Wer hätte gedacht, am 23. Mai passierte so einiges

Quelle: Zentrum

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Die Spuren der deutschen Vergangenheit der Hauptstadt konnte man im Rahmen der Programmreihe Zentrum-Programme im HdU letztes Jahr so im Frühjahr, wie auch im Herbst während eines Stadtspaziergangs in der Innenstadt und Leopoldstadt mit dem Historiker István Soós kennenlernen. Dabei ging es auch darum, dass infolge des im 19. Jahrhundert beginnenden ungarischen Nationalismus und der – oft freiwilligen – Assimilation der Deutschen diese Spuren bis zu den heutigen Tagen fast unbemerkbar wurden. Bei beiden Programmen ging es um die neuzeitliche „ungarndeutsche Vergangenheit” der Stadt. Natürlich wurde aber auch erwähnt, dass die Hauptstadt früher, so auch die mittelalterliche Hauptstadt Ofen überwiegend von wohlhabenden deutschen Bürgern, den Patriziern, verwaltet wurde. Die nationalen Bewegungen der Ungarn entfalteten sich erst im 19. Jahrhundert. Aus dem Mittelalter sind national gefärbte Auseinandersetzungen weniger bekannt, denn damals eher die auf die Gesellschaftsklassen bezogenen oder konfessionellen Unterschiede zählten.

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So ist es hochinteressant, dass genau an diesem Tag, am 23. Mai 1439 eine ungarische Volksbewegung gegen die deutschen Patrizier der Stadt begann, die die Ermordung des Anführers der ungarischen Zunftbürger, János Ötvös, ausgelöst hatte. Die Stadt Ofen wurde vom Richter und einem aus 12 Geschworenen bestehenden Rat geführt. Bis zum Ausbruch der ungarischen Volksbewegung bestand der Stadtrat überwiegend aus deutschen Bürgern und die Stadt wurde meistens von einem deutschstämmigen Richter geführt. Die Stadtverwaltung und damit die Macht war also in den Händen der deutschen Bürger. Ötvös hatte seine Stimme dagegen erhoben, wonach er ermordet wurde. Infolge des Aufstands bestand die eine Hälfte des Stadtrats aus Deutschen, die andere aus Ungarn, und ab diesem Jahr wählte man jährlich abwechselnd einen ungarischen und einen deutschen Richter. Im Gegensatz zu diesen Geschehnissen wurde das städtische Leben noch lange wesentlich von den Deutschen geprägt.

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Die mittelalterliche „deutsche Geschichte” von Ofen endete mit der Türkenherrschaft. Die deutschen Bewohner der Stadt standen auf der Seite des Habsburgerkönigs Ferdinand I., und Johann I. (Szapolyai) nahm mit der Unterstützung der Türken am 8. September 1529 das von deutschen Söldnern verteidigte Ofen ein, wonach die deutschen Bürger aus der Stadt von ihm ausgewiesen wurden.
Die „ungarndeutsche Geschichte” der Stadt begann als Ungarn 1686 von der Türkenherrschaft befreit wurde, und Ofen sowie weitere Teile Ungarns von deutschen Kolonisten neu besiedelt wurden, die die Geschichte des Landes weitgehend verändert haben.

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Ohne die Ansiedlung der Deutschen wäre vielleicht auch das legendäre Fußballspiel Ungarn gegen England im Volksstadion in Budapest, vielleicht anders ausgegangen.
Das vor 66 Jahren, 1954, genau am 23. Mai stattgefundene Treffen gewann die ungarische Mannschaft 7:1, was überwiegend dem weltbekanntesten ungarischen Halbstürmer, Ferenc Puskás – auch Namensgeber des erneuerten Volksstadions – zu verdanken ist.

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Als ungarische Staatsbürger können wir auf sein Lebenswerk sehr stolz sein. Als Ungarndeutsche können wir uns aber doppelt so stolz fühlen. Denn er war väterlicherseits deutscher Abstammung und als Ferenc Purczeld am 1. April 1927 in Kleinpesth immatrikuliert wurde. Die Familie war sehr arm und um den Lebensunterhalt zu sichern, ließ der Vater, – der auch als Fußballtrainer arbeitete – als er dazu aufgefordert wurde, den Namen magyarisieren. So hieß ab 1937 auch sein Sohn Puskás, der mit diesem Namen weltberühmt wurde.

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Da er sehr talentiert war, fing seine Karriere sehr früh an, so wurde seine Spitzname „Öcsi” (kleiner Bruder). Davor aber nannte man ihn wegen seiner Herkunft auch „Sváb” (Schwabe).
Es ist hochinteressant, dass auch 2020 fast in allen Ecken der Welt der Name Puskás bekannt ist. Ein jeder weiß, und nicht nur die aus den älteren Generationen, dass es beim Gespräch über Fußball bei der Erwähnung von Puskás um einen hochbegabten und weltberühmten ungarischen Fußballspieler geht, dessen Name nicht nur den Fußballfans bekannt klingt. Vermutlich wissen aber nur die Wenigsten, dass er ungarndeutscher Abstammung war und ursprünglich einen deutschen Name hatte.

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Ohne die Ansiedlung der Deutschen wäre Ungarn einer Weltberühmtheit weniger und ohne die Magyarisierung in den 1930er Jahren würde heute der bekannteste ungarische Familienname in der Welt nicht Puskás, sondern Purczeld lauten.

Nándor Frei

Magyarwechsle die Sprache

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