Schwäbisches Abenteuer

Quelle: Zentrum

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Nationalitätencamp Sankt Martiner Schüler
in Hartian

Es war ursprünglich so, dass unser diesjähriges Nationalitätencamp ausfallen muss, es ist aber zum Glück doch nicht so geschehen. Also am zweiten Oktoberwochenende fand das geplante Nationalitätencamp der Sankt Martiner Achtklässler in Hartian statt. Unsere Unterkunft befand sich auf dem „Akazienhof” in Újlengyel, wo früher u. a. die Gehöfte von den Hartianer Schwaben lagen, die Programme wurden in der ungarndeutschen Kleinstadt Hartian organisiert.

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Das wesentliche Ziel unseres Camps war, die Kenntnisse der Schulabgänger der Sankt Martiner Schule im Bereich ungarndeutsche Geschichte, Volkskunde und Kultur mit unseren vielfältigen, bunten und erlebnisreichen Programmen wachzurufen und zu vertiefen. Ein anderes wichtiges Ziel war, dass die Schüler, bevor sie unsere Schule verlassen, ein intensives und unvergessenes Erlebnis gewinnen, das ihre Bindung zu ihrem Heimatdorf und der ungarndeutschen Kultur verstärkt.

Die gemeinsamen kulturellen Erlebnisse befestigen die Beziehungen zwischen den Schülern und helfen ihnen, nach der Abschiedsnahme von unserer Schule, zu unseren deutschen Kulturgruppen zurückzukehren bzw. Mitglieder von unserer Jugendorganisation GJU Sankt Martin zu werden, wo sie die örtlichen Bräuche zusammen weiterpflegen können. Wir legten großen Wert darauf, den Schülern zu zeigen, dass von deutscher Abstammung zu sein, eine natürliche Sache sei, denn außer uns gibt es noch viele starke ungarndeutsche Ortschaften, wo die Bewohner die ungarndeutsche Kultur aktiv und liebevoll pflegen.

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Ein weiteres Anliegen bedeutete, unsere Schulabgänger auf unseren deutschen Abschlussball im Frühling vorzubereiten, auf dessen Eröffnung sie ein qualitativ hochwertiges Programm in deutscher Sprache mit ungarndeutschen Volkstänzen und Traditionen vorführen können. Der deutsche Abschlussball wird in der Zukunft jedes Jahr stattfinden und eine neue Tradition für den Sankt Martiner Abgänger schaffen. Sankt Martin hat selbstverständlich keine Mittelschule, so können wir mit den Kindern die ungarndeutsche Kultur nur in der Grundschule bekannt machen, damit sie sie später übernehmen und wie wir, in unserem Dorf und Heimat, mit Herz und Seele pflegen und weitergeben. Dieses Camp war ja die letzte Gelegenheit für die Achtklässler, ein gemeinsames „schwäbisches Abenteuer“ mitzuerleben.

Aber woraus bestand dieses Abenteuer? Unsere Basis war das Eulennest in Hartian, auf dessen Hof, in einem alten schwäbischen Bauernhaus, ein Heimatmuseum mit reicher Sammlung der örtlichen Geschichte zu finden ist, das in seinem ursprünglichen Zustand erhalten und renoviert wurde. Erzsébet Majer präsentierte unseren Schülern die Sammlung des Hauses. Tante Erzsi, ehemalige Pädagogin der örtlichen Schule unterrichtete 15 Jahre lang auch Volkskunde. Als ich ihre gute Laune sah und interessante Erzählungen hörte, war ich nicht überrascht, dass die Kinder mit offenem Mund zuschauten, als sie ihnen die Einrichtung des traditionellen schwäbischen Bauernhauses vorstellte. Durch ihre Geschichten konnten die Schüler in die frühere schwäbische Lebensweise einen Einblick gewinnen sowie die örtlichen Sitten und Bräuche kennenlernen.

