Musikerfamilien trafen sich in Berzel

Quelle: Landesrat

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Wie entstand das Treffen der Familienmusikanten? Der Bayerische Rundfunk strahlt wöchentlich eine Sendung mit Musikerfamilien aus, die noch in Mundart singen, auf alten Instrumenten spielen, gute Stimmung machen.  Bei einer Sammelrundfahrt des Landesrates besuchten wir Franz Schneider in Tarian, um von ihm alte Melodien, Spieltechnik, Bräuche zu sammeln. Seine Spielweise wurde für den Landesrat auf Video verewigt. Seine Enkelsöhne, Patrik mit Saxophon, Martin mit Tuba, dann Richard mit der Trommel, schließlich der Sohn Johann mit Klarinette kamen hinzu. Sie gaben uns spontan ein halbstündiges Konzert. Das gab uns die Idee: Wir haben ja auch Familien, die musizieren, dasselbe können wir auch in Ungarn veranstalten. Und dies ist schon unser 10. Treffen der Familienmusikanten in Berzel.

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Mit diesen Treffen können wir vielseitige Zielsetzungen verwirklichen: Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Familie stärken, Musikerfamilien im Lande ausfindig machen, sie für solche Zwecke aktivieren – soweit es möglich ist, alte Melodien, Tänze (wie Ländler, Mazurka, Bayrische), Takte, Rhythmen erneuern, wieder bekannt machen, bei den jungen Musikern die Lust erwecken, die Identität, die Mundart, den Sprachgebrauch verstärken, mit der deutschsprachigen Heiligen Messe die deutschen Kirchengesänge verbreiten und den Glauben der Deutschen stärken.

Es war bei den deutschen Familien in Ungarn früher ein Brauch, gemeinsam zu musizieren. Generationen spielten und sangen zusammen. Der Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen in Ungarn veranstaltete 2009 das erste Treffen der Familienmusikanten mit großem Erfolg.

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Aufgrund dieses Erfolges beschloss der Landesrat dieses Treffen (nach den großen Anklang der ersten Veranstaltungen) auch im Jahre 2018 wieder auf die Bühne zu stellen, wo musikbegeisterte Familien ihr Können und Wissen auch der Öffentlichkeit vorstellen wollen.

Begonnen wurde die 10. Auflage des Treffens der ungarndeutschen Familienmusiker in Berzel am 17. November 2018 mit einer Heiligen Messe in der römisch-katholischen Kirche, die von Pfarrer Sándor Varga zelebriert wurde. Die deutschsprachigen Lieder wurden vom deutschen Nationalitätenchor unter der Leitung von Frau Sasvári und dem Chor „Szent X. Pius“ geleitet von Gabor Plutzer den Gläubigen dargebracht. Auf der Orgel spielte Frau Henriette Mayer.
Anschließend verlegte sich das Geschehen in das Kulturhaus von Berzel, wo dann das Musikprogramm mit dem Abspielen der beiden Hymnen begann. Die offiziellen Grußworte sprachen Bürgermeister Josef Török, der auch der Schirmherr der Veranstaltung war, und der Vorsitzende der örtlichen DNSV Peter Polónyi. Die offizielle Eröffnung des Festes wurde vom Landesrat-Vorsitzenden László Kreisz übernommen. Nun begann das musikalische Programm in der gemischtsprachlichen Moderation von Henriette Schmidt.

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Die erste Familie, die die Bühne betrat, war ein Gründungsmitglied der „ungarndeutschen Familienmusik”: die Familie Bauernhuber aus Herend. Der Vater Josef auf dem Akkordeon und die beiden Söhne Andor auf Klarinette und Ákos auf Tuba brachten uns den Hopfender-Marsch, die Polka aus Marka (von János Magasházi) sowie den Walzer „Herender Lieder“ von Andor Bauernhuber. Das Lied „Tief im Böhmerwald“, das die Mutter in Waschludt aufgezeichnet hatte, und „Ich geh so gern spazieren“ wurden uns nun mit Gesang dargebracht. Den Abschluss bildete der Marsch „Aufmarsch“.

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Die Familie Sasvári aus Berzel war die nächste, Familie die uns ihr Programm darbrachte. Trotz eines tragischen Verlustes innerhalb der Familie waren die jungen Auftretenden mit vollem Ernst im Programm dabei. Die Zwillinge András und Bálint sind neun Jahre alt, seit vier Jahren machen sie Musik. Sie sangen uns die Volkslieder „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“, „Edelweiß“ und „Die Vöglein im Walde“. Die Schwester Angelika ist 14 Jahre alt. Seit zehn Jahren spielt sie Klavier. Ihr Beitrag war ein modernes Stück auf Klavier und gesungen „So schön kaputt“ von SDP.

Nun kam die Familie Fazekas aus Wetschesch mit dem Großvater József auf Harmonika, der Enkelin Boglárka auf Klarinette und dem Sohn József auf Klarinette auf die Bühne. Auf dem Programm standen die „Klarinetten-Solo-Polka“ bearb. von Ludwig Hollós, die Polka „Hoch An“, der „No.1. Ländler“ und die „Pikoló-Polka“, alle gesammelt und bearbeitet von József Fazekas jun. sowie die Polka „Éva Induló“, die von József Fazekas sen. komponiert wurde.

