Ungarischer Patriotismus war bereits 1848 keine Frage der Muttersprache oder Herkunft

Quelle: Zentrum

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Im Zusammenhang mit der Beteiligung der Deutschen in Ungarn an der Revolution und dem Freiheitskampf 1848/49 fallen uns vor allem die Namen der hingerichteten Arader Märtyrer wie der von Ludwig Aulich, Georg Lahner, Joseph Schweidel, Ernst Pöltenberg oder Karl August Graf zu Leiningen-Westerburg-Altleiningen ein. Anknüpfend an die Revolution denken noch viele an die Druckerei Landerer und Heckenast, wo die „Zwölf Punkte“ und das von Sándor Petőfi verfasste „Nationallied“ gedruckt wurden.

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Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, dass größere Teile der Bevölkerung der damaligen Großstädte wie Pressburg, Ofen oder Pesth deutschstämmig bzw. mindestens bis zur Hälfte deutschsprachig waren, und deren deutsches Bürgertum sich der Revolution mit Begeisterung anschloss. Grund dafür waren die ungarischen nationalen Bewegungen der Reformzeit und die darauf folgende Assimilation, infolge derer sich immer mehr deutsche Bürger als „deutschsprachige Ungarn” bezeichneten. Obwohl die Kroaten und Serben sowie die Siebenbürger Sachsen an der Seite der Habsburger kämpften, stellten sich viele Angehörige anderer Nationalitäten auf die Seite der ungarischen Revolutionäre. Mit 200.000 Soldaten erreichte die ungarische Honvéd-Armee ihre höchste Truppenstärke, die Nationalarmee war jedoch nur bis zu sechzig Prozent magyarisch. Die Deutschen sollten in der gesamten Armee um die 20.000 Soldaten ausgemacht haben. Viele Ungarndeutsche befanden sich in der deutschen Legion, deren Soldaten ursprünglich Exilanten der österreichischen und deutschen Revolutionen waren.

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Im höheren Offizierskorps waren die Deutschsprachigen im Verhältnis zu um den zehnprozentigen Bevölkerungsanteil der Deutschen in Ungarn viel markanter, mit 15.5 Prozent (aus den 830 mit 129 Offizieren) vertreten. Es gab also unter den Offizieren und Generälen neben den Märtyrern von Arad noch weitere, die sich während des Freiheitskampfs ausgezeichnet hatten. Zu denen zählt auch Anton Vetter, der auch nach dem Sturz des Freiheitskampfes der Sache seiner Heimat gestellt hatte.

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Anton Vetter von Doggenfeld ist 1803 genau an diesem Tag, am 3. Juli, in eine verarmte adelige Militärfamilie in Mestre, in der Nähe von Venedig geboren. 1815 war er nicht einmal zwölf Jahre alt, als er in die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt aufgenommen wurde. Da er begabt war, erklomm er schnell die militärische Karriereleiter. Er war schon Bataillonskommandant als er sich im Juni 1848 als Erster der Offiziere aus der Kaiserlich-Königlichen Armee zu Diensten der Batthyány-Regierung und damit zur Honvéd-Armee meldete. Er hat sich in mehreren Schlachten ausgezeichnet, am 4. Dezember wurde er zum Generalstabschef ernannt. Vom 28. Dezember 1848 bis zum 18. Januar 1849 ersetzte er den Kriegsminister Lázár Mészáros in dessen Abwesenheit und leitete den Umzug der Kriegsfabriken und Kriegsgeräte aus der Hauptstadt nach Transtisien. Am 8. März wurde er, mit Ausnahme der Truppen in Siebenbürgen, zum Oberbefehlshaber des ungarischen Heeres. Am 28. März wurde er schwerkrank, so wurde als sein Nachfolger Arthur Görgei eingesetzt, der den siegreichen Frühlingsfeldzug nach seinen Plänen führte. Vetter besiegte als Anführer der südlichen Armee am 14. Juli bei Kishegyes noch das Armeekorps von Jellasich, dankte aber wegen der Oberbefehlshaber-Tätigkeit von Dembinski am 7. August ab. Nach dem Ende des Freiheitskampfes versteckte er sich in den Bergen von Siebenbürgen und floh erst 1850 nach Hamburg. Er beteiligte sich 1859 an der Organisierung der ungarischen Legion in Italien und war deren Oberbefehlshaber, so wie auch einer der Anführer der ungarischen Legion in Preußen im Jahre 1866. Nach dem Ausgleich kam er nach Ungarn zurück und beteiligte sich als Berater von Gyula Andrássy auch an der Organisation des Ungarischen Königlichen Honvéd-Heeres. Er starb am 26. Juli 1882, als die mit der Vereinigung von Ofen-Pesth und Altofen entstandene Hauptstadt schon Budapest hieß.

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Trotz seiner Herkunft und Muttersprache zählte er zu den größten ungarischen Patrioten. Besondere Zusammenfälle sind auch, dass seine auf Deutsch verfassten Erinnerungsschriften vom ebenfalls deutschstämmigen Ludwig Aigner (Lajos Abafi) – Übersetzer, Literaturhistoriker und ein ungarndeutscher Historiker der Freimaurerei – ins Ungarische übersetzt wurden, und seine Grabstätte auf dem Kerepescher Friedhof vom ebenfalls deutschstämmigen Alois Strobl errichtet wurde.
Nándor Frei

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