{"id":119027,"date":"2026-09-11T09:14:58","date_gmt":"2026-09-11T07:14:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zentrum.hu\/?p=119027"},"modified":"2026-09-11T09:15:23","modified_gmt":"2026-09-11T07:15:23","slug":"zwischen-werzwisch-und-kreidepussn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2026\/09\/zwischen-werzwisch-und-kreidepussn\/","title":{"rendered":"Zwischen Werzwisch und Kreidepussn"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br>Dr\u00fccken auch Sie einen Like auf die \u2013> <a href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong><strong>Mari\u00e4 Himmelfahrt als lebendige Erinnerungskultur der Ungarndeutschen<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong><strong>Ein Besuch aus Schambek in Bonnhard<\/strong><br><\/strong><em><a href=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/tag\/rund-um-das-jahr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rund um das Jahr, rund um das Land<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mari\u00e4 Himmelfahrt, der 15. August, geh\u00f6rt zu den bedeutenden Festtagen der ungarndeutschen Volkskultur. Mit dem Fest verbunden ist der Brauch der Kr\u00e4uterweihe: Kr\u00e4uter, Blumen und Getreide werden zu einem Kr\u00e4uterbuschen (\u201eKr\u00e4uterb\u00fcscherl\u201d) gebunden und im Rahmen der festlichen Messe gesegnet. Der Brauch verbindet religi\u00f6se Vorstellungen mit altem Pflanzenwissen und einer symbolischen Beziehung zwischen Mensch, Natur und Gemeinschaft. In vielen ungarndeutschen Gemeinden wird diese Tradition heute wieder bewusst gepflegt und an die j\u00fcngere Generation weitergegeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Sommer 2026 hatte eine Delegation der Lochberg-Tanzgruppe aus Schambek die M\u00f6glichkeit, Mari\u00e4 Himmelfahrt in Bonnhard gemeinsam mit der dortigen deutschen Gemeinschaft zu erleben. F\u00fcr uns war diese Begegnung weit mehr als ein folkloristisches Ereignis: Sie bot die Gelegenheit, Gemeinsamkeiten und regionale Unterschiede eines lebendigen ungarndeutschen Brauchs unmittelbar zu erfahren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"&quot;Rund um das Jahr, rund um das Land&quot; - Folge 9:  Mari\u00e4 Himmelfahrt in Bonnhard\" width=\"696\" height=\"392\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Of58pmf1F-M?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kr\u00e4uterweihe fand in Bonnhard im Rahmen eines zweisprachigen Festgottesdienstes statt. Besonders eindrucksvoll war die Einzugsprozession in traditioneller Tracht. Zahlreiche Gl\u00e4ubige trugen ihre Kr\u00e4uterstr\u00e4u\u00dfe zur Segnung, w\u00e4hrend T\u00e4nzerinnen, T\u00e4nzer und Jugendliche in Tracht sichtbar vor dem Altar standen. Der Chor, in dem in bedeutender Zahl auch Mitglieder des Chors vom Ungarndeutschen Kulturverein mitwirken, erf\u00fcllte die Kirche mit alten Marienliedern, w\u00e4hrend der Pfarrer den Segen in deutscher Sprache spendete. Die Verbindung von Liturgie, Tracht, Musik, Gemeinschaft und \u00fcberliefertem Brauchtum machte deutlich, dass diese Tradition nicht nur als Erinnerung an die Vergangenheit verstanden werden kann, sondern bis heute gemeinschaftsstiftend wirkt. Der Brauch \u201eWerzpischl\u201c zu binden, wurde 2004 nach der r\u00f6misch-katholischen Tradition in Ziko\/Cik\u00f3 von Ilona K\u00f6hler-Koch und dem Volkstanzverein Kr\u00e4nzlein zu neuem Leben erweckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein besonderer Teil unseres Besuches war das gemeinsame Sammeln der Kr\u00e4uter in Grawitz\/Gr\u00e1b\u00f3c. Mehrere Jugendliche aus Schambek reisten gemeinsam mit den Bonnhardern in dieses charmante Dorf, um das Sammeln, Ausw\u00e4hlen und Binden der Kr\u00e4uterstr\u00e4u\u00dfe selbst kennenzulernen. Gleichzeitig dokumentierten sie die Begegnung mit Fotos und Videoaufnahmen (unser Dank gilt daf\u00fcr unserem Media-Team: Dorina Schneider, Lili Horv\u00e1th, Norina Guly\u00e1s). Damit wurde die junge Generation nicht nur zur Beobachterin, sondern selbst zur Tr\u00e4gerin und Vermittlerin des Brauchs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders interessant war der Vergleich der Kr\u00e4uterbuschen aus Bonnhard (bzw. Ziko) und Schambek &#8211; zwei ungarndeutschen Gemeinden, die rund 130 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt liegen und dennoch gemeinsame Wurzeln und lebendige Traditionen verbinden. In Bonnhard steht traditionell die Lampionpflanze (Physalis alkekengi) im Mittelpunkt des Strau\u00dfes und wird symbolisch mit dem Herzen Mariens verbunden. In Schambek hingegen bildet ein mit Fr\u00fcchten behangener Pflaumenzweig die Mitte des Kr\u00e4uterbuschens. Dieser tr\u00e4gt eine besondere gemeinschaftliche Bedeutung: Wer einen solchen Zweig mit einem anderen Menschen teilt, soll immer wieder zueinander zur\u00fcckfinden. Gerade solche regionalen Unterschiede zeigen, wie lebendig und vielf\u00e4ltig eine gemeinsame kulturelle Tradition sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in Schambek hat die Kr\u00e4uterweihe eine besondere Bedeutung. Die heutige Tradition wurde im Jahr 2006, nach dem Tod meiner Urgro\u00dfmutter Maria Brenner (1911\u20132006), auf Grundlage ihrer m\u00fcndlichen Erinnerungen wiederbelebt. Damals wurden von der Lochberg-Tanzgruppe erstmals Kr\u00e4uterstr\u00e4u\u00dfe und ein Schnitterkranz zur Segnung in die Kirche gebracht. Pfarrer M\u00e1rton unterst\u00fctzte die Wiederaufnahme des Brauchs. Seitdem werden in Schambek jedes Jahr vor Mari\u00e4 Himmelfahrt Kr\u00e4uter gesammelt und zu Str\u00e4u\u00dfen gebunden; seit 2010 geschah dies mit fachlicher Unterst\u00fctzung von T\u00edmea K\u00e1rp\u00e1ti im Heimatmuseum (Hl. Wendelini-Haus).