{"id":10338,"date":"2014-09-10T15:00:00","date_gmt":"2014-09-10T13:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=10338"},"modified":"2014-09-10T16:08:28","modified_gmt":"2014-09-10T14:08:28","slug":"nicht-nur-agendorf-trauert-um-andreas-bohm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2014\/09\/nicht-nur-agendorf-trauert-um-andreas-bohm\/","title":{"rendered":"Nicht nur Agendorf trauert um Andreas B\u00f6hm"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em>\u201eIch wei\u00df, dass mein Erl\u00f6ser lebt, und als der Letzte \u2028<\/em><br \/>\n<em>wird er \u00fcber dem Staub sich erheben.\u201c\u00a0 (Hiob 19, 25)\u2028<\/em><\/p>\n<p>Andreas B\u00f6hm, der Gemeinde\u00e4lteste der evangelischen Kirche, der Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung in Agendorf, Autor des Buches \u201eAgendorfer Mosaik\u201c, unersetzlicher Experte und f\u00fcr viele einfach \u201eAndr\u00e1s b\u00e1csi\u201c ist am 28. August gestorben. Das Begr\u00e4bnis findet Freitag, den 5. September, um 16 Uhr auf dem Agendorfer Friedhof statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/agendorf-morgenrote1-400x245.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10339 aligncenter\" title=\"Andreas B\u00f6hm (zweiter von links) im Chor \u201eMorgenr\u00f6te\u201c, den er neu gegr\u00fcndet hatte (Foto: N\u00e9meth P\u00e9ter)\" alt=\"agendorf-morgenrote1-400x245\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/agendorf-morgenrote1-400x245.jpg\" width=\"400\" height=\"245\" \/><\/a><\/p>\n<p>Andreas B\u00f6hm wurde 1943 in Agendorf\/\u00c1gfalva geboren. Er lebte au\u00dfer der Schule, wo er Ungarisch lernte, in einer noch durch und durch deutschsprachigen Welt. Denn in Agendorf ist die deutsche Volksgruppe st\u00e4rker geblieben als anderswo. \u201eWir waren ja zu einem guten Teil die Bergm\u00e4nner oben im Braunkohlebergwerk auf dem Brennberg. Und somit unabk\u00f6mmlich\u201c, erz\u00e4hlte er. Und deshalb weniger betroffen von der Vertreibung im Jahr 1946. 1957 kam er in die \u00d6denburger Eisengie\u00dferei und lernte Modellbau. Er blieb der Gie\u00dferei 36 Jahre, bis zu seiner Fr\u00fchpensionierung, treu.<\/p>\n<p>Immer mehr und immer bewusster wandte er sich dem Ungarndeutschtum zu. 1963 w\u00e4hlte man ihn zum Delegierten in den Landesrat des (Demokratischen) Verbandes der Ungarndeutschen, dem er bis zu dessen Aufl\u00f6sung im Jahre 1995 angeh\u00f6rt hatte. In den 80er Jahren wurde er zweimal zum Vizepr\u00e4sidenten des Verbandes gew\u00e4hlt. Hier fiel er durch seine unverbl\u00fcmte Art auf, Dinge an- und auszusprechen \u2013 und zwar in seinem Dialekt, dem zu lauschen stets ein Genuss war. Er hat sich \u2013 mit Erfolg \u2013 f\u00fcr die deutschsprachigen Ortsschilder in den von Ungarndeutschen bewohnten Gebieten eingesetzt, die 1977 angebracht wurden.<\/p>\n<p>B\u00f6hm sammelte in den 70er Jahren das Agendorfer Liedgut, war zehn Jahre lang Organisator und Sekret\u00e4r der Agendorfer Blaskapelle und gr\u00fcndete 1993 den Gesangsverein \u201eMorgenr\u00f6te\u201c neu, dessen Vorsitzender er war. In seinem 1996 erschienenen zweisprachigen Band \u201eAgendorfer Mosaik\u201c schilderte er die Geschichte und die kirchlichen und weltlichen Traditionen seiner Heimatgemeinde. Er wollte vieles f\u00fcr die Nachwelt bewahren. Er trug in einer Privatsammlung in liebevoller Kleinarbeit alte Gegenst\u00e4nde, Trachten, Bilder und andere Zeitzeugen der vergangenen deutschen Kultur in Agendorf zusammen. Daraus entstand in den R\u00e4umen seines Elternhauses in der Berggasse 1999 ein Kleinod von Heimatmuseum, wo er gern G\u00e4ste empfing, sie herumf\u00fchrte und ihnen \u201eaus der alten Zeit\u201c erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>1995 wurde er zum Vorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung von Agendorf gew\u00e4hlt, wo er sich mit ungebrochenem Engagement in die Arbeit st\u00fcrzte. Das Kindergartenmodell \u201eEine Person \u2013 eine Sprache\u201c, ausgearbeitet von Agnes Szauer von der \u00d6denburger Hochschule f\u00fcr Kindergartenp\u00e4dagogik, wurde als Pilotprojekt im Agendorfer Kindergarten eingef\u00fchrt, Andreas B\u00f6hm setzte sich daf\u00fcr ein, dass eine Kinderg\u00e4rtnerin aus Deutschland nach Agendorf kam. Die Auslandskontakte zu Gemeinden, Vereinen usw. entstanden alle mit seiner Hilfe.<\/p>\n<p>Nach der Grenz\u00f6ffnung 1989 hat er sich stark gemacht f\u00fcr die Wiederherstellung der alten, zum Teil ja auch verwandtschaftlichen Verbindungen \u2013 hin\u00fcber ins evangelische Loipersbach, das ja die Tochterpfarre von Agendorf ist. Hin\u00fcber ins katholische Schattendorf, wo der mutige B\u00fcrgermeister Alfred Grafl (SP) gegen so manche Unken eine asphaltierte Stra\u00dfenverbindung zum Nachbarn Agendorf durchgesetzt hat. Denn die Bewohner der beiden Nachbarorte mussten jahrelang den gro\u00dfen Umweg \u00fcber den Grenz\u00fcbergang Klingendorf machen, um einander besuchen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nAber nicht nur in Agendorf setzte er sich ein, auch auf Komitatsebene war er aktiv. Er war Mitglied des Ausschusses Unterricht und Kultur sowie stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen im Komitat Raab-Wieselburg-\u00d6denburg.<\/p>\n<p>Im Dezember 2001 ging ihm der Hut hoch. Das Parlament hatte beschlossen, zur Erinnerung an die Soproner Volksabstimmung vom 14. und 16. Dezember 1921 die Errichtung eines \u201emonumentum fidei\u201c, eines \u201eTreuedenkmals\u201c, zu f\u00f6rdern. Mit drei Millionen Forint. Ausgerechnet in \u201eB\u00f6hms Agendorf\u201c, dort, wo mehr als 82 Prozent am 16. Dezember 1921 f\u00fcr den Anschluss an \u00d6sterreich gestimmt hatten. \u201eIch bin\u201c, sagte damals Andreas B\u00f6hm, \u201enicht gegen das Denkmal. &#8230; In der Schule gab&#8217;s nicht einmal g&#8217;scheite Fenster. Und da nimmt man dann die drei Millionen f\u00fcr sowas.\u201c B\u00f6hm hatte erreicht, dass der Stein, auf dem die \u201etreuen\u201c Abstimmungsgemeinden aufgez\u00e4hlt werden, eine Zusatztafel erhielt, die das Agendorfer Ergebnis in der Erinnerung beh\u00e4lt: Ausztria mellett 82,21. F\u00fcr \u00d6sterreich stimmten damals 682 Agendorfer. Das nicht zu erw\u00e4hnen, das w\u00e4re B\u00f6hm vorgekommen wie Verrat.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine besonderen Verdienste um die deutsche Volksgruppe erhielt Andreas B\u00f6hm 2004 die \u201eEhrennadel in Gold f\u00fcr das Ungarndeutschtum\u201c. \u201eIch bin stolz auf meine Gemeinde und dass ich der hier beheimateten deutschen Nationalit\u00e4t angeh\u00f6re. Meine Arbeit wurde stets von einer tiefen Ehrfurcht vor meiner Heimat und deren Volk, den ungarl\u00e4ndischen Deutschen, geleitet\u201c, bekannte er nach der Ehrung.\u2028 Wir werden Adreas B\u00f6hm in guter Erinnerung behalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch wei\u00df, dass mein Erl\u00f6ser lebt, und als der Letzte \u2028 wird er \u00fcber dem Staub sich erheben.\u201c\u00a0 (Hiob 19, 25)\u2028 Andreas B\u00f6hm, der Gemeinde\u00e4lteste der evangelischen Kirche, der Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung in Agendorf, Autor des Buches \u201eAgendorfer Mosaik\u201c, unersetzlicher Experte und f\u00fcr viele einfach \u201eAndr\u00e1s b\u00e1csi\u201c ist am 28. August gestorben. 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