„Ich möchte die Menschen zum Nachdenken anregen“

Quelle: Neue Zeitung
Szeretne rendszeresen hírekről, cikkekről értesülni?
Lájkolja Ön is a –> Zentrum Facebook oldalát

Ungarndeutsche Nachwuchsautorin Csilla Susi Szabó
auf neuen Wegen

Csilla Susi Szabó (32) gehört zu der jüngsten Generation ungarndeutscher Autorinnen und Autoren. Sie lebt in der Branauer Gemeinde Surgetin und arbeitet hauptberuflich als Einkaufsleiterin bei einem deutschen Unternehmen in Fünfkirchen. Szabó ist seit 2014 Mitglied des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK) und veröffentlicht regelmäßig u.a. in der Neuen Zeitung und neulich auch auf ihrer neuen offiziellen Autorenwebseite.

Csilla_Susi_Szabo_20200618

Was hat Sie persönlich zum Schreiben motiviert?
Im Teenageralter habe ich angefangen verschiedenes zu schreiben, um meine Gefühle und meine Gedanken, die mich beschäftigen, zum Ausdruck zu bringen. In der 2. Klasse, im zweisprachigen Valeria Koch Gymnasium, hat uns dann eine Deutschlehrerin dazu motiviert, an einem internationalen Schreibwettbewerb teilzunehmen. In der darauffolgenden Pause schrieb ich dann 2 Gedichte, eins davon belegte den 3. Platz. Dieses Ereignis würde ich als mein eigenes Status Quo bezeichnen, denn von dort an wusste ich, dass es Sinn macht, sich mit dem Schreiben zu beschäftigen und habe damit bis heute nicht aufgehört.

Wie lebt es sich Ihrer Ansicht nach heute als Minderheitendichterin in Ungarn?
Gute Frage, ich weiß nicht wie es früher war, aber ich gehe davon aus, dass das Publikum geschrumpft ist, und man sieht es auch an den VUdAK-Mitgliedern, wo ich mit meinem Alter als jüngste Autorin gelte. Junge Leute können nicht mehr so gut deutsch wie früher, es wurde Ihnen nicht von klein auf beigebracht, es gibt nur noch vereinzelte Beispiele für so etwas. Ich sehe das auch bei den Rezitationswettbewerben, wo ich in der Jury sitze, in der Unterstufe, bei den 1.-4. Klässlern. Ich denke, viele Kinder lernen zwar diese Texte auswendig, verstehen sie aber eigentlich nur selten.

Die Rezitationswettbewerbe konnten dieses Jahr nicht in der üblichen Form stattfinden und unser Alltag hat sich durch die Pandemie enorm geändert. Wie haben Sie als ungarndeutsche Autorin die erste Welle von Corona erlebt?
Ich schreibe oft über gesellschaftskritische Themen und den Egoismus der Menschheit. Covid-19 hat wieder meine frühere Meinung bestätigt: In meinem Text Erzfeind schreib ich: „Das glänzende egoistische Leben, welches du immer angestrebt hast, ist letztlich dein Mörder geworden. In der Ewigkeit nützen dir die Termine, die endlosen Meetings und die immer kürzer werdenden Deadlines auch nichts mehr…” Ich hoffe, durch diese Pandemie ist wenigstens einigen Menschen klar geworden, was wirklich im Leben zählt.

Neben gesellschaftskritischen Themen schreiben Sie auch über Identität, Heimat und Sprache. Was sind die Themen, die Sie in der Gegenwart am meisten beschäftigen?
Vor allem ist es das Individuum in der Masse, der Wert eines Lebens: das Leben eines Tieres oder eines Menschen. Inspiration findet man überall, man muss es nur sehen und sich Zeit gönnen es zu verstehen. Damit meine ich, im alltäglichen Leben und durch die Hektik habe ich keine Zeit mir Gedanken über ein überfahrenes Tier zu machen. Wenn mir jedoch der Alltagsstress eine Atempause erlaubt und ich meinen Gedanken etwas Freiraum gönnen kann, bekomme ich gleich Ideen, beispielsweise, wenn ich einen toten Dachs am Straßenrand sehe. Wen ich ansprechen möchte, hängt von der Thematik des Textes ab. Wenn es um gesellschaftskritische Texte geht, möchte ich die Leute – auch mich selbst – wachrütteln. Ich möchte die Menschen zum Nachdenken anregen. Wenn es um Identität geht, z.B. mit dem Text Ich und ich, möchte ich Empathie bei den Leuten wecken. Ich suche eine Verbindung, ob es noch andere gibt wie mich, ob sie auch gleich fühlen, von zwei Identitäten zerrissen sind, und uns dadurch ein Gefühl von Einheit verbindet: „Du/wir sind nicht allein, wir gehören zusammen”.

Sie haben vor kurzem, als erste ungarndeutsche Autorin überhaupt, eine Webseite gestartet. Wie kam die Idee?
Ich muss ehrlich sagen, im Schlaf habe ich so einige Ideen. Gerade wenn mein Bewusstsein sich auf dem „Grad von Freischalten und Einschlafen” befindet. Der Gedanke ließ mich nicht los, wie ich wohl ein Gedichtband zusammenstelle könnte und was für eine große Arbeit das ist: Wenn es erstmal gedruckt wird, kann man eventuelle Fehler nur erschwert korrigieren und es ist ein Heidenaufwand. Da kam mir die Idee mitten im Halbschlaf: wieso mache ich eigentlich keinen Blog oder ähnliches? Die heutige Jugend tut sich leichter, wenn sie im Netz die Texte findet, man ist nicht mehr an ein Buch gebunden, wie früher. Suchen, kopieren und selbst ausdrucken – ist alles viel einfacher. Ich möchte meine potenziellen Leser leichter erreichen, meine Werke können somit schneller und zugleich einem größeren Publikum bekannt gemacht werden. Aktualisiert wird die Seite sobald ich neue korrigierte Texte habe. Bis jedoch Autor und auch Lektor zufrieden sind, ist es jedes Mal ein langer Weg. Es sind schon viele meiner Texte, kategorisiert nach Themenkreisen, zahlreiche Zeitungsartikel und vieles mehr einsehbar, ich bin sehr gespannt auf die Rückmeldungen und freue mich auf viele Besucher.

Gabriella Sós

Das Interview erschien in der Ausgabe 21/2020 der Neuen Zeitung.

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2020 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo