Große Leistungen einer Volksgruppe

Quelle: Zentrum

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Der Name „Donauschwaben” ist ein künstlich erfundener Begriff, der aus dem Jahre 1923 von dem Grazer Geografen Robert Sieger und dem Stuttgarter Hermann Rüdiger stammt. Mit der Zeit wurde er zur Sammelbezeichnung für die  Siedler, die nach der Türkenherrschaft aus deutschen Territorien in das Königreich Ungarn eingewandert waren, und deren Nachkommen. Die heutigen Ungarndeutschen zählen natürlich auch zu ihnen. Die Ansiedlung, das Zusammenleben mit den anderen Völkern und die Tätigkeit dieser Menschen ist an und für sich eine Besonderheit. Etwas Besonderes war auch der Veranstaltungsabend der Reihe Zentrum-Programme im HdU am 08. Mai. Die Veranstaltung mit dem umfangreichen thematischen Gespräch über die Donauschwaben wurde in der Kooperation von dem Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek und dem Goethe-Institut Budapest organisiert. Die enge, langjährige Zusammenarbeit mit dem Zentrum lobte Ilka Seltmann, stellvertretende Institutsleiterin und Leiterin der Spracharbeit am Goethe-Institut, in ihrem Grußwort.

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Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das 2018 erschienene umfassende Buch Donauschwaben • Deutsche Siedler in Südosteuropa. Zum thematischen Gespräch wurden der Mitverfasser, der bekannte und anerkannte Forscher, Prof. Dr. Gerhard Seewann, und Christian Glass, der Direktor und Geschäftsführer des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm, eingeladen. Moderiert wurde der Abend von Angéla Korb.

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Prof. Seewann wurde unter anderem über seine Forschungsmotivation und sein Forschungsfeld befragt. Der Anreiz, seine Forschung auf die Minderheiten zu fokussieren, war eine Studienreise im Jahre 1968 nach Temeswar, wo er das multikulturelle und friedliche Zusammenleben verschiedener Nationalitäten erlebte. Der aus Graz stammende Historiker war in München am Südost-Institut mit dem Forschungsfeld Ungarn tätig. Er erwarb schon 1974 ein Forschungsstipendium nach Ungarn zu kommen, um die Ungarndeutschen zu erforschen. Diesbezüglich hob er hervor, wie wichtig es sei, bei den Forschungen vor Ort zu sein, und dass er auch viel vom Ethnografen Bertalan Andrásfalvy gelernt habe. Zwischen 2007 und 2015 leitete er der Stiftungslehrstuhl für Deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Pécs/Fünfkirchen.

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Ungarn war immer ein Zuwanderungsgebiet verschiedener Völker. Die deutsche Migration nach der Türkenherrschaft und die friedliche Symbiose mit der Mehrheitsbevölkerung und den anderen Nationalitäten trug zur Entwicklung des Landes wesentlich bei, was nicht Allgemeingut ist. Wie zum Beispiel in Ofen das Errichten der Matthiaskirche, welche nach dem Tatarenfeldzug – angesichts der Zerstörungen – innerhalb kurzer Zeit von deutschen Bürgern Ofens als Liebfrauenkirche aufgebaut wurde. Persönlichkeiten deutscher Abstammung wie Mihály Munkácsy (Michael Lieb), Ignác Semmelweis (Ignaz Philipp Semmelweis), Miklós (Nikolaus) Ybl, oder Ferenc (Franz) Erkel spielten bei der Modernisierung des Landes im 19. Jahrhundert eine sehr wichtige Rolle. Ohne den Beitrag der Donauschwaben wäre Ungarn heute auf ein ganz anderes Niveau.

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Das Buch wurde dank der Zusammenarbeit des DZM Ulm und des Deutschen Kulturforums östliches Europa herausgegeben, so Christian Glass. Er erzählte, dass ihr Anliegen bei der Schaffung dieses Buches gewesen sei, eine umfassende, allgemein verständliche, reich illustrierte Publikation herauszugeben, die ein breiteres Leserpublikum erreichen und ansprechen kann. Sie behandelt die Geschichte der Deutschen aus den Siedlungsgebieten des ehemaligen Königreichs Ungarn beginnend mit der Ansiedlungszeit. Die Geschichte der Donauschwaben, die nach dem Ersten Weltkrieg in Ungarn, in Rumänien, in ehemaligem Jugoslawien und dessen Nachfolgestaaten abspielte, wird bis zum ersten Jahrzehnt der 2000er Jahren bearbeitet.

Als großzügiger Spende vom Goethe-Institut ist das Buch Donauschwaben • Deutsche Siedler in Südosteuropa von Gerhard Seewann und Michael Portmann aus der Ungarndeutschen Bibliothek ausleihbar.

Nándor Frei

Foto: Ludwig Grund
Zentrum.hu

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Förderer der Veranstaltung:
Deutsches Kulturforum Östliches Europa
Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Ministerpräsidentenamt • Staatssekretariat für die Beziehungen zu den Kirchen und zu den Nationalitäten
Fondverwalter Gábor Bethlen
NEMZ-KUL-19-1047

Organisiert vom:
Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
Goethe-Institut Ungarn

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