{"id":14677,"date":"2015-02-11T16:26:59","date_gmt":"2015-02-11T15:26:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=14677"},"modified":"2015-02-11T16:26:59","modified_gmt":"2015-02-11T15:26:59","slug":"odenburger-familien-im-portrat-die-goschls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2015\/02\/odenburger-familien-im-portrat-die-goschls\/","title":{"rendered":"\u00d6denburger Familien im Portr\u00e4t: Die G\u00f6schls"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p>Ich habe mich mit Magdi Krisch bei ihr zu Hause verabredet, denn sie versprach mir, \u00fcber ihre Familie m\u00fctterlicherseits, \u00fcber die waschechten Pounzichter, zu erz\u00e4hlen. Als ich ankam, fragte sie mich, ob ich Bohnenstrudel m\u00f6ge. Auf meine bejahende Antwort hin zauberte sie in zehn Minuten diese K\u00f6stlichkeit frisch aus dem Backofen auf den Tisch und begann zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/krisch-magdi-002-354x266.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-14678 aligncenter\" title=\"Magdi Krisch steht auf Tradition\" alt=\"krisch-magdi-002-354x266\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/krisch-magdi-002-354x266.jpg\" width=\"354\" height=\"266\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Familie G\u00f6schl stammt aus Gols (heute Burgenland), das w\u00e4hrend der Gegenreformation ein \u201eSammelplatz\u201c f\u00fcr Protestanten war. In der Hoffnung auf bessere Arbeitsm\u00f6glichkeiten \u00fcbersiedelte Andreas G\u00f6schl im 17. Jahrhundert mit seiner Frau Anna nach \u00d6denburg und wurde ein angesehener Wirtschaftsb\u00fcrger der Stadt. Laut Urkunde bekam sein Sohn, Andreas, 1768 das B\u00fcrgerrecht der Stadt.<\/p>\n<p>Magdis Urgro\u00dfvater Michael G\u00f6schl war bereits ein wohlhabender Mann: Er besa\u00df in der Schippergasse eine Spirituosen- und Essigfabrik. Die Familie geh\u00f6rte der evangelischen Gemeinde der Stadt an, sie wirkte auch mit Rat und Tat mit. Ein Beweis daf\u00fcr ist der Grabstein von Michael, auf dem geschrieben steht: \u201eMichael G\u00f6schl, Privatier, Presbyter der Evangelischen Kirche\u201c. Michael G\u00f6schl war zweimal verheiratet und hatte 21 Kinder. Sie alle hatten selbstverst\u00e4ndlich Anteil am Verm\u00f6gen der Eltern, so schmolz dies auch langsam dahin.<\/p>\n<p>Einer der S\u00f6hne, Karl \u2013 Magdis Gro\u00dfvater \u2013, verlie\u00df mit sechzehn das Elternhaus und machte sich selbst\u00e4ndig. Er erwarb sich mehrere Weing\u00e4rten und bewirtschaftete diese. Er besa\u00df, wie auch viele Pounzichter der Zeit, mehrere Pferde, die unter anderem f\u00fcr die Arbeiten in den Weinbergen notwendig waren. Karl G\u00f6schl war deutscher Abstammung, doch er zog f\u00fcr Ungarn, f\u00fcr sein Vaterland in den Ersten Weltkrieg und k\u00e4mpfte tapfer.<\/p>\n<p>Karl G\u00f6schl heiratete Luise Fiedler, die Tochter von Susanna Kheim und Michael Fiedler. Michaels Gro\u00dfvater war Pounzichter mit Leib und Seele: Als einmal das kleine Baby Magdi nur mit einem in Wein getr\u00e4nkten Lutscher zu beruhigen war, sagte er stolz: \u201eDas ist meine Enkeltochter.\u201c Das Ehepaar hatte dreizehn Kinder. (Wohlbemerkt: Karl verlie\u00df unter anderem deshalb so fr\u00fch das Elternhaus, weil ihm die vielen Geschwister und das Kindergeschrei auf die Nerven gingen.) 1946 wurden vier von ihnen vertrieben, zwei S\u00f6hne k\u00e4mpften f\u00fcr das Vaterland an der Front. Sohn Julius erlebte das Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland, wo er sich verliebte und eine Familie gr\u00fcndete. Er siedelte sich in Wernigerode an. Bei der Entstehung der DDR wurde die Grenze just an seinem Garten gezogen, so blieb er im damaligen Osten.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Gro\u00dfvater G\u00f6schl: In den 50er Jahren wurde alles verstaatlicht und auch die Wirtschaftsb\u00fcrger wurden enteignet. Sie wurden gezwungen, in einer landwirtschaftlichen Genossenschaft zu arbeiten \u2013 wom\u00f6glich im eigenen Weingarten, der aber nicht mehr ihnen geh\u00f6rte. Auch das Vieh wurde ihnen weggenommen, so auch Karl G\u00f6schls Pferde, die er liebevoll \u201emeine R\u00f6sser\u201c nannte. Diesen Verlust verkraftete er nicht, daraufhin erlitt er einen Schlaganfall und zu Silvester 1951 starb er.<\/p>\n<p>Magdis Mutter, Teresia G\u00f6schl, kam 1916 zur Welt. Ihre Tante und Taufpatin war Friseurin. Dieser Beruf gefiel Teresia sehr, so entschied sie sich, ebenfalls Friseurin zu werden. Sie heiratete Imre Horv\u00e1th, der die Meinung vertrat, er k\u00f6nne f\u00fcr seine Frau selbst aufkommen, sie soll die Arbeit an den Nagel h\u00e4ngen. So gab Teresia ihre Arbeitsstelle auf, doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr. Ihre Mutter wurde pflegebed\u00fcrftig, so musste sie mehr arbeiten als im Frisiersalon. T\u00e4glich ging sie zu ihrer Mutter, sie pflegte sie und kochte f\u00fcr die zehnk\u00f6pfige Familie. Nach dreizehn Jahren Ehe stellte sich Nachwuchs bei der Familie Horv\u00e1th ein: 1951 wurde Magdi geboren. Das Kleinkind besuchte ebenfalls jeden Tag die Oma, die mit ihr nur deutsch sprach. Das gefiel Magdi \u00fcberhaupt nicht und sie weigerte sich, der Oma auf Deutsch zu antworten.<\/p>\n<p>Deshalb arrangierte ihre Mutter f\u00fcr sie eine Privatlehrerin, denn sie wollte unbedingt, dass ihre Tochter die Sprache ihrer Vorfahren weiterf\u00fchrt. Magdi erz\u00e4hlte mir, dass sie nach einer Zeit dann pl\u00f6tzlich merkte, dass sie viel lieber die deutschen Lieder sang als die ungarischen und sie sich in einer deutschsprachigen Gemeinde sehr wohl f\u00fchlte.<\/p>\n<p>Nach der Matura begann sie im Fremdenverkehr zu arbeiten, wo sie ihre deutschen Sprachkenntnisse sehr gut einsetzen konnte. Auf diesem Gebiet arbeitet sie nach wie vor, nur dass sie ein eigenes Fremdenverkehrsb\u00fcro hat, das auch deutschsprachige Hefte \u00fcber diverse Sehensw\u00fcrdigkeiten der Gegend herausgibt. 1972 heiratete sie Alfred Krisch, der ebenfalls deutscher Herkunft ist. Laut Magdi mochte ihre Schwiegermutter sie von Anfang an sehr, denn sie konnte mit ihr deutsch sprechen. Das Ehepaar Krisch brachte seinen S\u00f6hnen Andr\u00e1s und Mikl\u00f3s von klein auf die deutscher Sprache bei, die die beiden nun wie die Muttersprache beherrschen. Andr\u00e1s ist Leiter des Evangelischen Archivs zu \u00d6denburg und begeistertes Mitglied der Deutschen Selbstverwaltung. Mikl\u00f3s lebt in Wien und arbeitet, wie seine Mutter, im Fremdenverkehr.<\/p>\n<p>Magdi ist Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung und des Deutschen Kulturklubs \u00d6denburg und Umgebung. Letzterer wurde 1992 gegr\u00fcndet und hat 400 Mitglieder. Damit ist er die gr\u00f6\u00dfte Zivilorganisation der Stadt. Neben diversen Veranstaltungen ist der Klub Herausgeber zahlreicher Gesangsb\u00fcchlein, Erz\u00e4hlungen im \u00d6denburger Dialekt, die Mitglieder genie\u00dfen im Klubraum einfach das gesellige Beisammensein. Die Deutsche Selbstverwaltung hat nun von der Stadt das Rejp\u00e1l-Haus zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen. Nach Magdis Meinung gibt es dort noch viel zu tun, das Haus muss mit Leben gef\u00fcllt und die Leute m\u00fcssen mit interessanten Programmen hingelockt werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend unseres Gespr\u00e4ches ist der Teller voller Bohnenstrudel leer geworden und ich konnte mich davon \u00fcberzeugen, dass sich Magdi nicht nur f\u00fcr ihr Deutschtum einsetzt, sondern auch die Traditionen ihrer Pounzichtervorfahren pflegt.<\/p>\n<p><em>Judit Bertalan<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren? Dr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; Zentrum Facebook-Seite Ich habe mich mit Magdi Krisch bei ihr zu Hause verabredet, denn sie versprach mir, \u00fcber ihre Familie m\u00fctterlicherseits, \u00fcber die waschechten Pounzichter, zu erz\u00e4hlen. Als ich ankam, fragte sie mich, ob ich Bohnenstrudel m\u00f6ge. 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