{"id":15528,"date":"2015-03-12T09:28:31","date_gmt":"2015-03-12T08:28:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=15528"},"modified":"2015-03-12T09:28:31","modified_gmt":"2015-03-12T08:28:31","slug":"gedenkkonferenz-im-parlament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2015\/03\/gedenkkonferenz-im-parlament\/","title":{"rendered":"Gedenkkonferenz im Parlament"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ungarische Regierung erkl\u00e4rte anl\u00e4sslich des 70. Jahrestages der Internierung und Verschleppung von Bewohnern des Karpatenbeckens zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion 1944-1945 das Jahr 2015 zum Jahr des Gedenkens an die politischen Gefangenen und Zwangsarbeiter (NZ 5\/2015). Am 25. Feber fand im Sitzungssaal des Oberhauses im Parlament eine Gedenkkonferenz \u201eTrauma und Tabu \u2013 Malenki Robot 1944\/45 \u2013 2014\/15\u201c statt, zu der auch zahlreiche Betroffene eingeladen wurden. Auch Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen hielt eine Rede, die wir ver\u00f6ffentlichen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20150225_m\u00e1lenkij_konferencia_budapest-50.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-15085 aligncenter\" title=\"Mitglieder des Schwarzwald-Ensembles aus Ratka gaben ein Programm  Foto: Attila \u00c1rvay\" alt=\"20150225_m\u00e1lenkij_konferencia_budapest (50)\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20150225_m\u00e1lenkij_konferencia_budapest-50-510x339.jpeg\" width=\"510\" height=\"339\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20150225_m\u00e1lenkij_konferencia_budapest-50-510x339.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20150225_m\u00e1lenkij_konferencia_budapest-50.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Sehr geehrte Teilnehmer der Gedenkkonferenz, liebe Anwesende!<\/strong><\/p>\n<p>Vieles ist bei der heutigen Veranstaltung angesprochen worden, so dass es mir als letztem Redner gegen das Ende hin fast schon schwer f\u00e4llt, hier noch etwas Neues zu sagen. Es ist aber auch deswegen schwer, etwas zu sagen, denn wenn ich mich hier im Saal umsehe, muss ich feststellen, dass viele Betroffene anwesend sind. Es gibt kaum ungarndeutsche Familien, die von Malenki Robot, von der Vertreibung und der Entrechtung nicht betroffen w\u00e4ren: unsere Eltern, Gro\u00dfeltern waren die Leidtragenden und Opfer der kollektiven Bestrafungen, die auf der Rassentheorie begr\u00fcndet waren. Wir als Angeh\u00f6rige der Nachwuchsgenerationen tragen dieses Trauma bewusst oder unbewusst mit uns herum.<\/p>\n<p>Und wir tragen es in der Tat mit uns herum: Wenn wir in Gesellschaft anderer Menschen oder vor der \u00d6ffentlichkeit in die ungarische Sprache wechseln oder sowieso nur noch Ungarisch sprechen. Wenn wir \u00fcber dem Fragebogen der Volksz\u00e4hlung br\u00fcten und uns \u00fcberlegen, ob wir die Rubrik \u201edeutsch\u201c ankreuzen sollten oder sicherheitshalber nicht auch in die Rubrik \u201eungarisch\u201c ein X machen sollten. Wenn W\u00e4hlerverzeichnisse zusammengestellt werden. Denn, man kann ja nie wissen&#8230;!<\/p>\n<p><strong>\u2028\u2028Sehr geehrte Damen und Herren!<\/strong><\/p>\n<p>Wir konnten uns von den historischen Traumata noch nicht erholen. Solche Gedenktage, Gedenkfeierlichkeiten und Konferenzen k\u00f6nnen uns helfen. Und auch die ehrlichen Worte, die unverschleierte Aufdeckung der Ereignisse, die Aufkl\u00e4rung von Verantwortlichkeiten. Nur auf diese Art und Weise, durch Respekt vor dem Andenken an die Opfer und durch eine vorurteilsfreie und unbefangene Konfrontation mit der Vergangenheit haben wir eine Chance, eine ehrliche Gedenkkultur und eine starke Identit\u00e4t aufzubauen.