Für die Zukunft des ungarndeutschen Harmonikaspiels

Quelle: Landesrat

Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie ein Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite

Lehrgang und Arbeitskreis in Bohl/Bóly

1.-8. Juli 2018

Aus Robert Rohrs Buch „Unser klingendes Erbe” auf Seite 116 können wir folgendes lesen: „Es dürfte in unserem alten Heimatbereich vor dem 1. Weltkrieg keinen Ort gegeben haben, wo nicht zumindest ein Harmonikaspieler für kleinere Anlässe zur Verfügung gestanden wäre (Namenstags-, Geburtstagsfeiern, kleinere Hochzeiten, aber auch Tanzveranstaltungen im kleineren Rahmen).”

Als wir den Auszug lasen, kam es uns in den Sinn, für unseren Nachwuchs ein Harmonikalager zu organisieren. Anlässlich der ersten Landesrat-Harmonikawoche im Jahre 2008 wurde das Jugendharmonikaauswahlorchester (JHAO) von Franz Heilig und Stefan Geiger gegründet.

L1020494_JHAO

Nun, 10 Jahre später, nach der XI. Harmonikawoche steht immer noch fest, dass der Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen auf dem richtigen Weg ist. Die Ziele sind nämlich, dass die Teilnehmer ungarndeutsche Melodien erlernen, Freude an der Arbeit in einer Gesellschaft haben, die ungarndeutsche Identität und die Vorteile der Doppelidentität erkennen. Die Organisatoren möchten aber auch zur Erziehung der ungarndeutschen Intelligenz beitragen.

Diese Zielsetzungen und das Programm wurden spielend, aber in organisierter Form in Bohl durchgeführt. Durch einen streng eingehaltenen Tagesablauf mit Proben, darunter Schwabenmusik in Einzelbeschäftigung, Arbeitsgruppen für Instrumentalkenntnisse und Handwerktätigkeit (durchgeführt von Zsuzsanna Ledényi). Mit Abendprogrammen wie Liedertafel und Gruppenarbeit vergingen die Tage im Nu.

L1020499_JHAO_DAVIS_GEIGER

Neben diesen Tätigkeiten standen auch ein Konzert im Schloss Batthyány (ein Heim für Kinder mit Körperbehinderungen) und ein Geburtstagskonzert für Franz Guth, der mit seinen 102 Jahren der älteste Bewohner Bohls ist, sowie Stadt- und Mausoleumsbesichtigung – geleitet vom Vizebürgermeister László Vajta – auf dem Programm.

Die Jugendlichen aus Totwaschon/Tótvázsony, Wetschesch/Vecsés, Werischwar/Pilisvörösvár, Jakepfa/Szentjakabfa, Madarasch/Madaras, Budapest, Kirne/Könye, Pußtawam/Pusztavám, Taks/Taksony, Harast/Dunaharaszti, Raab/Győr, Polan/Magyarpolány, Hidikut/Pesthidegkút, Tscholnok/Csolnok, Maan/Mány und Bohl/Bóly bewältigten dieses umfangreiche Programm mit Fleiß, Interesse und Begeisterung. Auch das junge Mitglied Heidi Padisak, die aus Belgien zu diesem Fortbildungslehrgang kam, fühlte sich sofort wohl und aufgenommen – wie einem Brief ihrer Eltern an die Büroleiterin des Landesrates zu entnehmen war. Der größte Teil dieser Aufgaben wurde von Dávid Solymosi und Zsuzsanna Ledényi geleistet, die mit unermüdlichem Fleiß und großer Ruhe die Jugendlichen zu diesem umfangreichen Programm animieren konnten. Die größte Herausforderung der Woche war es, die Kinder aus verschiedenen Teilen des Landes und mit ganz unterschiedlichem Spielniveau in einer Kapelle zu vereinen. Einer der Gründerväter, Stefan Geiger, ließ es sich nicht nehmen, trotz seiner Krankheit bei der Harmonikawoche dabei zu sein und dem jungen Kapellmeister und Leiter des JHAO mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

L1020485_KIRCJE

Am Samstag, vor dem Galaabend, wurde dann, wie es so der Brauch beim Landesrat ist, unter Mitwirkung der Musiker die heilige Messe gefeiert, die Pfarrer Dr. Gábor Takács in deutscher Sprache zelebrierte. Die alten deutschen Kirchenlieder aus der Gegend wurden von den Messfeiernden, mit Unterstützung des Chores aus Mesch, unter der Leitung von Eva Koleszár, mit Inbrunst gesungen und die jungen Harmonikaspieler begleiteten die eucharistische Feier mit Freude, Eifer und auch tiefer Gläubigkeit mit ihrem musikalischen Spiel.

Am Abend des 7. Juli wurde im „Erzsébet Vigadó“ das Konzert des Jugendharmonikaauswahlorchesters gegeben. Nach dem JHAO-Auftrittsmarsch, dem Kmohur-Marsch, begrüßte der Moderator des Abends, Manfred Mayrhofer, in Vertretung des Vorsitzenden László Kreisz die zahlreichen Gäste, darunter die Spitze der Stadt mit Bürgermeister Josef Hárs, seinem Vize Laszló Vajta, der Vorsitzenden der DNSV Bohl Katalin Győri-Meiszter und der Leitung der Redoute. Er überbrachte auch die Grüße vom Präsidenten des Weltdachverbandes der Donauschwaben Stefan Ihas. Unter den zahlreich erschienenen Gästen konnten die Vertreter der diversen Nationalitätenselbstverwaltungen (auch aus Budapest, Wudersch und Mesch waren sie angereist) begrüßt werden.

