Der Tag der Erde, die ungarndeutsche Sparsamkeit und Joschka Fischer

Quelle: Zentrum

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Der Tag der Erde wird jedes Jahr am 22. April gefeiert. Erstaunlich, dass weltweit bereits das 50-jährige Jubiläum stattfindet und in Ungarn dieses Jahr schon zum 30. Mal mitgefeiert wird. Der Name und das Konzept des Tages wurden schon bei einer UNESCO-Konferenz im Jahre 1969 vorgeschlagen. Auf die Initiative von Denis Hayes, der damals noch Universitätsstudent war, wurden auf die Probleme der Umweltverschmutzung zuerst am 22. April 1970 in den USA mit der Teilnahme von 20 Millionen Menschen aufmerksam gemacht. Ungarn schloss sich 1990 der Bewegung an, die seitdem international begangen und in 175 Ländern der Welt von mehr als tausend Organisationen unterstützt wird. Das Hauptziel ist, dass die Wertschätzung für die natürliche Umwelt gestärkt und die Art des Konsumverhaltens unter den Menschen geändert wird.

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Solche „Umweltschützer-Trends” wie das Verkehren mit dem Fahrrad auch in den Großstädten oder Recycling haben sich schon massenweise durchgesetzt. Wenn man die heutige Lage der Biosphäre betrachtet, gibt es aber noch vieles zu tun. Auch die Mehrheit der Politiker zweifeln nicht mehr daran, dass etwas gemacht werden muss: So wurde das gegen die globale Erwärmung geschlossene Pariser Übereinkommen von 2015 bislang von fast 200 Ländern ratifiziert. Ab 2020 sollten dann entsprechende Maßnahmen in Kraft treten. Es ist eine große Frage, ob und wie viel Zeit es noch gibt, ob wir den nächsten Generationen eine Welt hinterlassen können, in der man noch überhaupt in einer gewissen Normalität leben kann, oder die Ressourcen schon in den kommenden Jahrzehnten knapp werden.

Dazu bräuchte man aber eine feste Entschlossenheit, eine solche, die zuletzt in den 1968er Bewegungen zu beobachten war, die auch die Gesellschaft auf der ganzen Welt veränderten und schließlich zu den Umweltschützer-Trends führten. Einer der radikalsten Anführer dieser Bewegung war in Deutschland Joschka Fischer, der am 12. April 1948 in Gerabronn in Baden-Württemberg geboren ist. Seine ungarndeutschen Eltern wurden 1946 aus Wudigess nach Westdeutschland vertrieben und führten ein kleinbürgerliches Leben im Land des Wirtschaftswunders. Der junge Joschka Fischer wollte sich aber weder der eigenen Familie noch der Gesellschaft anpassen. Mit 17 verließ er das Gymnasium und begann eine Lehre als Fotograf in Fellbach, die er 1966 auch abbrach. Ab 1967 wandte er sich der radikalen Politik der linken Studentenbewegungen zu, und beteiligte sich auch an Straßenkämpfen. Er wurde ein „Berufsrevolutionär” der Außerparlamentarischen Opposition (APO). Er versuchte in verschiedenen Demonstrationen mit Gewalt Deutschland zu verändern. Doch Fischer erkannte in den späten 1970er Jahren, dass Gewalt nichts bringt und wandte sich der legalen Politik zu. So wurde er einer der Gründerväter der Partei Die Grünen im Jahre 1980. 1983 saß er schon in der ersten grünen Fraktion im Bundestag in Bonn, 1985 wurde er zum Staatsminister für Umwelt und Energie in Hessen ernannt. Symbolhaft und typisch für Fischer war dabei die Szene seiner Vereidigung in Turnschuhe. Schließlich wurde der grüne Politiker von 1998 bis 2005 Außenminister und Vizekanzler Deutschlands.

Wie er seine Einstellungen veränderte und grüner Politiker wurde, so sollten wir vielleicht auch unsere Denkweise umstrukturieren. Vielleicht sollten wir in unserer „ungarndeutschen Gegenwart” nicht nur die Sprache, die Musik, den Tanz, und die Gegenstände der Ahnen retten, sondern auch die Tugend Sparsamkeit im weitesten Sinne, denn diese bedeutet auch das sinnvolle Umgehen mit den Ressourcen. Es ist bemerkenswert, wie klein der ökologische Fußabdruck einer ungarndeutschen Bauernfamilie der 1930er Jahre gewesen sein konnte. Man hatte den Sparherd, den man zum Heizen und Kochen benutzte, man hatte den Keller oder den Brunnen als Kühlschrank. Man hatte praktisch keinen Hausmüll. Organische Abfälle landeten auf dem Misthaufen oder wurden den Tieren gegeben, die Essensreste wurden bei anderen Gerichten wiederverwendet. Kaputte Gegenstände wurden repariert und nicht gleich weggeschmissen, Kleider fanden auch oft die entsprechende Metamorphose. Die Menschen waren überwiegend von biologisch abbaubaren Dingen umgeben.

Natürlich hätte es keinen Sinn das Rad der Zeit zurückzudrehen, aber die Denkweise bezüglich der Sparsamkeit der Ungarndeutschen könnte wesentlich zu unserer Zukunft beitragen. Es gibt Theorien, dass wir die Coronavirus-Krise unserem schädlichen Umgang mit der Umwelt zu verdanken haben. Ob das wahr ist , wird sich später herausstellen. Die Welt wird sich nach der Krise vermutlich verändern, wir brauchen aber eher „Evolution statt Revolution”. Ein jeder sollte sich daran beteiligen, es ist egal, ob der erste Schritt in Turnschuhen, Stiefeln, Patschkern oder Barfuß gemacht wird.

Nandor Frei

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