Pater Cornelius Petrus Mayer verstorben

Quelle: Zentrum

Mitteilung vom St. Gerhards-Werk e.V.

Einen Tag vor seinem 92. Geburtstag verstarb am 8. März 2021 in Würzburg der Augustinerpater Professor Dr. Dr. h.c. Cornelius Petrus Mayer. Er ist als Sohn des Rudolf Mayer und seiner Ehefrau Josefa (geb. Gier) am 9. März 1929 in Pilisborosjenő (Weindorf) in der Nähe von Budapest in Ungarn geboren. Nach der Volksschule in seinem Heimatort besuchte er von 1940-1944 das Gymnasium in Esztergom (Gran) und von 1944 bis 1946 das Gymnasium in Székesfehérvár (Stuhlweißenburg).

csm_2015-03-17__bfddaf5e___Augustinerpater_Professor_em__Dr__Cornelis_Petrus_Mayer_ad09aa7896

Als Volksdeutscher erlitt er 1946 das Schicksal der Vertreibung und musste zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern seine Heimat verlassen. Die Familie kam in den nordbadischen Wallfahrtsort zum Heiligen Blut Walldürn, deren Seelsorge den Patres des Augustinerordens aufgetragen war. Diese vermittelten ihn an das Augustiner-Gymnasium in Münnerstadt. Die dortigen Patres halfen ihm, der seine bisherige Gymnasialausbildung in ungarischer Sprache absolviert hatte, seine Kenntnisse in der deutschen Hochsprache zu vervollkommnen, so dass er dort 1949 mit Auszeichnung die Reifeprüfung (Abitur) ablegte.

Nach dem Eintritt in den Augustinerorden und dem Studium der Philosophie und Theologie in Würzburg wurde er 1955 von Bischof Dr. Julius Döpfner zum Priester geweiht. Zehn Jahre war er Präfekt und Direktor des Klosterseminars St. Augustin in Würzburg. Nach zwei Studienaufenthalten an der Sorbonne und der Haute Ecole in Paris, nach Promotion summa cum laude und Habilitation begann er 1974 seine Lehrtätigkeit an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. 1979 wurde er zum Professor für Systematische Theologie an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen.

Mitte der 1970er Jahre begann Cornelius Petrus Mayer mit der Arbeit an den Werken, die zu seiner Lebensleistung und Grundlage der neueren Augustinusforschung werden sollten. Es ging ihm darum, zu helfen, die Theologie, Spiritualität und Jahrhunderte überdauernde Wirkung seines Ordensvaters Augustinus zu erschließen. Wie kein zweiter Kirchenvater und Theologe hat der hl. Augustinus (354-430) die Kirche des Westens und das religiöse Leben geprägt. Das auf fünf Bände konzipierte Augustinus-Lexikon ist mit seinen rd. 1.200 von etwa dreihundert Autoren bearbeiteten Artikeln zu einer einmaligen Fundgrube geworden. Leider hat Cornelius Petrus Mayer den Abschluss des fünften und abschließenden Bandes des von ihm konzipierten und aktiv begleiteten Werkes nicht mehr erlebt. Doch die fünf Bände werden seinen Namen weiterhin in die wissenschaftlich-theologische Welt tragen.

Augustinus

Als Basis für die Lexikonartikel initiierte Cornelius Petrus Mayer das von ihm auch herausgegebene „Corpus Augustinianum Gissense“ mit einer vollständigen EDV-Wortkonkordanz, die alle über 5 Millionen Wörter des Gesamtwerks des hl. Augustinus enthält. Zugleich ging Cornelius Petrus Mayer daran, die gesamte auf ca. 50.000 Titel geschätzte Literatur zur Person und zum Werk seines Ordensvaters zu erfassen.

Nach seiner Emeritierung als Professor in Gießen kehrte Pater Cornelius Petrus Mayer in sein heimatliches Kloster Würzburg zurück und gründete dort 2001 das „Zentrum für Augustinus-forschung“ (ZAF), das er bis 2014 leitete und das die von ihm begonnene wissenschaftliche Forschung weiterführt.

Allein schon diese Hinweise auf die von Cornelius Petrus Mayer initiierten, von ihm begleiteten und bearbeiteten Werke lassen erahnen, mit welch großem Einsatz und herausragendem Wissen er seine Aufgabe wahrnahm. Die Resonanz auf seine Leistung ist denn auch weltweit mehr als positiv und staunend. Er hat die Fachwelt begeistert und in nahezu einmaliger Weise reich beschenkt. Zweifellos zählt er zu den herausragenden Wissenschaftlern weltweit – nicht nur in der Kirche und unter den Donauschwaben.

So wundert es nicht, dass Cornelius Petrus Mayer auch breite Anerkennung fand. Zu seinem 60. und 80. Geburtstag wurde er jeweils durch eigene Festschriften geehrt. Die Villanova University of Pennsylvania verlieh ihm 1988 den Ehrendoktor. Der Bundespräsident ehrte ihn 1993 durch die Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Ministerpräsident Stoiber verlieh ihm 2005 den Bayerischen Verdienstorden.

Bei all dem blieb Cornelius Petrus Mayer der angenehme und schlichte Ordensmann. Für ihn gehörte es selbstverständlich dazu, sich als Donauschwabe im St. Gerhards-Werk zu engagieren. So blieb er auch seinem Geburtsort Weindorf und den Menschen dort verbunden. Um nach dem Tod seines Vaters die Trauer seiner Mutter zu lindern, fuhr er 1964 mit ihr und seinem Bruder Béla in die alte Heimat, überraschte seine noch dort lebenden Verwandten mit seinem Besuch und hielt am Sonntag den Gottesdienst in der Kirche. Aus diesem ersten Besuch in Weindorf wurde ein bleibender Kontakt. So erhielt er denn auch am 20. August 2009, dem Stephanstag, die Ehrenbürgerwürde von Piliborosjenő/Weindorf. Er selbst nannte die damalige Feier „eine der schönsten meines Lebens“.

Nach seiner Vertreibung aus Ungarn war der Augustinerorden zu seiner neuen Heimat geworden. Sein Blick zurück in die Vergangenheit war stets zugleich ein Blick nach vorne. Aus der dankbaren Verbindung zu seinem Geburtsort wurde er zum Brückenbauer und Anwalt einer gemeinsamen versöhnten Zukunft in Europa. Er hat sich stets den auf ihn zukommenden Herausforderungen gestellt und meisterte sie mit Bravour. In Cornelius Petrus Mayer verlieren wir einen hochgelehrten äußerst fruchtbaren Wissenschaftler und herausragenden heimatverbundenen Glaubenszeugen, der es verdient hat, lange und weltweit in Erinnerung zu bleiben.

+ Dr. Robert Zollitsch
Erzbischof em.
Vorsitzender des St. Gerhards-Werk e.V.

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2021 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo