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20 Jahre Landesrezitationswettbewerb
Wir schreiben das Jahr 2000. Ich bin mit meinem jüngsten Kind in Babypause, als unsere Grundschule in Tarian die Nachricht erreicht: Zum ersten Mal wird ein Rezitationswettbewerb auf Regionalebene in Raab veranstaltet. Die besten Vorträge aus den Komitaten Komorn-Gran, Raab-Wieselburg-Ödenburg, Weißenburg, Wesprim, und der Hauptstadt Budapest dürfen in der Kovács-Margit-Grundschule präsentiert werden. Eine liebe Kollegin begleitet die SchülerInnen aus Tarian – darunter auch meinen Sohn.
Im darauffolgenden Jahr darf ich selbst als vorbereitende Lehrerin und als stolze Mutter dabei sein. Ich lerne Robert Wild kennen, den Regionalbüroleiter der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU). Er ist einer der Initiatoren und der Hauptorganisator dieser Veranstaltung. Mit großer Begeisterung spricht er zu den Kindern und zum Publikum über die Liebe zur Muttersprache, über die Freude am Rezitieren und seine Begeisterung angesichts der vielen Teilnehmenden.
Nach fünf Jahren erfolgreicher Organisation ist es 2005 endlich so weit: Das erste Landesfinale des ungarndeutschen Rezitationswettbewerbs findet im Deutschen Nationalitätengymnasium in Budapest statt. Das Land wird anhand der ungarndeutschen Schülerzahlen der Komitate in fast drei gleich große Regionen eingeteilt, in denen sich je ein Drittel der Landesfinalisten für das Finale qualifizieren können. Die besten SchülerInnen der ungarndeutschen Nationalitäteneinrichtungen aus dem ganzen Land kommen zusammen.
An die Gefühle beim Betreten der Turnhalle erinnere ich mich noch heute: vertraute Gesichter aus den verschiedenen ungarndeutschen Regionen des Landes, lange nicht gesehene Freunde, KollegInnen, Trachten aus der Branau, der Batschka und Nordungarn, Kinder mit strahlenden Augen, gespannte PädagogInnen. Und Großmütter, die mit sichtbarem Stolz noch den letzten Feinschliff geben – am Unterrock der Enkelin, am Rosmarinzweig oder an den kunstvoll geflochtenen Haaren. Ein bewegender Anblick.
Robert Wild, der die Gesamtorganisation in den Händen hält und dabei von den MitarbeiterInnen und den RegionalbüroleiterInnen der LdU unterstützt wird, lädt Jahr für Jahr hervorragende Persönlichkeiten in die Jury ein. Das Rezitationsfinale wird dadurch nicht nur zu einem Wettbewerb, sondern auch zu einem Begegnungsort für Bildungsfachleute und prägende Persönlichkeiten der ungarndeutschen Nationalitätenkultur. Das DNG erweist sich dabei stets als großartiger Gastgeber – und hofft natürlich, einige der FinalistInnen später als eigene SchülerInnen begrüßen zu dürfen.
Seit den Anfängen engagiert sich Robert Wild mit Leib und Seele dafür, dass der Rezitationswettbewerb jedes Jahr stattfinden kann. Er lädt Jurymitglieder zur Mitarbeit ein, erstellt Bewertungskriterien, gestaltet die Punktetabellen und die Informationsbriefe, beantwortet Fragen und wirbt Unterstützer und Förderer ein.
Am ersten Landesfinale nahmen 126 Kinder aus ungarndeutschen Grundschulen teil. Beim 20. Wettbewerb waren es bereits 215 – inzwischen erweitert um den Gymnasialbereich. Anfangs wurde in sechs Kategorien rezitiert, heute sind es elf. Bescheiden merke ich an, dass die Grundschulkinder aus Tarian es bei allen 20 Wettbewerben in die Finale geschafft haben.
Robert Wild hat weit mehr als nur einen Wettbewerb geschaffen. In seinem Werk verbinden sich Traditionspflege, Talentförderung und die lebendige Vermittlung ungarndeutscher Literatur. Der Rezitationswettbewerb ist zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens der Ungarndeutschen geworden – und zu einem Ort, an dem Sprache, Identität und Gemeinschaft Jahr für Jahr neu erlebt werden.
Vielen Dank, Robi, für deine unermüdliche Arbeit!
Herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren Landesrezitationswettbewerb – und auf viele weitere Jahre voller Sprache, Begegnung und Begeisterung.
Agnes Bachmann

