Alte Instrumente, alte, aber seelisch junge Musiker und viel Freude

Quelle: Landesrat

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In Ganna, im malerischen Städtchen mit viel ungarndeutscher Tradition übernahmen Ende Mai mal die Senioren das Sagen, besser gesagt das Spielen. Das Motto beim XVI. Treffen der Musiker mit alten Instrumenten war: Alte Instrumente, alte (seelisch junge) Musiker, viel Freude.

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Der Ankunftstag

Freitag der 25. Mai, war dem Wiedersehen unter den Musikern gewidmet. In Vertretung des Vorsitzenden des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen übernahm Büroleiterin Zsuzsanna Ledényi die Begrüßung. „Es ist immer wieder ein großes Ereignis, wenn sich diese älteren Menschen – auch mit jüngeren vermischt – zusammenfinden, um in alter Weise auf ihren Instrumenten bekannte, aber auch schon vergessene Melodien interpretieren und in der eigenen Spieltechnik dem Publikum präsentieren“, meinte sie. Willi Steinmann hatte die musikalische Organisation und die schwierige Aufgabe übernommen, das Treffen, im Jahre 2 nach Franz Heilig, so weiterzuführen, dass es den Ansprüchen der Gründer dieser Bewegung, Johann Fódi und Franz Heilig, gerecht werden konnte.

Dieses Treffen wurde vor Jahren vom Landesrat eingeleitet, um den Klang alter Instrumente bekannter zu machen, und wohl vor allem, um den Jüngeren den Stil jener zu zeigen, die ihre eigene Musik noch in einer anderen Zeit unter einem völlig anderen Musikverständnis entwickelt haben. Doch die Treffen sollen auch etwas anderes bewirken: Musik zu machen, die dazu fähig ist, in dieser hektischen Zeit den Menschen zum Nachdenken zu bringen und für die Dauer des Musikmachens und -hörens die Hast abzustreifen.

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An diesem Abend wurde auch der verstorbenen Mitglieder gedacht. Vor den Bildern der von uns Gegangenen, aber in unseren Herzen Gebliebenen, wurden Kerzen gezündet und wir gedachten mit kurzen Worten ihrer Tätigkeit innerhalb des Landesrates, ihres Wirkens und der Verdienste für die ungarndeutsche Musikkultur. Nach diesen emotionalen Momenten wurden wir zu einem vorzüglichen Abendessen gebeten. Anschließend daran wurden die ersten Proben abgehalten und der Tag klang bei gemütlichem Zusammensein aus.

Samstag: der Tag des großen Auftritts

Nach dem Frühstück wurden auf Grund der Tonlage Musikgruppen gebildet, um fleißig zu üben, aber auch das Gespräch kam nicht zu kurz. Nach dem vorzüglichen Mittagessen wurde Mittagsruhe eingelegt, um sich für den Abend zu stärken.

Am Abend des Ereignisses waren die Musikanten, obwohl sie schon so viele Jahre auf dem Rücken haben, mit Nervosität erfüllt.

21 Musiker und Sänger aus dem ganzen Land standen gemeinsam auf der Bühne. Sie hatten nie vorher zusammen geübt, trotzdem verstanden sie sich von Anfang an gut, denn eins verbindet sie: die Liebe zu den ungarndeutschen Klängen und zu alten Instrumenten.

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Knopfharmonika zu spielen ist eine seltene Kunst geworden in Ungarn. Wenn Jugendliche sich für das Akkordeon interessieren, dann nur für die „Klappenharmonika“. Aus dem einfachen Grund, weil sowohl Instrumente als auch Lehrer für den Knopfharmonikaunterricht fehlen.

In Ganna trafen sich Menschen, deren ganzes Leben sich um Musik gedreht hat und die auch im Rentenalter noch gern zum Instrument greifen. Manche spielen nach Noten, manche ohne, aber an diesem Tag war alles erlaubt und die Freude am Spielen stand den Musikanten ins Gesicht geschrieben. Zwar waren sie Musiker aus dem ganzen Land, aber Musikalität, gefühlsreiche Interpretation und die große Freude am Musikmachen charakterisierten alle Produktionen der 21 Teilnehmer.