Die jungen Musiker zeigten bereits beim Eröffnungsmarsch ihr hier erworbenes Können und bekamen dafür einen großen Applaus.

Im ersten Block spielte das Harmonikaorchester des Landesrates folgendes Programm: die „Freundschaft Polka“, den Walzer „Aschberger Zauber“, die „Rezgős Polka und „Etwas Frisches“.

In den Pausen zwischen den einzelnen Teilen sprach der Moderator über die Entstehung des JHAO sowie über den Landesrat.

L1020501_JHAO

Im zweiten Block erklangen folgende Stücke: der Marsch „Deutsche Brüder“, die Polka „Brauchst du einen Mann“, einen Galopp und der Walzer „Rosen der Liebe“, die der Moderator an die unter dem Publikum anwesenden Mitglieder des Branauer Frauenchors (ständige Mitglieder der Landesrat-Veranstaltung „Musiker mit alten Instrumenten“) musikalisch überreichte.

Der dritte Block beinhaltete folgende Musikstücke: den Marsch „Frohe Jugend“, die Polka „Du bist mein Freund“, den „Zähner Marsch“ und das Stück „Tiroli hangok/Tiroler Klänge“, das unser Stefan Geiger geschrieben hat.

Darauf folgte als kleine Überraschung für Stefan Geiger eine Ehrung für seine Tätigkeit im Harmonikalager. Organisatorin Zsuzsanna Ledényi übergab ihm eine eigens für diesen Tag angefertigte und gerahmte Erinnerungsphotographie als Dank für seine Arbeit. Auch Dávid Solymosi erhielt eine Erinnerungsphotographie als Dank und als Ansporn weiterhin so engagiert zu arbeiten. In der Moderation zu diesen Ehrungen meinte Manfred Mayrhofer: „Für den musikalischen und pädagogischen Spürsinn des Stefan Geiger zählt, dass er bereits vor einigen Jahren einen seiner besten Schüler dazu auserwählte und ausbildete, sein Nachfolger zu werden. Damit ist gesichert, dass das Jugendharmonikaauswahlorchester auf hohem Standard weiterbestehen wird. Nun wird die Kapelle von Herrn Dávid Solymosi, einem jungen Musiker aus den eigenen Reihen, geleitet und ich glaube, dass es auch in deinem Sinne ist, wenn wir ihm, deinem Schützling, alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft wünschen.”

L1020503_JHAO_DAVIS_GEIGER

Der vierte und letzte Teil bestand aus den Stücken „Liebe Kameraden“, „Schlagfertig“ und „Peter und Paul“. Dafür erhielten die Künstler tosenden Applaus, der sich auch nicht legen wollte, als man als Zugabe den „Olympia Marsch“, „Wien bleibt Wien“ und den „Deutschmeistermarsch” spielte. Das Publikum verlangte weitere Zugaben, und trotz des bereits überlangen Konzerts wurde dies gewährt und zwar mit zwei Stücken aus der Anfangszeit der JHAO, mit dem „Bartlmus”-Marsch und „Mit Humor“, wobei das Publikum wieder begeistert stehend mitklatschte.

Doch einmal musste Ende sein und mit dem Dank an die Mitwirkenden, die Veranstalter und die Sponsoren gingen diese für uns denkwürdigen Tage zu Ende.

Am Sonntagvormittag gab es noch ein Freiluftkonzert, dem ebenfalls viele Personen beiwohnten. Auch hier erntete das JHAO viel Beifall. Mit dem Dank der Vorsitzenden der DNSV und der Büroleiterin des Landesrates verabschiedeten sich die jungen Künstler von dieser gastfreundlichen und auch geschichtlich geprägten Stadt.

L1020524

Dann wurde noch ein Mittagsmahl eingenommen und auf Wiedersehen 2019 gesagt.

Der Erfolg dieser Musikwoche und der beiden Konzerte sowie der Einsatz der Jugendlichen und die sofortigen Anfragen der zahlreich angereisten Eltern gibt uns den Mut, dass wir auch nächstes Jahr mit diesem Lager weitermachen möchten.

In einem Gespräch meinte Manfred Mayrhofer, der bei allen Harmonikawochen dabei war: „Die mühsame Arbeit, die die beiden Gründungsväter, Franz Heilig und Stefan Geiger, geleistet haben, trägt große Früchte, und das Ergebnis wollten wir auf jeden Fall auch den Leuten zeigen. Es ist ja auch für die Kinder schön, vor Publikum zu spielen.”

Der Dank des Landesrates geht an alle Sponsoren: Ministerium für Humanressourcen (NEMZ-KUL-18-0272), Bundesministerium des Innern, Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Selbstverwaltung der Stadt Bohl, Deutsche Selbstverwaltung der Stadt Bohl.

LandesratForum

Zusammenstellung von „Városi Televízió Bóly”:

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2019 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo