Singen mit Herz und Verstand

Quelle: Zentrum

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Das Fachseminar Ungarndeutsche Volkslieder fand am 1. Februar in Kerepesch/Kerepes statt, an dem 39 Interessenten aus 14 Siedlungen der Komitate Pesth, Naurad und Komorn-Gran bzw. Budapest, u. a. Leiter von Jugend- und Erwachsenenchören, GrundschullehrerInnen, Kindergartenpädagogen sowie Vertreter der Selbstverwaltungen teilnahmen. Die berufliche Zusammensetzung der Beteiligten war auch ziemlich divers, unter ihnen waren MusiklehrerInnen, Kantoren, HochschullehrerInnen an der Musikakademie, ChorleiterInnen mit Ausbildung der Kategorie C für Kirchenmusik anwesend. In diesem Zusammenhang kann man eindeutig behaupten: Die Beschäftigung mit den Volksliedern in betreffenden Fachkreisen hat ihr Daseinsrecht.

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Ildikó Szeltner-Winhardt, die Büroleiterin des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen in Nordungarn e. V. (ÉMNÖSZ), organisierte und moderierte die Fachtagung. László Gyuricza, Bürgermeister der Stadt Kerepesch, und Friedrich Springer, stellvertretender Vorgesetzter der hiesigen Deutschen Selbstverwaltung begrüßten die Teilnehmer. Mónika Fazekas-Gombár und ihre Tochter Fanni Fazekas sangen einen Strauß zweistimmiger Volkslieder in Mundart aus der Wetschescher Sammlung. Andreas Zwick, Vorsitzender des ÉMNÖSZ-Kulturausschusses und stellvertretender Vorsitzender der Volkstanzsektion des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen eröffnete das Fachseminar.

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Nach der Begrüßung hielt Krisztina Kovács-Fódi, Meisterpädagogin für Musik an der Péter Pázmány Universität, die Vorsitzende der Chorsektion im Landesrat, Inhaberin diverser Auszeichnungen wie der Artisjus-, György-Rauscher-, Pál-Kardos- sowie Stefan-Kerner-Preise und Dirigentin einen Vortrag über den Volksliedschatz der Ungarndeutschen. Im kurzen Abriss des geschichtlichen Hintergrundes legte sie dar, wie die verschiedenen Volkslieder verschiedener Siedlungen aufeinander wirkten. Die Verbreitung des reichen Volksliedschatzes und die Wichtigkeit seiner Rettung hob sie hervor, in dem der Landesrat eine Richtlinie aufzeigt und die Qualität betont. Seit 2012 gibt es jeden Sommer im Rahmen der „Singwoche“ eine Fortbildung für Chorleiter, um das Repertoire der Chöre zu erweitern.

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Die zweite Vortragende war Susanne Krausz-Hommer, die Musiklehrerin für Mittelschule, Chorleiterin und Dirigentin einer ungarndeutschen Blaskapelle und Entwicklungshelferin ist. Sie schilderte die Aspekte der Gemeinschaftsbildung des Blumenstrauss Chores in Harast und der Auswahl dessen Repertoires. Sie verwies auf die die Wichtigkeit der Authentizität der Quellen hin, um die Registrierung der Kunstmusikstücke im Volksliedschatz zu vermeiden. Sie ermutigte die ChorleiterInnen zum eigenen Sammeln. Die Mitgliedszahl des Blumenstrauss Chores wuchs in den letzten 10 Jahren von drei auf fünfundzwanzig. Im Hintergrund dieser Popularität steht der Vorstand des Chores, der mit den eigentümlichen Ansprüchen dreier Generationen tüchtig umgeht.

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Der nächste Vortragende war Viktor Pócsik, der schon als Gymnasiast schwäbische Volkslieder sammelte. Er studierte Deutsch am Germanistischen Institut der Universität ELTE, er spielt Blockflöte und Klarinette und ist derzeit Volksliedforscher und Chorleiter. Er verfasste selber Publikationen. Er hielt 2017 mehrere Vorträge im In- und Ausland über seine Volksliedersammlung. Er sprach über das Projekt des Musikwissenschaftlichen Instituts, in dessen Rahmen man sich Online-Zugang auch zu manchen Noten der ungarndeutschen Volkslieder verschaffen kann. Er betonte stark, dass die Volksliedsammlungen digitalisiert und dem Audioarchiv des Instituts geschickt werden müssten, um sie jeden Interessenten zugänglich zu machen.

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Vor dem Mittagessen war die letzte Vortragende die Vizevorsitzende der Landesrat-Chorsektion, Mónika Fazekas-Gombár, die seit über 25 Jahren den Chor „Wetschescher Nachtigallen” leitet. Sie studierte Deutsch und Musik an der Universität ELTE. Sie erhielt die Auszeichnung „Für die Kultur der Stadt Wetschesch und den Nationalitätenpreis bzw. den Stefan-Kerner-Preis. In ihrem Vortrag stellte sie ein außergewöhnliches Thema dar: die Aufzeichnung von Volksliedern in der Mundart und die Möglichkeiten deren Bearbeitung.

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Nach den Vorträgen am Vormittag tat das Mittagessen mit Schlachtplatte, feinen Gebäcken und Erfrischungsgetränken allen gut.

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Im Laufe des Nachmittags schilderte Andreas Zwick die Vor- und Nachteile der Möglichkeiten an Fortbildungen und Bewerbungen. Er machte auf die Initiative „Stimmen wir an!” des Ungarndeutschen Pädagogischen Institutes (UDPI) aufmerksam. Seit Jahren wird diese an dem vom Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek veranstalteten „TrachtTag”, am letzten Aprilfreitag gehalten. Um die Identität unserer Nationalität zu verstärken, ermutigt das UDPI die Kindergärten und Nationalitätenschulen, zusammen (ungarn)deutsche Volkslieder zu singen, das Ereignis aufzunehmen und es im Internet zu veröffentlichen.

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Anna Gräff, die frisch pensionierte Leiterin des Bogdaner Deutschen Nationalitätenkindergartens, entschloss sich zum Programm mit dem Thema Dokumentation und Bearbeitung von Kinderspielen in der Mundart sowie deren Einbau in den Erziehungsplan des Bogdaner Kindergartens. Sie retteten ihre schwäbischen Lieder und Kinderspiele auf CD, DVD und ein Heft für die Nachkommenden hinüber. Dieses Projekt wurde mit der Förderung der hiesigen Selbstverwaltung und großzügigen Unternehmer bzw. mithilfe einer Bewerbung verwirklicht. Das Bogdaner Kinderliedheft „Es war einmal…“ samt CD und DVD konnte man vor Ort kaufen.

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Die letzte Referentin war Ildikó Szeltner-Winhardt, die die Besonderheiten der ungarndeutschen Kinderspiele bzw. die Ergebnisse ihrer Forschung mit den Gleichgesinnten teilte.

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Zum Schluss der Fachtagung setzten sich die Beteiligten und die Jurymitglieder mit den Einzelheiten der diesjährigen Ausschreibung des regionalen Gesangwettbewerbs für Grundschulen und Gymnasien von ÉMNÖSZ auseinander oder stellten den Vortragenden Fragen. Alle waren damit einverstanden, dass dieses Fachseminar außerordentlich viel von Nutzen war, um sich gemeinsam über die Zukunft unseres Volksliedschatzes zu überlegen. Den Chorleitern wurde ausführlich erläutert, was die Jury beim Gesangwettbewerb von ihnen erwartet. Sie bereiten sich fortan in diesem Sinne auf die Auftritte und Wettbewerbe vor.

Text und Foto: Mária Scherzinger

Das Fachseminar des ungarndeutschen Volksliedschatzes wurde von dem Sándor-Csoóri-Fond, dem Ministerium für Humanressourcen, dem Verband der Deutschen Selbstverwaltungen in in Nordungarn e. V., der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats Pesth, der Selbstverwaltung und der Deutschen Selbstverwaltung Kerepesch bzw. das Kulturhaus „Forrás“ in Kerepesch gefördert.

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