Unterwegs auf der Tschepele-Insel

Quelle: Zentrum

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Kleineisel, Aschenbrenner, Manger – diese sind in Hartian bis heute lebendige Familiennamen, die nach dem Ortsfamilienbuch von Johannes Neumayer von der Tschepele-Insel stammen. Diese Familien werden in Hartian bis heute mit dem Beinamen „Inzler“ bezeichnet – dieser Brauch liefert einen weiteren Beweis für ihre Abstammung. Meine Uroma hieß Barbara Monger (die ursprüngliche Form dieses Namens ist ebenfalls Manger), und ich wollte erfahren, wo die Wurzeln dieser Familien liegen, in welchen Gemeinden der Familienname am meisten verbreitet ist. Deshalb suchte ich meine nette Kollegin aus der Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen Erika Rierpl, die die Deutsche Selbstverwaltung von Sankt Martin/Szigetszentmárton leitet, mit der Bitte auf, mich auf den alten deutschen Friedhöfen der Insel herumzuführen.

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Diese besondere Tour machte einen großen Eindruck auf mich, denn solche Ausflüge sind immer Gelegenheiten, die die Identität eines Familienforschers bedeutend stärken. Auch in unserer schwäbischen Urheimat (in der Gegend zwischen Dillingen an der Donau und Donauwörth) machen wir jedes Jahr solche Fahrten, die vor allem neben der Kontaktsuche der Entdeckung der Friedhöfe gewidmet sind. Leider hatten wir 2020 keine Möglichkeit dazu, aber diese Tour hat uns ein ähnliches Erlebnis bereitet.

Zuerst sind wir nach Wetsch/Szigetbecse aufgebrochen. In der ungarndeutschen Gemeinde findet man nicht nur einen gepflegten Friedhof, sondern auch hübsche Plätze. Die neueste Sehenswürdigkeit ist eine nagelneue Ulmer Schachtel, die am Ufer eines schönen Teiches im Zentrum liegt und nach dem Muster unserer Schachtel in Hartian/Újhartyán angefertigt wurde. Es ist kein Zufall also, dass ich mich hier fast wie daheim fühlte.

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In Tschip/Szigecsép war es auch nicht viel anders, in dem dortigen Friedhof haben mich die ziemlich langen Grabgedichte fasziniert, deren Texte in vielen Fällen ähnlich zu den in Hartian befindlichen Aufschriften waren. In den anderen aufgesuchten Friedhöfen kamen solche Gedichte eher seltener vor.

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Eine sehr interessante Erfahrung habe ich auch in Lórév gesammelt. Zwar hat die Siedlung keine ungarndeutschen Bezüge, aber sie ist die Heimat einer besonders starken serbischen Gemeinschaft. Ihr Friedhof steht auch symbolisch dafür, wie ernst die Lóréver Serben ihre Identität erlebten. Fast alle Grabsteine sind auch heute mit kyrillischen Buchstaben beschriftet.

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Leider sind nicht alle Grabmäler so in Ehren gehalten, viele sind auch auf der Tschepele-Insel dem Verfall überlassen. Hoffentlich wird das aber nicht mehr lange so sein! Es gibt Gott sei Dank beispielhafte Projekte dafür, auch auf der Insel mehrere, wie schön man eine ungarndeutsche Parzelle anlegen kann.

Die nächsten zwei Stationen waren uns schon wohlbekannt. In Sankt Martin und Ujfluch/Szigetújfalu sind ja ziemlich neue GJU-Freundeskreise aktiv. Mit den da lebenden ungarndeutschen Gemeinschaften sind die Hartianer nicht nur verwandt, sondern auch gut befreundet. Auf beiden Friedhöfen kann man zahlreiche sorgsam gepflegte Grabmäler finden, die auch Zeugen für unsere Verwandtschaft sind. Es waren vielerorts auch solche Familiennamen zu lesen, die es zwar heute in Hartian nicht mehr zu finden sind – wie zum Beispiel Strohmayer oder Deminger – die jedoch unsere Vorfahren sind und daher noch deren Blut in unseren Adern fließt.

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Wir haben gemeinsam auch etwas Großartiges entdeckt! In Sankt Martin haben wir ein Manger-Grabmal gefunden, das aus dem Jahre 1827 stammt und über eine spezielle Herzform verfügt, was damals in Mode war. In dieser Zeit lebten meine Manger-Vorfahren auch noch auf der Insel. Wir haben mit Erika Rierpl vorgenommen diesen wertvollen Grabstein möglichst bald zu retten.

Unsere Freunde aus Sankt Martin haben uns auch alle wichtigen Gemeinschaftszentren und Denkmäler gezeigt und es wurden auch schon Pläne für die „coronafreie” Zukunft geschmiedet. Denn wir sind davon überzeugt, dass es neben dem Erhalt des baulichen Erbes auch unsere Aufgabe ist, etwas ganz Neues aufzubauen, was unsere Jugendlichen miteinander verbindet. Dazu bieten die gemeinsame Herkunft und die GJU-Mitgliedschaft gute Grundlagen.

Martin Surman-Majeczki

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