Unmenschliche Schicksale

Quelle: Bibliothek.hu
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Wie die Vertreibung, so war auch die Verschleppung der Ungarndeutschen in die Sowjetunion über eine lange Zeit ein verschwiegenes, tabuisiertes Thema. Die historische Aufarbeitung von Malenkij Robot fing erst um die Wende 1989 an. Einen Aufschwung brachten die Ankündigung und Verlängerung des Gulag-Gedenkjahres zwischen 2015-2017. Infolge dessen sind zahlreiche Werke im Thema erschienen.

Embertelen sorsok

Dieses Werk ist zwar erst Ende 2020 erschienen und wurde von Lokalpatrioten aus Boschok verfasst, trotzdem gehört es zur selben Thematik.

Die Branauer Gemeinde wurde schon ab dem 27. November 1944 durch Sowjetsoldaten „befreit” und zugleich besetzt. Zum Ende der Adventszeit wurde die örtliche deutsche Bevölkerung zu einer „kleinen Arbeit” (Malenkij Robot), zum Maisbrechen in der Batschka für zwei Wochen aufgefordert. Am 26. und 29. Dezember wurden alle in Boschok ansässigen arbeitsfähigen ungarndeutschen Jugendlichen und Erwachsenen verschleppt, jedoch nicht in die Batschka, sondern in die Sowjetunion. Die Zwangsarbeit dauerte mehrere Jahre lang. Jugendliche über 16 Jahre, Frauen unter 30 und Männer unter 50, also alle, die sich nicht verstecken, zwischendurch fliehen oder sich aus der Liste aus irgendeinem Grund streichen lassen konnten, mussten mehrere Jahre lang als Gefangene, fern von der Heimat, hungernd schwerste Arbeit leisten. Die meisten arbeitsfähigen Männer waren zu dieser Zeit noch Soldaten im Krieg. Aus Boschok kamen 94 Frauen und 15 Männer auf die Züge Richtung Ferne. Von ihnen sind 13 Frauen und 6 Männer nicht mehr in ihre Heimat zurückgekehrt.

Die Autorin, Maria Thurn geb. Szorg, hat mit Maria Jordán geb. Miete und Josef Jordán nicht nur die Liste und eine allgemeine Geschichte der Boschoker Verschleppten verfasst: Nach einer langjährigen Sammelarbeit wurden alle Schicksalsgeschichten der 94 Frauen und 15 Männer nicht nur einzeln gesammelt, sondern auch – dank Melitta Hengls Arbeit – übersetzt. Der hier dokumentierte tragischste Teil ihres Lebens wurde mit Archivfotos ergänzt und teils mit Dokumenten aus der Zeit in diesem anspruchsvollen Buch verewigt. Alle Geschichten sind einzigartig, es gibt aber auch bestimmte Ähnlichkeiten. Es war z. B. kein Einzelfall, dass junge Mütter ihre kleinen Kinder hinterlassen mussten und nach der Rückkehr gleich nach Deutschland vertrieben wurden oder erst nach Jahren durch eine Familienzusammenführung dort wieder ihre Ehemänner trafen. Durch die Geschichten und Fotos wird dem Leser sofort klar, dass hinter den in unseren Geschichtsbüchern vorhandenen Daten, Listen und Fakten Menschen, einzelne Schicksale und private Tragödien stecken, welche in diesem Buch öfters nur noch von den Nachfahren oder Verwandten erzählt werden konnten.

Das Buch empfehlen wir allen, die anhand der persönlichen Perspektive von Zeitzeugen und ihren Nachfahren über die Malenkij Robot der Boschoker Ungarndeutschen mehr erfahren möchten. Der Band kann sowohl für den privaten Gebrauch als auch für Forscher sehr nützlich sein.

Maria Jordán geb. Szorg: Unmenschliche Schicksale – Embertelen sorsok
Palotabozsok : Palotabozsoki Német Nemzetiségi Egyesület – Boschoker Chor, 2020.
418. S., Ill.
Sprache: Deutsch, Ungarisch

Die empfohlenen Bücher sind in der Sammlung der Ungarndeutschen Bibliothek – wenn nichts weiteres Angegeben – nur zur Leihe zugänglich.
Weitere Informationen: info@bibliothek.hu
Webseite: www.bibliothek.hu

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