Die Boschoker, die ungarndeutsche Musikgeschichte schrieben

Quelle: Zentrum

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Am 20. April 2018 wurde im Fünfkirchner Lenau Haus dem Boschoker Chor die älteste kulturelle Auszeichnung der Ungarndeutschen, der Lenau-Preis, überreicht.

Der Kulturpreis Nikolaus Lenau wurde 1991 gegründet. Es werden damit in- und ausländische Personen bzw. Gemeinschaften geehrt, die Unvergängliches für und um die ungarndeutsche Volksgruppe geleistet haben.

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Der Boschoker Chor wurde 1969, unter den ersten ungarndeutschen Chören der Nachkriegszeit gegründet. Der Initiator war der damalige Sportlehrer der Boschoker Grundschule, Sándor Szabó. (Die Deutschen hätten sich ohne Überrede nicht getraut.)

Der immer lustige Chor hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch zahlreiche Erfolge und Anerkennungen, unzählig viele Auftritte im In- und Ausland einen Namen gemacht.

Lange Zeit gab es innerhalb des Chors auch eine kleinere Formation aus Mitgliedern, das Boschoker Trio. Zahlreiche Tonband- und CD-Aufnahmen machten sie landesweit bekannt, im Wunschkonzert der ungarndeutschen Radiosendung werden sie immer noch verlangt.

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Lorenz Kerner, der Vorsitzende des Lenau-Vereins, konnte zwar wegen seinen dienstlichen Verpflichtungen an der Feierstunde nicht teilnehmen, grüßte den Chor aber in einem sehr persönlichen Brief: 
„Ich kam im April 1970 zur Deutschen Redaktion im Studio Pécs/Fünfkirchen. Mein erster Weg führte mich zu meinem ehemaligen Professor Dr. Karl Vargha, um ihn um einige Ratschläge zu bitten. Er meinte, dass meine Aufgabe als neuer Mitarbeiter des Rundfunks die Unterstützung der ungarndeutschen Chöre der Baranya sein könnte und sollte. (…) Als erstes schlug er mir vor, Aufnahmen mit dem jüngsten, dem 1969 gegründeten Gemischtchor in Palotabozsok zu machen. Das dürfte ein gutes anspornendes Beispiel sein. Gesagt getan. (…) Der Chor wurde durch die Rundfunkprogramme in kurzer Zeit fast landesweit bekannt und erhielt immer mehrere Einladungen. (…) 1980 organisierten Studio Pécs und der Grazer Steirische Rundfunk das erste gemeinsame Konzert. In der Stadt Bad Gleichenberg war Ungarn vom Boschoker Chor, dem Kretzer-Moser-Duo aus Nagymányok und der Jugendblaskapelle aus Babarc repräsentiert. Es war nach Kriegsende das erste Gastspiel der Ungarndeutschen im Ausland. 1986 wurde zwischen Pécs und Fellbach die erste ungarisch-bundesdeutsche Städtepartnerschaft unterzeichnet. Ein Jahr später, im Oktober 1987 durfte ich die Boschoker nach Fellbach bei Stuttgart begleiten. Das war ihr erster Auftritt in Deutschland. (…) Ihr habt 1987 in Pécs am ersten vom Rundfunk übertragenen deutschen Gottesdienst mitgewirkt, das Foto eueres Chors schmückt die Titelseite der ersten ungarndeutschen Schallplatte „Ich bin ein Bub vom Donautal”. (…) Mit der Liebe zur ungarndeutschen Kultur und euerer beispielhaften Leistung habt ihr ein unwegdenkbares Stück ungarndeutscher Musikgeschichte geschrieben.”

Die Laudatio hielt die Chefredakteurin der Deutschen Redaktion beim MTVA, Dr. Eva Gerner. Sie hat ihre Lobrede mit einem Videobeitrag beendet. Sie schenkte dem Chor einen kurzen Filmzusammenschnitt aus Archivaufnahmen der Fernsehsendung Unser Bildschirm.

Den Preis überreichte die Vizevorsitzende des Lenau-Vereins, Eva Till-Fischer. Im Namen der Gemeinde Boschok gratulierten dem Chor die Frau Maria Fazekas-Friedrich, Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung Frau Maria Ritzl und Josef Schütz, der ehemalige Bürgermeister von Boschok.

Die Feierstunde endete mit einem Liederkranz des Chors.

Stefan Szeitz

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