Da es Stücke gab, die alle beherrschten, stand einem gemeinsamen Auftritt fast nichts mehr im Wege. Fast, muss man sagen, denn so wertvoll alte Instrumente sind, ist es doch nicht leicht, sie aufeinander abzustimmen. Aber auch dieses Problem wurde schnell gelöst. Es bildeten sich kleine Gruppen, wo eben die Tonarten übereinstimmten, und schon konnte das fröhliche Musizieren gestartet werden. Von früh bis spät ertönten in Ganna die bekannten Melodien, keiner wollte sein Instrument ablegen.

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Der große Augenblick naht

Zur Begegnung im Zeichen des Musizierens auf alten Instrumenten und der Freundschaftspflege wurde in das Kulturhaus von Ganna geladen, um vor einem stattlichen Publikum (ungefähr 120 Personen aus dem ganzen Land) die populären Interpretationen zum Besten zu spielen. In den Grußworten des Bürgermeisters Ottó Nagy wurden die anwesenden Honoratioren von Ganna und auch alle Teilnehmer dieser Veranstaltung begrüßt. Der Vorsitzende des Landesrates hieß alle anwesenden Gäste und die Künstler willkommen und betonte die Wichtigkeit solcher Treffen zur Erhaltung unserer musikalischen Muttersprache und zur Auswirkung auf die Jugend. Er begrüßte auch die Landsleute aus dem ganzen Land und erinnerte daran, dass der Ehrenvorsitzende der Bläsersektion Johann Fódi sowie Franz Heilig diese Idee gehabt und sie dann auch umgesetzt hatten.

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Maria Pilter-Ábrahám, die Vorsitzende der DNSV Ganna, sprach ihren Dank aus und wünschte viel Erfolg. Nach diesen Worten begann der mit Spannung erwartete Kulturabend. Die verbindenden Worte sprach Manfred Mayrhofer, Schriftleiter des LandesratForums und Pressesprecher des Weltdachverbandes der Donauschwaben.

Unter der Mitwirkung des Gannaer Frauenchores, unter der Leitung von Ilona Piller Fódi, wurden nun gemeinsam die beiden Hymnen gesungen, auf der Knopfharmonika von Kornél Varga begleitet.

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Die Ersten dieses schönen Abends waren die Knopfharmonikaspieler. In der Vertonung G/C/F spielten Margarethe Wache, Stefan Czehmann, Johann Kubalek, Willi Steinmann  und Josef Mehringer. Zuerst gemeinsam die Lieder „Es blühen zwei dunkle Rosen“, „Nun ade mein lieb Heimatland“ und „Morgen will mein Schatz verreisen”.

Darauf folgte die Vorstellung der einzelnen Künstler.
Margarethe Wache gab uns eine Kostprobe ihres preisgekrönten Könnens mit den Melodien „Es ging ein Jäger“, „In des Gartens dunkle Laube“ und die „Inselbaum-Polka“.
Dann Stefan Czehmann mit den Melodien „Zitherklänge“, „Ildikó-Polka“ und „Olasz-Polka“.
 Willi Steinmann war der nächste Harmonikaspieler, er erfreute das Publikum mit dem Lied „Mein Vater war ein Wandersmann“.

Anschließend das Knopfharmonika-Duo Margit Wache und Johann Knipf spielte den Zuhörern die Lieder „Die Mutter ist das schönste Glück“ und „ Steig ich den Berg hinauf“.

Josef Mehringer brachte „Das der Wald so dunkel ist“ und „ Zwischen Donau und Theiss“.

Darauf trat das sich erst hier zusammengefundene Duo „MM“ – Valerie Mehringer und Manfred Mayrhofer – auf. Das vorgetragene Lied war „Im Wiesenthal“, begleitet von Josef Mehringer.

Anschließend sorgte Willi Steinmann mit seiner Knopfharmonika und Mundharmonika für gute Stimmung. Mit seiner Knopfharmonika spielte er „Schau, Schau Wias Regna Duat“ und auf der Mundharmonika „Wenn die Schwalben,“ und „A Diandl a sauwres“.

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Margarethe Wache, die ihr Publikum mit ihrem Mundharmonikaspiel seit über mehr als 30 Jahren begeistert, zeigte hier, dass sie die Bezeichnung „Mundharmonikakünstlerin“ zu Recht trägt. Mit den Stücken „I hab kan Voda mehr“, „Guter Mond“, „Wenns Mailüfterl weht…“ und „Wenns Kirmes ist…“ wurde sie ihrer Beliebtheit gerecht. Der Applaus wollte kein Ende nehmen, doch der dicht gedrängte Programmablauf ließ leider keine Zugabe zu.

