{"id":10419,"date":"2014-09-12T14:50:35","date_gmt":"2014-09-12T12:50:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=10419"},"modified":"2014-09-15T13:01:10","modified_gmt":"2014-09-15T11:01:10","slug":"vor-25-jahre-wurde-die-grenze-geoffnet-podiumsgesprach-im-haus-der-ungarndeutschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2014\/09\/vor-25-jahre-wurde-die-grenze-geoffnet-podiumsgesprach-im-haus-der-ungarndeutschen\/","title":{"rendered":"Vor 25 Jahre wurde die Grenze ge\u00f6ffnet &#8211; Podiumsgespr\u00e4ch im HdU"},"content":{"rendered":"<p>Der Herbst ist eingetroffen, damit aber auch die neue Saison der Veranstaltungsreihe <em>Zentrum-Programme im HdU<\/em>. Der Auftakt war bereits spannend: 25 Jahre nach dem Paneurop\u00e4ischen Picknick trafen sich drei Zeitzeugen \u201eauf dem Teppich\u201d.<\/p>\n<p>Die Moderatorin der Diskussion war Zentrum-Direktorin Monika Ambach, die in ihrer Begr\u00fc\u00dfung betonte, dass am Abend Menschen und ihre Schicksale in den Mittelpunkt gestellt werden w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3567.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10422 aligncenter\" title=\"Monika Ambach, J\u00e1nos Palkovits, Marien Balogh und Johann Schuth (von links)\" alt=\"IMG_3567\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3567-510x382.jpeg\" width=\"510\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3567-510x382.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3567.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die G\u00e4ste, die \u00fcber ihre Erinnerungen dem zahlreich erschienenen Publikum erz\u00e4hlten, waren J\u00e1nos Palkovits, Vorsitzender der Kroisbacher Deutschen Nationalit\u00e4tenselbstverwaltung, Marien Balogh, eine ehemalige DDR-Staatsb\u00fcrgerin und Johann Schuth, Chefredakteur der Neuen Zeitung.<\/p>\n<p>Die Moderatorin leitete das Gespr\u00e4ch mit ihren pers\u00f6nlichen Erinnerungen an die Zeit vor der Wende ein. Der Plattensee galt damals als Treffpunkt zwischen Ost und West, was sie damals als Kind zwar noch nicht verstanden, aber erfahren habe. Frau Ambach skizzierte die historische Situation beim Bau des Eisernen Vorhangs.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3609.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10427 aligncenter\" title=\"Monika Ambach, J\u00e1nos Palkovits, Marien Balogh und Johann Schuth (von links)\" alt=\"IMG_3609\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3609-510x382.jpeg\" width=\"510\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3609-510x382.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3609.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die erste Frage wurde Herrn Palkovits \u00fcber das Leben im damaligen Grenzgebiet gestellt. Er wies auf die Konsequenzen der Vertreibung hin: wenige Ungarndeutschen seien in der Gemeinde geblieben, und sie h\u00e4tten st\u00e4ndig Angst vor erneuten Sanktionen gehabt. Nach dem Errichten des Vorhangs seien die strenge Kontrollen allt\u00e4glich geworden. Obwohl viele DDR-B\u00fcrger die Flucht nach Westen versucht h\u00e4tten, sei die f\u00fcr die Einheimischen untypisch gewesen. Einigerma\u00dfen sei es besser geworden als Ende der 60er Jahren das Minenfeld abgeschafft worden ist. Aber auch sp\u00e4ter habe man eine Sondergenehmigung gebraucht um \u00fcberhaupt in die N\u00e4he der Grenze zu gehen.<\/p>\n<p>Frau Balogh lebte damals im zweigespaltenen Deutschland, in Dresden. Die Stadt sei wegen ihrer niedrigen Lage besonders von dem Westen abgetrennt gewesen, da man die Funksendungen aus der Bundesrepublik habe nicht empfangen k\u00f6nnen. Marien Balogh sei die Abgrenzung des Staates besonders bei einem Familienurlaub in der Harz bewusst geworden, als sie das erste Mal westliche Sendungen sah. Sp\u00e4ter, als Architektin habe sie in der unmittelbaren N\u00e4he der Berliner Mauer gearbeitet, was sie sehr beeindruckt habe und sie habe sich unheimlich gef\u00fchlt. F\u00fcr die DDR-B\u00fcrger habe Ungarn als das Paradies gegolten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3681.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10423 aligncenter\" title=\"In der Mitte im blauen Hemd: Dr. J\u00e1nos G\u00f6r\u00f6g\" alt=\"IMG_3681\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3681-510x382.jpeg\" width=\"510\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3681-510x382.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3681.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Johann Schuth lebte als Kind in der N\u00e4he der ebenfalls streng \u00fcberwachten jugoslawischen Grenze. Da habe es auch st\u00e4ndig Polizeikontrollen gegeben, die noch ausf\u00fchrlicher gewesen seien, wenn man Deutsch sprach.