Vor 30 Jahren wurde der Verband Ungarndeutscher Autoren gegründet

Quelle: Neue Zeitung

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Bei der Konferenz „Die ungarndeutsche Literatur und ihr internationales Umfeld“ in der historischen Burg von Petschwar im Juni 1990 wurde die unabhängige Schriftstellerorganisation, der Verband Ungarndeutscher Autoren e. V. gegründet: Nach der am 31. Dezember 1989 im Fünfkirchner Lenau-Haus gegründeten Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU) der zweite gerichtlich eingetragene landesweite ungarndeutsche Verein. Gegen die Gründung sprach sich nur Georg Wittmann aus Promontor aus, der wie viele damals im Verband der Ungarndeutschen in Vereinsgründungen eine „Spaltung der Volksgruppe“ befürchtete.

Hervorgegangen ist der Verband Ungarndeutscher Autoren aus der 1972 entstandenen Literarischen Sektion im Demokratischen Verband der Ungarndeutschen, die 1974 die erste ungarndeutsche Anthologie „Tiefe Wurzeln“ und dann mehrere Anthologien und Einzelbände betreute und ab 1977 jährlich einmal dreitägige Werkstattgespräche für die Autoren organisierte. Bei der Konferenz in Petschwar war auch die Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Autoren (Berlin) mit einer Delegation anwesend, „um Kontakte zu deutschen Schriftstellervereinigungen in den ehemaligen sozialistischen Ländern“ zu knüpfen.

Denn bei der internationalen Konferenz waren Schriftsteller aus Rumänien und Literaturwissenschaftler aus den damaligen beiden deutschen Staaten mit dabei. Durch die Referate konnte die Position der ungarndeutschen Literatur innerhalb und außerhalb des Landes neu formuliert werden. Der neue Verband wurde gleich Mitglied im Bundesverband Deutscher Autoren, dem Autorenvereinigungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz angehörten. So gerieten die ungarndeutschen Autoren schnell in einen regen geistigen Austausch zwischen Ost und West.

1990 brachte die Rheinisch-Westfälische Auslandsgesellschaft Dortmund die Anthologie „Bekenntnisse eines Birkenbaumes“ heraus. Im Geleitwort schrieb der ungarische Staatspräsident Árpád Göncz: „Hier liegt ein seltenes, authentisches Zeugnis vor, das die Ungarndeutschen selbst über ihre Herkunft, Zugehörigkeit und Heimat erstellt haben: die kulturelle Selbstreflexion einer Volksgruppe.“ Ein Jahr später, 1991, erschien in der Reihe „Auslandsdeutsche Literatur“ des Olms-Verlages das Bändchen „Das Zweiglein“, das 1989 im Budapester Lehrbuchverlag veröffentlicht wurde und Texte junger, nach dem Zweiten Weltkrieg geborener Autoren beinhaltet. Der Generalsekretär des Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen, Michael Rehs, meint im Geleitwort: „Diese Zeugnisse noch jüngerer ungarndeutscher Autoren, die in sich Phantasie mit Präzision verschmelzen, entspringen nicht der Sprachbeherrschung, sondern dem Ringen mit ihr und zugleich dem Wunsch, die Muttersprache wieder zu entdecken, sie aus Fragmenten erneut zum Kunstwerk zusammenzufügen, ihr dichterisch den Rang wiederzugeben, der ihr gebührt. Aus noch unvollendeter Sprachbeherrschung ist in sich Dichtung geworden – Sprache als Abenteuer und Kunstwerk zugleich.“

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Im selben Jahr konnte auch die Dokumentation „Die ungarndeutsche Literatur der siebziger und achtziger Jahre“ in Zusammenarbeit mit dem Südostdeutschen Kulturwerk München herausgegeben werden. Eine Arbeit des besten Kenners der ungarndeutschen Literatur, des 1995 verstorbenen Budapester Germanisten János Szabó. Die Dokumentation „…zeigt Aspekte der Entwicklung der ungarndeutschen Literatur im genannten Zeitraum auf. Drei Dutzend Porträts, Analysen, Interviews, Reflexionen, Rezensionen, Berichte, Polemiken aus der Feder von Literaturwissenschaftlern, Kritikern, Journalisten, Kulturpolitikern und den ungarndeutschen Autoren selbst gewähren dem Leser Einblicke in eine Literatur, die – wie so manch andere Minderheitenliteratur – mit streng ästhetischem Maßstab gemessen vielleicht bescheiden, in Anbetracht des Schicksals der Volksgruppe jedoch nicht zu unterschätzen ist. Die Bibliographie, die dem Dokumententeil folgt, erfasst sämtliche Arbeiten, die im Ungarn der siebziger und achtziger Jahre mit literarischem Anspruch in deutscher Sprache entstanden sind, sowie ihre kritische Aufnahme“, heißt es im Vorwort der Herausgeber.

Der Verband Ungarndeutscher Autoren öffnete sich im Feber 1992 auch für Künstler. Damit wurde die Grundlage für das gemeinsame erfolgreiche Zusammengehen von Schriftstellern und bildenden Künstlern im Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler – abgekürzt VUdAK geschaffen.

Johann Schuth

Erschienen in: Neue Zeitung, 33-34/2020

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