Dorfmilieu als Gegenstand der donauschwäbischen Literatur

Quelle: Zentrum

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Dass der 11. April der Tag der ungarischen Dichtung sei, erwähnte Zentrum-Direktorin Monika Ambach gleich in ihrer Eröffnungsrede bei der Literaturveranstaltung in der Reihe Zentrum Programme im HdU. Aus diesem Anlass wurden als kleine Geschenke Gedichte – Übersetzungen und Nachdichtungen von ungarischen, deutschen und ungarndeutschen DichterInnen -  für das Publikum aus der Sammlung der Ungarndeutschen Bibliothek ausgewählt und auf die Stühle zum Mitnehmen gelegt. Dass an diesem Tag die Literatur landesweit gefeiert wird, war der Grund, Das rote Akkordeon von Balthasar Waitz vorzustellen.

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Der Autor konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht Anwesend sein. Aber ihn vertretend las Dr. Ingeborg Szöllösi (Deutsches Kulturforum östliches Europa) aus dem Roman vor. Den Abend moderierte Johann Schuth (1. Vorsitzender des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler) und meinte, dass ihm nicht nur die ungarndeutsche, sondern auch die rumäniendeutsche Literatur sehr am Herzen lege. Seine Bekanntschaft mit dem rumäniendeutschen Balthasar Waitz geht in die 70er Jahre zurück, als der Author noch in Temeschwar als Jouralistenkollege wirkte. Der Austausch mit den niveauvollen Banater LiteratInnen, unter anderem mit der 2009 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichneten Herta Müller, Richard Wagner und natürlich Balthasar Waitz, wirkte schon damals als Ansporn auf das literarische Schaffen der Ungarndeutschen.

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Balthasar Waitz ist 1950 im selben Dorf wie Herta Müller, in Nitzkydorf/Nițchidorf (Rumänien) geboren, sie haben sogar die selbe Grundschule besucht, und waren später als Kollegen in Temeschwar tätig. In der sogenannten Aktionsgruppe Banat haben sie auch zusammen gearbeitet, wobei sie auch einen Protestbrief gegen den Diktator Ceaușescu unterschrieben. Sie waren Mitglieder des Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreises in Temeschwar, aus dem Balthasar Waitz als einziger in Rumänien geblieben ist. Die Anderen sind ab Mitte der 80er Jahre ausgewandert und im deutschen Sprachraum zum literarischen Ruhm gelangt. Balthasar Waitz hat das schwäbische Dorf des rumänischen Banats und später die Stadt (Temeschwar) als Gegenstand für sein literarisches Schaffen genommen.

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Ingeborg Szöllösi, die auch aus Rumänien stammt und zur Zeit in Berlin lebt, erzählte über die vielseitige literarische Tätigkeit von Balthasar Waitz. Es wurde auch erwähnt, dass der Autor mit dem neuen im November 2017 herausgegebenen Roman Das rote Akkordeon – wie auch viele seiner Zeitgenossen – wieder zum Thema Dorfleben zurückkehrte. Der Roman wurde zuerst in München im Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas und im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm vorgestellt und kam sehr gut an, deswegen meinte Ingeborg Szöllösi, dass das Buch auch im Haus der Ungarndeutschen in Budapest auf ein interessiertes Publikum finden würde.

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Im Roman geht es um das deutsche Dorfleben im kommunistischen Banat. Die verschiedenen Episoden beschreiben den Alltag mit den Augen eines 8-jährigen Jungen, der der Ich-Erzähler im Roman ist. Die einfache Sprache und die Perspektive des Kindes wird im Roman nie verlassen. Die genaue Zeit, Ort und Personen sind nicht angegeben, es ist eine fiktive Erzählung. Durch die unmittelbare Darstellung des damaligen „Dorfkosmos” aus dem Blickwinkel des Kindes erzählt, wirkt der Roman sehr glaubwürdig. Man kann es leicht erraten, dass das Heimatdorf und die eigene Kindheit dem Autor als Quellen dienten.

Durch das Vorlesen der Titel gebenden Geschichte wurde auch dem Publikum geschildert, mit was für Humor und Sarkasmus die Erzählung auf die Leser wirken kann. Man stellte fest, wie nahe das Milieu eines Banater Dorfes zum ungarndeutschen stehen kann.

Nándor Frei

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