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Abschnitt des Gespr\u00e4chs wurden die technischen Eigenschaften des Grenzsystems angesprochen. Johann Schuth sagte, dass die Grenze selbst kein Thema f\u00fcr die Nationalit\u00e4tenmedien gewesen sei. Die Mitarbeiter der Neuen Zeitung h\u00e4tten gute Kontakte zur DDR, aber nur wenige zu Westdeutschland gehabt, obwohl von den Vertriebenen wesentlich mehr im letzteren Landesteil gelebt haben. Erst die 70er Jahre h\u00e4tten Entwicklungen durch die T\u00e4tigkeit der Friedrich-Ebert-Stiftung gebracht, auch Kulturgruppen h\u00e4tten die Bundesrepublik besuchen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3525.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10426 aligncenter\" alt=\"IMG_3525\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3525-510x382.jpeg\" width=\"510\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3525-510x382.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3525.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Marien Balogh zog mit ihrem ungarischen Ehemann 1986 nach Ungarn, da er sich nicht in der DDR wohlgef\u00fchlt hatte. Ihre Sachen seien gr\u00fcndlich kontrolliert worden, zum Beispiel der Staubsauger, in dem auch Schmuggelware h\u00e4tte versteckt werden k\u00f6nnen. Die Beh\u00f6rden haben auch untersucht, dass es um keine Scheinehe handelte.<\/p>\n<p>Als das Alarmsystem Ende der 80er schon veraltet war, trafen die Zust\u00e4ndigen die Entscheidung, es nicht zu erneuern. 1989 gingen die Ereignisse schnell vor. Ende Februar begann die Entr\u00fcstung der Grenze, im August wurde das ber\u00fchmte Paneurop\u00e4ische Picknick veranstaltet, w\u00e4hrend dessen mehrere Hundert DDR-Bewohner nach \u00d6sterreich fl\u00fcchteten. Am 11. September wurde die ungarische Westgrenze offiziell ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3754.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10428 aligncenter\" title=\"Die Kroisbacher Musikanten\" alt=\"IMG_3754\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3754-510x382.jpeg\" width=\"510\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3754-510x382.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3754.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Herr Palkovits erinnerte sich besonders an die vielen Autos, die die \u201eOssis\u201d hinterlassen haben. Frau Balogh habe die Ereignisse nur in der Presse verfolgt, aber sie habe die Begeisterung ihrer daheim gebliebenen Freunde geteilt. Johann Schuth sei damals in \u00d6denburg bei einem Jugendtreffen gewesen. Ein lustiges Erlebnis sei es gewesen, als die Fl\u00fcchtlinge die auf ihr Bus wartenden jungen Leute Deutsch sprechen h\u00f6rten und dachten, dass sie auch die Grenze \u00fcberqueren wollten.<\/p>\n<p>Nach dem offiziellen Teil der Diskussion nahm einer der Zuschauer das Wort zu sich: Dr. J\u00e1nos G\u00f6r\u00f6g, der aus einer ungarndeutschen Familie aus Zs\u00e1mb\u00e9k stammt, war damals Abteilungsdirektor im ungarischen Au\u00dfenministerium. Unter anderem sprach er davon, dass sie die Ereignisse als eine Krisensituation wahrgenommen h\u00e4tten. Es habe auch die Chance auf eine neue \u201efreundlichen Hilfe\u201d wie 1968 in Prag bestehen. Der ehemalige Diplomat betonte, dass es f\u00fcr ihn ein pr\u00e4gendes Erlebnis gewesen w\u00e4re an der \u00d6ffnung der Grenze vor 25 Jahren pers\u00f6nlich mitwirken zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3769.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10424 aligncenter\" alt=\"IMG_3769\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3769-510x382.jpeg\" width=\"510\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3769-510x382.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMG_3769.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am Ende der Veranstaltung unterhielten sich die Anwesenden noch lange \u00fcber ihre eigenen Erlebnissen und Kroisbacher Musiker spielten ungarndeutsche St\u00fccke.<\/p>\n<p><em>Istv\u00e1n Mayer<br \/>\nFotos: Lajos Grund<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des 25-j\u00e4hriges Jubil\u00e4ums des Paneurop\u00e4ischen Picknicks und der Grenzen\u00f6ffnung wurde eine Podiumsdiskussion im Haus der Ungarndeutschen veranstaltet.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10425,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[578,148],"tags":[488,1280,350,1244,102,904],"class_list":{"0":"post-10419","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-default-de","8":"category-fohir-de","9":"tag-auf-dem-teppich-de","10":"tag-ausenpolitik","11":"tag-geschichte","12":"tag-podiumsgesprach","13":"tag-zentrum-de","14":"tag-zentrum-programme-im-hdu-de"},"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10419"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10450,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10419\/revisions\/10450"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10425"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}