„Lehrer bleiben ein Leben lang Lehrer, und ich liebe diesen Beruf”

Quelle: LdU

Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie ein Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite

Pädagogin Gabriella Scherer erhielt
den Apáczai-Csere-János-Preis

Jährlich werden in Ungarn Lehrkräfte im Mittelschul-, Hochschul- und Universitätswesen für ihre besonderen pädagogischen und sonderpädagogischen Leistungen sowie ihren herausragenden wissenschaftlichen Tätigkeiten geehrt. Am 7. Juni 2021 überreichten Miklós Kásler, Minister für Humanressourcen und Zoltán Maruzsa, Staatssekretär für Bildungswesen den Apáczai-Csere-János-Preis an Gabriella Scherer. Mit der ehemaligen Hauptdirektorin des Ungarndeutschen Bildungszentrums (UBZ) in Baje führte die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ein Interview.

Liebe Frau Scherer, was verbindet Sie mit dem Ungarndeutschtum?

Ich bin in einem ungarndeutschen Dorf, in eine schwäbische Familie geboren. In meiner frühen Kindheit habe ich überwiegend mit meinen Großeltern gelebt, die untereinander eigentlich nur deutsch gesprochen haben und das hat meine Identität geprägt. Meine Eltern, die selber auch die deutsche Sprache beherrschten, haben großen Wert daraufgelegt, dass ich von der ersten Klasse an privat deutsch und englisch lerne, da es damals in der Grundschule nicht möglich war. Danach war es selbstverständlich, dass ich das damalige deutschsprachige Gymnasium in Baja besuche und dort Abitur mache.

scherer_apaczai

Sie arbeiteten fast drei Jahrzehnte lang im UBZ. An welche Momente Ihrer Laufbahn erinnern Sie sich besonders gerne?

Es gibt zahlreiche solche Momente, an die ich mich gerne erinnere. Es ist sogar schwierig nur einen hervorzuheben. Im UBZ bin ich damals als ehemalige Schülerin und junge Kollegin sehr herzlich vom Kollegium aufgenommen worden. Ich habe alles, was einem zum Lehrer macht, von den Kollegen gelernt. Diese Schule bot für mich immer – auch später, als ich zur Leiterin des Instituts wurde – ein sehr inspirierendes Umfeld. Diese Schule haben meine beiden Söhne besucht vom Kindergarten an bis hin zum Abitur. Dabei gab es auch wunderschöne Momente, da eine Stärke dieser Schule ist, dass sie auch trotz der hohen Schülerzahl eine familiäre Atmosphäre bietet und großen Wert auf Gemeinschaftsbildung legt. Ich finde, es ist sehr wichtig, dass man sich bei der Arbeit wohl fühlt, egal, ob man Schüler, Lehrer oder Leiter dieser Schule ist. Das ist ein Schlüssel zum Erfolg. Erfolgreiche Schüler und erfolgreiche Lehrer machen die Schule erfolgreich. Ich bin vor 40 Jahren als Schülerin in diese Schule gekommen und habe bis auf die 5 Jahre im Studium mein ganzes Berufsleben dort verbracht. Ich bereue keinen einzigen Tag, ich bin stolzes Mitglied dieser Familie gewesen.

Bei der Umsetzung von mehreren Innovationen in der allgemeinen und beruflichen Bildung und der Entwicklung von pädagogischen Methoden spielten Sie eine wichtige Rolle am UBZ. Könnten Sie Ihre damaligen Tätigkeiten ein wenig erläutern?

