Wie der Weihnachtsbaum, so der Osterbaum: Ein Import aus deutschem Sprachgebiet

Quelle: Zentrum

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Forscht man nach dem Osterbrauchtum der Ungarndeutschen und sucht nach etwas Eigentümliches, Spezielles, Typisches, dann stößt man bestimmt auf Bräuche wie der Emmausgang in Bohl/Bóly oder der Gang um Ostertau auf den Kalvarienberg in Schambek/Zsámbék, die auch heute gepflegt werden.

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Man könnte vermuten, dass das Alltagsleben und die Bevölkerung in vielen Siedlungen Jahrzehnte sogar Jahrhunderte lang vom Einfluss der Außenwelt fast unberührt blieb, sie waren dennoch nicht so stark isoliert, wie man es heute vermutet. Wie auch die Bevölkerung der Siedlungen, ändern sich auch die Bräuche mit der Zeit. Manche sterben aus, andere entstehen, und wieder andere ändern sich in solchen Maßen, dass ihren Ursprung letztlich keiner mehr kennt. Bestimmte Bräuche werden einfach übernommen, wie es auch mit dem Brauch des Ostermontag-Spritzens, den die Ungarndeutschen von den Ungarn übernommen hatten, der Fall ist.

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Das jahrhundertealte Weihnachtsbaum-Stellen kommt zum Beispiel ebenfalls aus deutschem Sprachgebiet. Den ersten Weihnachtsbaum in Ungarn – der übrigens aus Wien importiert wurde – hatte die berühmte Gräfin Theresia Brunswick in ihrem Kindergarten im Jahre 1824 aufgestellt. Inzwischen ist diese Tradition nicht nur in Ungarn, sondern auch weltweit verbreitet. Einen besonderer Prozeß kann man bei der Übergabe-Übernahme des Brauches vom Osterbaum-Stellen beobachten. Ursprünglich stammt die Sitte des Zierens von Hecken und Bäumen mit Eiern zu Ostern vom deutschen Sprachgebiet. Es wird in Deutschland seit Jahrhunderten ausgeübt. Man weiß es nicht genau, wofür es ursprünglich stand. Man vermutet, dass früher die Eier als Zeichen der Fruchtbarkeit galten, als Sieg des Lebens über den Tod, in der christlichen Tradition sollten sie die Auferstehung Christi symbolisieren.

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Einer der berühmtesten Bäume ist der thüringische Saalfelder Ostereierbaum, der ursprünglich eine Privatinitiative der Familie Kraft im Jahre 1965 mit 18 Eiern war. Von Jahr zu Jahr kamen immer mehr Eier dazu, und als es zum Jahr 2012 am Baum unglaubliche 10.000 Eier hingen, war es bereits zu einer Touristenattraktion geworden. Seit 2016 führt die Stadt Saalfeld die Tradition fort.

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Aus dem deutschen Sprachgebiet wurde sie in Ungarn zuerst von den Ungarndeutschen übernommen, letztlich auch die Ungarn. So konnte man ihn unter anderem in Deutschstadt in Jula/Gyula, in Sebegin/Zebegény und letztes Jahr zum ersten Mal in Jink /Gyönk und heuer auch im 18. Bezirk in Budapest bewundern.

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Der in Ungarn berühmteste Baum steht in einem ungarischen Dorf, in Kéthely im Komitat Schomodei. Dieses Jahr werden dort um die 8000 Eier den Baum schmücken und man kann sich sogar auch mit dem Osterhasen im Osterhasenhaus fotografieren lassen. Es scheint so, dass der Osterbaum auch in Ungarn seine Wurzeln immer tiefer wachsen lässt und sogar in die Wohnungen kommt, wo die Ostereier auf Weidenkätzchen oder Goldregenzweigen hängen und zur Zierde der Wohnung dienen können.

Nándor Frei

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