Goldenes Verdienstkreuz an Hans Schmuck

Quelle: Neue Zeitung

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Der langjährige Vorsitzende der Landesmannschaft der Deutschen aus Ungarn Landesverband Bayern, Hans Schmuck, wurde von Staatspräsident János Áder mit dem Goldenen Verdienstkreuz von Ungarn ausgezeichnet. Die Auszeichnung überreichte Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó bei einer kleinen, gutgelaunten Feier am 22. Juli 2021 im Generalkonsulat in München.

Laudatio auf Hans Schmuck

Die Laudatio hielt Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó: Hans Schmuck wurde in Atscha/Vértesacsa, einem kleinen Dorf in Transdanubien geboren. Da sein Vater früh verstarb, übernahm er schon als Kind Arbeiten in Haus und Hof der Mutter. Trotz der Schwierigkeiten erlebte er eine glückliche Kindheit, bis die Familie am 22. Mai 1946 in einem Güterwagen aus dem Land ausgewiesen wurde. Im Sinne der kollektiven Schuldzuweisung wurden in dieser Zeit etwa 200.000 Ungarndeutsche vertrieben. Die Schmucks durften wie alle anderen Familien nur ca. 100 kg Gepäck mitnehmen. Sie wurden nach Deutschland in die amerikanische Zone gebracht und landeten in Notzingen in Baden-Württemberg. Dort in der Nähe baute später die Mutter ein Haus für ihre Familie.

Tordai-Lajko Hans Schmuck

Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó und Hans Schmuck

Bereits im Juni 1946 fand Hans Schmuck als Webelehrling Arbeit. Anschließend ging er nach Neumünster in den Norden Deutschlands und besuchte die dortige Textilfachschule. Später erwarb er das Diplom als Textilingenieur. In Kiel lernte er seine norddeutsche Ehefrau Karin kennen, mit der er auch heute in glücklicher Ehe lebt. Das Ehepaar hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder, die wir unter uns begrüßen dürfen. Parallel mit dem beruflichen Aufstieg, im Laufe dessen Hans Schmuck Abteilungsleiter und Betriebsleiter in Textilfabriken wurde, geriet er immer näher zu Süddeutschland. 1996 wurde er als Betriebsleiter in Wolfratshausen bei München pensioniert.

Sobald er wieder einreisen durfte, fuhr die Familie regelmäßig nach Ungarn, um die dort verbliebenen Verwandten zu besuchen. Hans Schmuck pflegt bis heute intensive Beziehungen mit seiner alten Heimat. Er setzte sich ein Leben lang für andere ein. In seiner neuen Heimat engagierte er sich vor allem für die Angelegenheit der Deutschen aus Ungarn. 22 Jahre lang war er Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn Bayern e.V., elf Jahre lang war er als Vorsitzender der Delegiertenversammlung der Bundeslandsmannschaft der Deutschen aus Ungarn tätig. Auch politisch war er aktiv: 18 Jahre lang war er Stadtrat in Geretsried für die CSU. Als Landesvorsitzender der LDU stärkte und pflegte er den Austausch mit dem Generalkonsulat von Ungarn in München sowie mit anderen Einrichtungen. Er organisierte regional und überregional Kulturveranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen und Reisen nach Ungarn.

Als Anerkennung der Vertretung der Angelegenheiten der aus Ungarn vertriebenen und in Bayern lebenden Deutschen bzw. seiner Tätigkeit für die Förderung der Beziehungen zwischen Ungarn und Bayern wurde Hans Schmuck, Ehrenpräsident der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn Bayern e.V., die Auszeichnung Goldenes Verdienstkreuz von Ungarn von János Áder, Staatspräsident von Ungarn verliehen.

Erwiderung von Hans Schmuck zur Auszeichnung

Es ist mir eine Ehre und große Freude, diese Auszeichnung, die mir heute überreicht wird, entgegenzunehmen. Ich möchte mich bei Herrn Generalkonsul für die schöne Laudatio bedanken und bei allen, die zu dieser besonderen Ehrung beigetragen haben. Besonders bedanken möchte ich mich bei meiner lieben Frau Karin und meinen Kindern, die mich über viele Jahre begleitet und bestärkt haben, mein persönliches Anliegen der Völkerverständigung zwischen Ungarn und Deutschland und insbesondere Bayern auf so vielen Ebenen zu verfolgen.

Mir wurde als Ungarndeutscher dieses Anliegen in die Wiege gelegt. In meinem Elternhaus und bei Freunden wurde immer schon wahlweise Ungarisch und Deutsch gesprochen, das fließend ineinander überging. Die Budapester Schmuck-Verwandtschaft hat mich schon als Kind mit Büchern in ungarischer und deutscher Sprache versorgt. Als Jugendlicher habe ich mit Begeisterung ungarische Cowboy-Romane und Erzählungen wie „Egri csillagok“ (Sterne von Eger) von Gárdonyi und „A jó palócok“ (Gute Palotzen) von Kálmán Mikszáth gelesen.

Gaeste der Verleihungsfeier Schmuck

Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó, Hans Schmuck (Mitte) und Gäste: Georg Hodolitsch, Vorsitzender LDU Bayern (Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn); 1.v.l. Herta Daniel, stellvertretende BdV-Landesvorsitzende und Ehrenvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland in der Vertretung von Christian Knauer, BdV-Landesvorsitzender; 2.v.r. Michael Müller, Erster Bürgermeister der Stadt Geretsried; 4.v.r. Ehefrau, Töchter und Enkelsöhne von Hans Schmuck

Ich bin dankbar für den guten zweisprachigen Unterricht der Lehrerinnen und Lehrer schon in der Grundschule in Atscha. Das Lesen auf Deutsch und Ungarisch blieb bis heute mein größtes Hobby. Dazu gehören unzählige Bücher über die deutsche, ungarische und donauschwäbische Geschichte, die mich besonders interessiert.

Ich möchte dazu anmerken, dass die Vorfahren der Atschaner vermutlich größtenteils Mitte des 18. Jahrhunderts aus dem Fränkischen nach Ungarn eingewandert sein dürften. So ist unsere Mundart teils dem Fränkischen ähnlich. Unsere gesamte Lebensart vereinte Traditionen der deutschen wie ungarischen Kultur ganz selbstverständlich.

In meinen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten war es mir stets eine Herzensangelegenheit, die Kultur der Ungarndeutschen als gemeinsame deutsch-ungarische Geschichte lebendig zu vermitteln, Kontakte zueinander und das Verständnis füreinander zu fördern und damit die Freundschaft beider Nationen zu festigen.

Ich pflege den Austausch mit meiner Heimat Ungarn bis heute in mannigfaltiger Weise, inzwischen auch über das Internet. Sobald der Eiserne Vorhang es zuließ, reiste ich in die alte Heimat mit der ganzen Familie. Wie es schmerzte, das alte Presshaus in unserem Weinberg verfallen zu sehen. Aber wie es mich auch freute, dass die heutigen Bewohner von Atscha die ungarndeutschen Traditionen z. B. durch ein ungarndeutsches Museum und eine Tanzgruppe lebendig halten.

Wie schön, wenn man auch die Jugend dafür gewinnen kann, denn: echte Völkerverständigung beginnt im Alltäglichen, im persönlichen Gespräch, beim gemeinsamen Feiern, aber auch der gegenseitigen Unterstützung, wo sie gebraucht wird.

Meinen persönlichen Ausführungen ist leicht zu entnehmen, dass ich eine doppelte Identität besitze und mein Herz für zwei Heimaten schlägt: die ungarische und die deutsche. Dazu möchte ich einen kurzen Vers von meinem donauschwäbischen Landsmann Robert Koch vortragen:

Doppelte Heimat
Gepriesen sei die Heimat mein,
Wo ich dereinst geboren.
Sie wird mein Eigen sein,
Auch wenn ich sie verloren.
Gepriesen seist auch du, mein Land,
Wohin ich hab gefunden.
Mit neuem Glück, das ich hier fand,
Vernarbten manche Wunden.
So leben heute’ in meiner Brust
Zwei hoch gepriesene Welten.
Ich lasse beide – ganz bewusst –
Als meine Heimat gelten.

Ein bisschen Heimweh nach meiner alten Heimat Ungarn habe ich eigentlich immer. Gerne würde ich nochmal dorthin reisen, wenn es die Gesundheit zulässt, was in heutigen Zeiten ja gar nicht so sicher ist. Trotzdem bin ich auch immer wieder gerne nach Bayern zurückgekehrt, wo ich mich ganz zu Hause fühle.

Auch hier im Konsulat fühle ich mich immer herzlich aufgenommen. Und ich wurde vom Konsulat jederzeit in meiner Tätigkeit unterstützt. Dafür gilt mein besonderer Dank auch Ihnen lieber Herr Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó und Ihrem Team. Ich danke Ihnen und dem ungarischen Staatspräsidenten für diese besondere Ehrung und Ihnen allen für das Zuhören.

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