Der „Branauer Frauenchor“, eine Neugründung mit bekannten Gesichtern – bestehend aus den Damen Anna Trunk und Luise Győri aus Schomberg, Elisabeth Koller aus Boschok, Edit Kriegshauser und Maria Kretz aus Lantschuk -, brachte ein fast unbekanntes Liedergut zu Gehör und zwar „Wenn Ich nur eine Mutter hätt,…“, „Weißt du noch wies einmal war…“ sowie das Potpourri „Heute tanz ich mit der Monika“. Begleitet wurde der Chor von Kornél Varga, der uns anschließend auch eine Kostprobe seines Könnens zeigte und zwar mit dem „Rosa-Walzer“. Der Dank des zahlreichen Publikums war ihnen sicher.

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Den nächsten Auftritt hatte das Duo Németh–Stix mit den Liedern „Ach wie die Zeit…“, „Ich saß in meinem Garten“ und „Dort unten..“. Tibor Németh spielte die musikalische Begleitung auf seiner Konzertzither.

Der nächste Solist war Georg Schichter aus Kaposvár, der mit seiner Mundharmonika „Das schönste Blümlein..“, „Auf dem Wasser…“ und „ Neulich da kommt der Schuster…“ brachte.

Nun spielte nochmals das Duo Németh–Stix mit den Liedern „Wies Dörflein…“, „Als ich dich…“ und „Ein Schäfermädchen…“.

Der nächste Block war wieder den Knopfharmonikaspielern gewidmet. In der Vertonung B/Es/As spielten zuerst Johann Knipf, Josef Mehringer, Josef Schlecht und Johann Kubalek gemeinsam folgende Melodien „Heimat oh Heimat..“ sowie die „Schwiegermutter“-Polka.

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Als Solist musizierte nun als Erster Josef Schlecht mit seinem Programm „Blümlein-Walzer“, „Die Jula“ und „Im grünen Wald“. Darauf Johann Knipf mit „Herzliebste Mein…“ und „Ein Abend in der Dämmerung..“, eine Polka, die er auch gesanglich vortrug. Johann Kubalek spielte den „Schönwalzer“ und Marschbearbeitungen. Als letzter der Solisten kam nun Josef Mehringer mit dem Lied „Rund ist die Kugel“ sowie zusammen mit dem Duo „MM“ „Ganz am Ende einer Straße…“. Diese Melodie war Elisabeth Koller gewidmet, die ihren 85. Geburtstag feierte. Sie ließ es sich nicht nehmen die Bühne zu erklimmen, um gemeinsam mit dem Duo dieses Lied mitzusingen, es sind doch viele Erinnerungen damit verbunden.

Darauf kam einer der Höhepunkte des Programms und zugleich das große Finale vor dem protokollarischen Teil: Hajosch und seine Knopfharmonikaspieler.

Nach dem Auftritt von Franz Wiedner (Hajosch im Jahre 2012), der leider im Frühjahr 2013 verstorben ist, konnten wir im selben Jahr neue Mitglieder der großen „Altmusikerfamilie“, ebenfalls aus Hajosch, begrüßen. Ihre Instrumente sind eigenartig und sehenswert, ebenso wie ihr Auftritt. Eine echte Bereicherung dieser Musikreihe.

Die Musiker Stefan Huber und Franz Schön traten mit ihren eigentümlichen Instrumenten in der Vertonung „G“ zuerst mit im Solo gespielten Stücken auf.

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Franz Schön spielte uns den Walzer „Weihnachtserinnerungen“ und die Polka „Zwischen zwei Kellern …“. Diese Melodie wurde von den alten Hajoscher Aufnahmen genommen. Sie beschreibt genau die Zeit, die man braucht, von einem Keller zu dem anderen zu gehen. Franz Schön ist Schreinermeister, er hat für sich selbst eine Knopfharmonika gebaut, auf der er auch in diesem Programm spielte.
Nun Stefan Huber mit dem Walzer „Sie liegt bei mir…“, „Tirol Tirol…“ und „Hajoscher Eschertanz“.

