” sehr enttäuscht war. Unter den in den Kämpfen Gefallenen 36000 Menschen waren ungefähr 4000 von deutscher Nationalität. Die Vergeltungsaktionen betrafen auch das Deutschtum sehr stark. Viele Offiziere wurden hingerichtet oder wurden zum Burggefängnis verurteilt. Der Opferbereitschaft der Ungarndeutschen gedenkt unter anderem der Roman Die sieben Schwaben und das Drama Der schwarze Reiter von Franz Herczeg.

Die Revolution von 1848 und der darauf folgende Freiheitskampf brachten die ungarischen und deutschen Bürger des Landes näher zueinander. Die Schwaben bewiesen ihre Treue zu ihrer neuen Heimat.

István Mayer

(Erstveröffentlichung des Artikels: 11. März 2015)

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