<\/p>\n<p>Aber es gibt auch Dinge, die uns nicht weiterhelfen, sondern im Gegenteil, sogar sch\u00e4dlich sind, weil sie nur Unsicherheit stiften. In den letzten Wochen fanden zahlreiche Gedenkfeierlichkeiten statt, mit sch\u00f6nen und erhebenden Gedanken aus dem Munde von f\u00fchrenden Politikern, die \u00fcber die wichtige Rolle des Ungarndeutschtums beim Aufbau des Landes und bei der Verb\u00fcrgerlichung unserer Gesellschaft sprachen. Und es ist in der Tat so: Wir bekannten und bekennen uns zu Ungarn wie zu unserer Heimat, zu unserem Zuhause und zu unserem Vaterland. Wir verstehen es dennoch nicht ganz, wenn man uns nur im Zusammenhang mit einer doppelten Identit\u00e4t nur als \u201edeutschsprachige Ungarn\u201c erw\u00e4hnt. Die Identit\u00e4t eines Menschen oder einer Gemeinschaft ist etwas sehr Intimes und zugleich etwas sehr Komplexes und wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Sie unterliegt daher einem st\u00e4ndigen Wandel. Wir sollten es den Menschen, den Familien und den kleineren und gr\u00f6\u00dferen Gemeinschaften \u00fcberlassen, sich selbst und damit auch ihre eigene Identit\u00e4t zu definieren, und wir sollten ihnen keine Klischees aufzwingen. Vor allen Dingen keine Klischees, die nolens volens die Erwartung an eine Assimilierung suggerieren. Denken Sie nur ein wenig nach, wie absurd es klingen w\u00fcrde, wenn man die Ungarn in Oberungarn (Slowakei) als \u201eungarischsprachige Slowaken\u201c bezeichnen w\u00fcrde. \u2028Was hat das alles mit dem Thema der heutigen Konferenz und dem Gedenktag zu tun? Eines steht fest: Tausende von M\u00e4dchen, jungen Frauen und M\u00e4nnern wurden nicht deswegen zum Malenki Robot verschleppt, weil sie \u201edeutschsprachige Ungarn\u201c waren.\u2028Das war ein wichtiger Gedanke, den ich Ihnen mitteilen wollte. Ich habe aber noch einen anderen Gedanken: Wenn wir heute der Opfer gedenken, die w\u00e4hrend der stalinistischen kommunistischen Diktatur zum Malenki Robot, also zur Zwangsarbeit in der Sowjetunion verschleppt wurden, d\u00fcrften wir eines nicht vergessen. Es gab b\u00f6se Menschen, die sich den Wirrwarr am Ende des Krieges zunutze machten und auch hierzulande mit einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Spitzfindigkeit und Schnelligkeit Internierungslager errichtet haben. In genau zwei Monaten, am 25. April, ist es 70 Jahre her, dass der ber\u00fcchtigte Gy\u00f6rgy Bodor nach Bonnhard kam, um die \u00dcbersiedlung der 1941 aus der Bukowina in der Batschka angesiedelten Szekler in die Region Talboden\/V\u00f6lgys\u00e9g vorzubereiten. Er ernannte sich eigenm\u00e4chtig zum Regierungskommissar und hat \u2013 mit der tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung der Vollstreckungsorgane, insbesondere der Polizei \u2013 innerhalb von wenigen Wochen 4360 Familien, etwa 20000 Menschen, aus ihrem Zuhause vertrieben und ihres Verm\u00f6gens beraubt. Der ber\u00fcchtigtste Internierungsort befand sich im Schloss Apponyi in Lendl\/Lengyel, von dem Bodor sp\u00e4ter selbst schrieb, dass das Schloss \u201ezum Konzentrationslager ernannt wurde\u201c.<\/p>\n<p><strong>Sehr geehrte Damen und Herren!<\/strong><\/p>\n<p>Ich wollte an den nahenden Jahrestag auch deswegen erinnern, weil ich meine, dass sich die Forschung neben der Aufarbeitung des Malenki Robot auch der Aufkl\u00e4rung der inneren Internierungen widmen sollte, weil es auch auf diesem Gebiet noch viel zu tun gibt. Und auch wir selbst haben noch unsere Hausaufgaben: Wir m\u00fcssen der Wahrheit ins Auge schauen, wir m\u00fcssen der Opfer gedenken, Worte der Mahnung aussprechen und den unter uns lebenden Opfern Respekt zollen.<\/p>\n<p>Jeder sollte nach M\u00f6glichkeit seinen eigenen Aufgaben auf seinem eigenen Posten nachgehen!<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren? Dr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; Zentrum Facebook-Seite Die ungarische Regierung erkl\u00e4rte anl\u00e4sslich des 70. Jahrestages der Internierung und Verschleppung von Bewohnern des Karpatenbeckens zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion 1944-1945 das Jahr 2015 zum Jahr des Gedenkens an die politischen Gefangenen und Zwangsarbeiter (NZ 5\/2015). Am 25. 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