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Die schwäbische Backstunde fand in der Küche des Eulennestes statt. Margó Nyíri und Márta Jeszenszki haben den Kindern das Backen beigebracht. Alle 40 Schüler konnten selbst leckere „Herzel“ backen, die wir dann drei Tage lang naschten. Da das Backen am ersten Nachmittag ablief, bedrohte uns im weiteren Teil des Camps der Hungertod sicherlich nicht. Das dreitägige Programm beinhaltete noch Beschäftigungen, in denen wir uns auf den früher erwähnten Nationalitätenball vorbereiteten. Im Rahmen der Tanzstunden beschäftigten wir uns mit dem Erlernen des Eröffnungstanzes. Zu den Musikstücken „Schönwalzer” und „Freut euch!” machten wir nämlich eine eigene Choreografie. Die Tanzstunden fanden in einem Gemeinschaftsraum statt, der im riesigen Gewölbekeller des Heimatmuseums eingerichtet ist.

Unsere Schüler konnten die Geschichte der Ungarndeutschen durch die Geschichte und Sehenswürdigkeiten der Stadt Hartian noch besser kennenlernen. Die Besichtigung wurde von Antal Lauter geleitet, dem Vizevorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung. Mit einem Pferdewagen besichtigten die Kinder die Sehenswürdigkeiten und Denkmäler der Stadt und lernten die historische Bedeutung der Ansiedlung, der Verschleppung und Vertreibung durch die Geschichten der Einwohner kennen.

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Das Programm unseres letzten Nachmittags war ein Besuch auf dem Bauernhof Monger-Lang. Wir gingen von unserer Unterkunft zu Fuß zu dem Gehöft. Die Besitzer des Hofes ist ein Seniorenehepaar aus Hartian. János Lang und seine Frau Mária Monger haben uns sehr freundlich empfangen. Alle Kinder wurden mit Kuchen, geröstetem Kürbis und Holunderblütensaft versorgt. Das Bauernhaus wurde von den Eigentümern in seinen ursprünglichen Zustand gesetzt und eingerichtet. Die Kinder bekamen auch einen Einblick in das schwäbische Bauernleben und in die Landwirtschaft. In der Kammer des Hauses wurden die Kinder mit einer Vielzahl alter Werkzeuge bekannt gemacht, die sie in die Hand nehmen und ausprobieren konnten. In dem Haus fand man auch den Stammbaum unserer Gastgeber. Erzsébet Majer wurde ebenfalls gebeten, den Stammbaum vorzulegen. Die Geschichte der Monger-Familie geht auch auf die Tschepele-Insel zurück, da ihre Vorfahren u. a. aus Sankt Martin stammen. Wir sprachen auch von den deutschen Städten, aus deren Umgebung diese Familien nach Ungarn kamen. Nach dem Vorstellen dieser Familien konnten die Kinder die Methoden der Familienforschung kennenlernen und erhielten ein Formular als Geschenk, um künftig ihren eigenen Stammbaum zu erstellen.

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Die Abende verbrachten wir auch stimmungsvoll, am Lagerfeuer brieten Speck und sangen ungarndeutsche Lieder.

War dieses Camp wirklich so abenteuerlich? Ja, das war es wirklich!!! Es war eine Freude zu betrachten, wie begeistert und aktiv die Kinder an den Programmen teilnahmen. Man konnte es auf den ersten Augenblick sehen, dass sie die Beschäftigungen genießen und aktiv mitmachen.

Herzlichen Dank an Martin Surman-Majeczki, der bei der Zusammenstellung der Programme mitgewirkt hat, an Helga Surman-Lang, Leiterin des Eulennestes, die den meisten Beschäftigungen Räume sicherte. Vielen Dank an die Leiter der Beschäftigungen, die diese paar Tage so abenteuerlich gestaltet haben. Unser bester Dank gilt auch dem Staatssekretariat für die Beziehungen zu den Kirchen und Nationalitäten im Ministerpräsidentenamt bzw. dem Bethlen-Gábor-Fondsverwalter für die finanzielle Unterstützung (NEMZ-N-20-0184)! Vielen Dank an die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und ihre Mitarbeiter, die die Bewertung und Abrechnung des Antrags abgewickelt haben.

Erika Rierpl
Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung Sankt Martin

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