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Traditionell werden in Schambek sieben oder neun verschiedene Kr\u00e4uter und Blumen verwendet, darunter beispielsweise Kamille, Schafgarbe und Lavendel. Nach der Segnung werden die Str\u00e4u\u00dfe mit nach Hause genommen und zum Trocknen auf dem Balken aufgeh\u00e4ngt. In Schambek wurde ihnen auch eine besondere Funktion im Jahreslauf zugeschrieben: Am Heiligen Abend wurden die gesegnete und getrocknete Kr\u00e4uter in einer alten Schale mit Myrrhe verr\u00e4uchert, w\u00e4hrend der Hausherr zum Christkind betend durch das Haus ging. Der Kr\u00e4uterbuschen wurde damit zu einem Bindeglied zwischen kirchlichem Fest, h\u00e4uslichem Leben und famili\u00e4rer Erinnerung. In Bonnhard, bzw. Ziko (wo der Strau\u00df urspr\u00fcnglich aus \u00fcber 22 Pflanzen bestand, von denen heute leider nur noch ein Bruchteil zu pfl\u00fccken ist) wird der Strau\u00df nach einem Jahr auch verbrannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Begegnung zwischen Schambek und Bonnhard hat gezeigt, wie wertvoll solche pers\u00f6nlichen und gemeinschaftlichen Begegnungen f\u00fcr die Pflege der ungarndeutschen Kultur sind. Gemeinsame Wurzeln werden dabei nicht durch die Unterschiede geschw\u00e4cht &#8211; im Gegenteil: Gerade die regionalen Besonderheiten machen die Vielfalt dieser Kultur sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Brauch lebt nur dann wirklich, wenn wir ihn weitergeben. Wir haben ihn von unseren Vorfahren bekommen &#8211; und wir (Schambeker und Bonnharder) m\u00f6chten ihn weitergeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein herzliches Dankesch\u00f6n gilt der Deutschen Selbstverwaltung Bonnhard, dem Volkstanzverein Kr\u00e4nzlein, insbesondere Ilona K\u00f6hler-Koch, sowie allen Beteiligten f\u00fcr die herzliche Aufnahme und die gemeinsame Erfahrung. Unser besonderer Dank gilt auch der \u00e4lteren Damen, die ihr Wissen weitergegeben haben und die Jugendlichen dazu initiiert haben, diese Tradition aufzugreifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir freuen uns auf weitere Begegnungen, bei denen wir unsere gemeinsamen Wurzeln entdecken, voneinander lernen und unsere lebendige ungarndeutsche Kultur gemeinsam weitertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sandra Titanilla Fuchs<\/strong><br><em>Lochberg-Tanzgruppe (Schambek)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wir danken Ilona K\u00f6hler-Koch, dem Volkstanzverein Kr\u00e4nzlein, dem Bundesministerium des Innern und der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen f\u00fcr ihre Unterst\u00fctzung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gespr\u00e4chspartner:<\/strong>&nbsp;Dorina Schneider (Schambek), Ilona K\u00f6hler-Koch (Bonnhard), \u00c9va Pap (Bonnhard), Anna Lili Szab\u00f3 (Bonnhard)<strong><br>Videoaufnahmen, Fotos:<\/strong>&nbsp;Sandra Titanilla Fuchs, Lili Horv\u00e1th, Dorina Schneider, Norina Guly\u00e1s, Anna Lili Szab\u00f3, R\u00e9ka M\u00e1t\u00e9, Facebook-Seite vom Volkstanzverein Kr\u00e4nzlein, Live Aufnahme von Bonyh\u00e1d TV<strong><br>Schnitt:<\/strong>&nbsp;K\u00e1roly Rad\u00f3czy, Andor Simon<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mari\u00e4 Himmelfahrt als lebendige Erinnerungskultur der Ungarndeutschen &#8211; Im Rahmen des Projekts \u201eRund um das Jahr, rund um das Land\u201d besuchte eine Gruppe aus Schambek Bonnhard.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":119024,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[148],"tags":[1236,311,494,2398,1203],"class_list":["post-119027","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-fohir-de","tag-bonnhard","tag-ldu","tag-religion","tag-rund-um-das-jahr","tag-schambek"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119027"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119027\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119028,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119027\/revisions\/119028"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/119024"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=119027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=119027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}