Darauf das Finale der beiden Hajoscher mit den Musikstücken „Antje–Walzer“, „Schweizer Mädelpolka“ und „Muss I den…”, die vom Publikum begeistert mitgeklatscht wurde.

Nun fand der protokollarische Teil der Veranstaltung. Zuerst sprach Manfred Mayrhofer im Namen des Landesrates den Sponsoren Dank aus: Dem Ministerium für Humanressourcen (NEMZ-KUL-18-0406), dem Bundesministerium des Innern, der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, der Selbstverwaltung von Ganna sowie der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung Ganna und dem Landesrat der ungarndeutschen Chöre-, Kapellen und Tanzgruppen.

Nach dem mehr als zweistündigen Programm gab es als Dank an die Künstler dauerhaften Applaus! In seiner Abschlussrede richtete Landesrat-Vorsitzender László Kreisz seine Dankesworte an die Gemeinde Ganna, an die DNSV sowie an „…Alle, die wir nicht persönlich kennen und die es uns ermöglicht hatten, dass wir hier so wunderbare Tage verbringen konnten…”. Er betonte auch, dass man drei wunderschöne Tage in Ganna verbracht hatte und bedankte sich bei allen Künstlern, wünschte allen gute Gesundheit und ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Nun wurden alle Künstler und Publikum, zum gemeinsamen Singen aufgerufen. Zusammen mit dem Gannaer Frauenchor und unter der Harmonikabegleitung von Josef Schlecht wurden die Lieder „Kleiner Harmonikaspieler“ und im örtl. Dialekt die Lieder „An Gannaer Berg“, „Schaut mal Weiber“, „Geh moch dei fensterl auf“ und „Wenn man die Welt umgeht“. gesungen.

„Liebe Gannaer! Wir danken Euch für die Gastfreundlichkeit, für die herzliche Aufnahme. Wir hoffen Euch mit diesem Galaprogramm ein entsprechendes Dankeschön gesagt haben zu können.“

Mit diesem gemeinsam Erlebten gingen die Menschen auseinander. Die Mitglieder der Altmusikerbewegung sowie die des Chors trafen sich noch zu einem gemeinsamen Abendessen und zur musikalischen Unterhaltung. Gesungen, gespielt und getanzt – als ob man nicht schon den ganzen Tag auf den Beinen gewesen wäre. Wenn es nach den Mitgliedern gegangen wäre, hätte der Tag kein Ende nehmen sollen.

In einem waren sich die Vollblutmusiker einig: Es ist schade, dass die Jugend dieses seltene Instrument nicht mehr beherrscht, denn so kommen die Knopfharmonikas früher oder später ins Museum, und dort werden sie wohl für immer verstummen.

Wie es bei den Ungarndeutschen im allgemeinen Sitte ist, gehört eine heilige Messe zum Programmangebot dazu. In Ganna wurde sie in der Pfarrkirche von Pfarrer Reichardt auf Deutsch zelebriert. Musikalisch unterstützt wurde die Messe vom örtlichen Chor und auch von den Harmonikaspielern.

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Da es der „Heldengedenktag“ war, wurde vor der Gedenkstätte ihrer gedacht und auch vom Landesrat – unter den Klängen des Liedes „Ich hatte einen Kameraden“, gespielt von Johann Knipf auf der Mundharmonika, ein Kranz von Zsuzsanna Ledényi und Edith Kriegshauser niedergelegt.

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Da die Gannaer Kirche auch die Grablege der Familie Esterházy beherbergt, wurde den Anwesenden vom Bürgermeister Otto Nagy eine Führung in die Krypta angeboten. Viele hundert Jahre österreichisch-ungarische Geschichte fand hier ihre letzte Ruhe.

Um vielerlei Erlebnisse wurde man in Ganna in den Bereichen Musik, Sprache und Freundschaftspflege reicher. Diese begonnene Tradition möchte man auch auf Wunsch aller Mitbeteiligen fortführen. Mit einem Mittagessen, aber auch mit Tränen der Rührung gingen diese wunderbaren, aber auch sehr emotionellen Tage zu Ende und alle verstreuten sich in alle Ecken Ungarns, mit der Hoffnung nächstes Jahr beim XVII. Treffen der Musiker mit alten Instrumenten wieder dabei sein zu können und sich wiederzusehen.

Text und Bilder LandesratForum/MM

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