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Die nächste Familie war die Familie Katona aus Pußtawam. Die Gruppe besteht aus Laszlo (19 – Trompete), Armin (18 – Horn, Akkordeon), Bence (13 – Trompete) und László sen. (38 -Tuba). Innerhalb der Familie wird hauptsächlich schwäbische Musik (Polka, Walzer, Mazurka), aber auch klassische Musik gespielt. Die schwäbischen Traditionen in Musikform am Leben zu erhalten ist ihr Ziel. Dieses möchte László sen. auch mit seinen Enkelkindern teilen, damit sie alle zusammen eine einzigartige Kapelle bilden. Sie spielten uns „Polka-Spezialitäten“ und „Danke Für Die Jugendzeit“ – beide Stücke von Franz Watz komponiert, bearb. von Ármin Katona und László Katona jun -, „Die Fesche Toni“ – von Siegfried Rundel, in der Bearbeitung von László Katona – sowie die „Festwies-Polka” von Josef Poncar und „In den Bergen“ von Pavel Stanek.

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Ebenfalls eine ständige Teilnehmerin bei den Familienmusiken ist die aus Uhn stammende Familie Steinmann. Der Vater Vilmos spielt auf Knopfharmonika und Mundharmonika, dazu der Gesang von Elisabeth Podhorszki, der Mutter, und den Töchtern Ingrid Angela (5) und Izabella, die mit drei Jahren die jüngste Künstlerin des Abends war. Auf dem Programm stand „Dort drunt an der Donau”, „Schau schau …”, „Das Edelweiss”, „Wie lustig…” und „Wenn I mein Schimmel…” – gesungen und auf Knopfharmonika begleitet – sowie das Solostück „I hab kan Voda mehr” auf Mundharmonika..

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Der letzte Programmpunkt des offiziellen Teils des Abends war der Auftritt der Familie Kaposi – auch als Freude Kapelle bekannt. Die Freude Kapelle wurde am 2. Januar 2011 gegründet, sie wurde dann um musizierende Familienmitglieder erweitert, alle lieben Blasmusik. Ihre Ziele sind die Pflege der traditionellen Blasmusik und deren Bewahrung. Das Programm stellte sich in erster Linie aus deutschen Partituren zusammen, aber es wurden ungarische, böhmische und slowakische Blasmusikstücke gespielt. József Kaposi, der Vater, und István Virág spielen auf Bassflügelhorn, auf der Trompete spielen Eszter, die Tochter, die beiden Enkelsöhne Szabolcs und Patrik Hadas, der Neffe Zoltán Kogler sowie Tibor Friedrich und Zsolt Miloszrdni. Die Tochter Edit und die Nichte Veronika Szeidl spielen Klarinette. Die Nichte Blanka Koncz-Szeidl spielt auf der Flöte, der Neffe Robert Turcsek handhabt das Schlagzeug und Bálint Kogler, auch ein Neffe, spielt auf Tuba. Ihr Programm war: der Marsch von Siegfried Rundel „Wir grüßen mit Musik”, die Polka „Für meinen Vater” von Franz Uhrner jun. und „Rauschende Birken”, ein Walzer von Václav Kaucky, beide Stücke in der Bearbeitung von László Bán. Gespielt wurden noch „Späte Liebe (Marie-Polka)“ von Alois Aust, und das Stück von László Bán „Freude Kapelle Medley”, als Abschluss kam die Bearbeitung des „Deutschmeister Regimentsmarsches” von Josef Heim.

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Es war eine große Ehre, László Bán ebenfalls unter den Gästen begrüßen zu können, der in der Begleitung des Sektionsvorsitzenden Sándor Kaszás anwesend war.

Nachdem die Ehrenurkunden, die kleinen Geschenke von der Gemeinde, der DNSV und des Landesrates, überreicht worden waren, wurde der offizielle Teil des Abends mit den Dankworten von László Kreisz beendet.

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Darauf wurden die Gäste gebeten gemeinsam mit den anwesenden Chören ungarndeutsche Volkslieder zu singen. Dazu wurden die Texte auf den Tischen gelegt und jeder konnte mit mehr oder weniger Stimme mitsingen.
Nach dieser Stärkung der Stimmbänder wurde zum Tanz aufgespielt. Die Freude Kapelle, in immer wechselnder Besetzung – da auch die anderen Familienmusiker mitspielten –, bewältigte diese Aufgabe bis in die späten Abendstunden hervorragend. Dazu gab es ein vorzügliches, reichhaltiges Abendmahl. Und so war für das leibliche Wohl als auch für die Muse gesorgt.

Der Landesrat und das LandesratForum bedankt sich bei allen Mitwirkenden, bei den vielen Helfern für die gemeinsame Arbeit vor und hinter der Bühne sowie bei den Gestaltern der Ausstellung „Musikanten aus Berzel im Laufe der vergangenen 100 Jahre“ herzlichst.

Die Sponsoren des Abends waren: Ministerium für Humanressourcen (NEMZ-KUL-18-0178), Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, BMI, Selbstverwaltung und Deutsche Selbstverwaltung Berzel und der Landesrat.

Manfred Mayrhofer – LandesratForum

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