2002 bin ich zur Leiterin des damaligen Gymnasiums ernannt worden, 2008 kam dann die Aufgabe der Grundschulleitung hinzu, und von 2011 bis 2019 habe ich als Hauptdirektorin das Institut geleitet. Diese 17 Jahre haben viel Neues ins Leben der Schule gebracht. Es wurden neue Strukturen ausgebaut und pädagogische Innovationen ausgearbeitet. Besonders stolz bin ich auf den Aufbau des berufsbildenden Zweiges der Schule mit dem Profil Tourismus. Damit haben wir Schüler, die neben dem Abitur auch einen Beruf erwerben wollten, eine Alternative geboten, und diesen Bildungsgang in den Rahmen der Nationalitätenbildung eingebunden. Eine Pionierarbeit haben wir geleistet, als wir einige Jahre vor der landesweiten Einführung in Ungarn die Ganztagsschule aufgebaut, und damit unseren Grundschülern auch für den Nachmittag sinnvolle Beschäftigungen geboten haben. Eines unserer Leitprinzipien in der Schule war eine Vielfalt an Beschäftigungen, sowie Projekte, Austauschprogramme, AG-s anzubieten, damit ein jeder Schüler in den 8 oder 12 Schuljahren im UBZ seine Talente entdecken und entfalten kann dadurch, dass er vieles ausprobieren kann. Um all diese Innovationen durchzuführen, braucht man aber ein sehr kompetentes Lehrer- und Erzieherkollegium, das die Kompetenzentwicklung der Schüler in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt, und Kinder unterrichtet, und nicht den Lehrstoff. Ich bin der Kollektive des UBZ sehr dankbar, in dieser Zeit so viel gemeinsam bewegt zu haben. Da unsere pädagogischen Innovationen sehr gut in der Gesellschaft der Stadt aufgenommen worden sind, hat sich die Bewerberzahl in die Schule enorm erhöht. Wir konnten in der Grundschule durchgehend drei parallele Klassen starten. Aus diesem Grund sind dann die infrastrukturellen Innovationen entstanden. Wir bauten für die Oberstufe der Grundstufe ein neues Schulgebäude, neue Spielplätze auf dem Hof und eine neue Sporthalle. Auch ein wichtiger Punkt meiner beruflichen Laufbahn war die Gründung und Weiterentwicklung der deutschen Abteilungen des UBZ. 2012 wurde die Robert-Bosch-Grundschule in Miskolc gegründet, und 2015 haben wir die Mercedes-Benz-Schule auch für ungarischen Kinder geöffnet, und damit diese Abteilung auf der Bildungspalette der Stadt Kecskemét etabliert. Otto Heinek, der ehemalige Vorsitzende der LdU hat das UBZ einst in seiner Rede als „Flaggschiff der ungarndeutschen Bildung“ bezeichnet. Ich wünsche es aus vollem Herzen, dass dieses Schiff weiterhin guten Wind kriegt und weiterhin so erfolgreich auf Kurs bleibt.

Welche Projekte beschäftigen Sie aktuell?

Mein aktuelles Innovationsprojekt ist die Erweiterung der Mercedes-Benz-Schule um eine 11. und 12 Klasse. Die Schüler, die diese Abteilung des UBZ besuchen, sollen 2025 auch das deutsch-ungarische Doppelabitur in Kecskemét ablegen können. Das Konzept der Erweiterung stammt zwar von mir, aber an der Ausführung arbeiten wir mit der jetzigen Institutsleitung des UBZ eng zusammen. Ich begleite den Prozess als für die Schule zuständige Bildungskoordinatorin der Mercedes-Benz Manufacturing Hungary.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich bin ein Mensch, der nie ruht. Ich konzentriere zwar auf meine jetzige Aufgabe, habe aber viele neue Ideen und Gedanken, die ich immer wieder bündeln und strukturieren muss. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Mensch ein Leben lang lernen, sich weiterentwickeln muss. Das tue ich auch. Mein Traum ist, in der nicht mehr so weiter Zukunft ein Studio zu gründen, in dem man talentierte Jugendliche mentoriert und fördert. In der sich schnell verändernden Welt haben die Jugendlichen vielerlei Möglichkeiten, aber es ist nicht immer leicht, Orientierungspunkte für ihre Zukunft zu finden und die nötige Kraft aufzubringen, sich zu entscheiden. Auch sehr gute Schulen schaffen es nicht immer, den Jugendlichen individuell optimal zu fördern. Damit möchte ich mich in der Zukunft beschäftigen. Jungen Leuten bei der Berufswahl, bei der individuellen Kompetenzentwicklung, bei der Entdeckung der eigenen Stärken zu helfen. Dazu gehören Kommunikationsschulung, Entscheidungskrafttraining, Konfliktbewältigung, Berufsorientierung und Lernmethodik und Lerncoaching. Darüber informiert meine Homepage felkeszitelek.hu. Die Bildung, die Schule, die Entwicklung von Menschen bestimmen meine Vergangenheit, meine Gegenwart und auch meine Zukunft. Lehrer bleiben ein Leben lang Lehrer, und ich liebe diesen Beruf.

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2021 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo