{"id":18187,"date":"2015-06-10T10:45:17","date_gmt":"2015-06-10T08:45:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=18187"},"modified":"2015-06-10T11:08:18","modified_gmt":"2015-06-10T09:08:18","slug":"ich-bin-ja-noch-hier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2015\/06\/ich-bin-ja-noch-hier\/","title":{"rendered":"\u201eIch bin ja noch hier\u201c"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt;\u00a0<a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p><em>Deutschsprachige Gemeinde vor Personalwechsel<\/em><\/p>\n<p>Pfarrer Gregor Stratmann muss die katholische St. Elisabeth Gemeinde in Budapest verlassen. Dem Antrag auf eine Verl\u00e4ngerung seines Amtes wurde nicht stattgegeben. Seine Gemeinde ist best\u00fcrzt und traurig und hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihren Seelsorger zu halten. Doch die Kirche hat ihre eigenen Gesetze.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_Startmann-Aaron.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-18200\" title=\"Pfarrer Gregor Stratmann: Bald muss er seiner Wahlheimat Ungarn den R\u00fccken kehren. (Foto: BZT\/Archiv)\" alt=\"34-35_Startmann-Aaron\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_Startmann-Aaron-510x341.jpg\" width=\"510\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_Startmann-Aaron-510x341.jpg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_Startmann-Aaron.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In seiner letzten Lesung spricht Pfarrer Stratmann \u00fcber die Politik Putins, Facebook und Smartphones. \u201eSie starren darauf, als k\u00e4me von dort der wesentliche Beitrag zur Rettung der Menschheit. Das sind die Fesseln von heute.\u201c Ein paar Besucher schmunzeln, eine Mutter stupst ihren Spr\u00f6ssling in die Seite. \u201eMit dem Gesicht nach unten, auf ihre Handys starrend, rempeln sie mich in der U-Bahn an. Lassen Sie los, Sie k\u00f6nnen es. Loslassen im Sinne von Jesus. Die Moderne nicht triumphieren lassen \u00fcber uns.\u201c Es ist eine unkonven\u00adtionelle letzte Lesung, sie kritisiert auch die Kirche selbst. Die Macht des Geldes, den Leistungsdruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_erzsebet-200x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18201\" title=\"Die St. Elisabeth Gemeinde feiert jeden Sonntag um 10:15 Uhr die Eucharistie in deutscher Sprache. (Foto: budapester.hu)\" alt=\"34-35_erzsebet-200x300\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_erzsebet-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em;\">Bevor Pfarrer Gregor Stratmann nach Budapest kam, verbrachte er 1978 ein Jahr als Sozialhelfer in einem Kibbuz in Israel, danach studierte er Theologie und Soziologie. In M\u00fcnchen arbeitete er als Lehrer f\u00fcr Religion und Sachkunde, von 1987 bis 1990 war er an der Deutschen Oberschule in Pretoria, S\u00fcdafrika, t\u00e4tig. 1992 wurde er schlie\u00dflich zum Priester ge\u00adweiht und diente neun Jahre in M\u00fcnchen als Pfarrer der Thomas Kirche.<\/span><\/p>\n<p>Es sind Menschen katholischen Glau\u00adbens aus Deutschland, \u00d6sterreich und aus der Schweiz, die zur St. Elisabeth Gemeinde geh\u00f6ren. 2000 bis 2500 Mit\u00adglieder z\u00e4hlt sie, keine gro\u00dfe Gemeinde. Sie f\u00fchlen sich im Ausland oft fremd, sind sprachlich isoliert. Hier bekommt die Seelsorge f\u00fcr Pfarrer Stratmann wieder eine neue Bedeutung. Gerade deshalb gibt es Gemeindekaffee nach je\u00addem Sonntagsgottesdienst. Hier ist man seit 2011 eng zusammenger\u00fcckt. Die Ge\u00admeinde liebt ihren Pfarrer Stratmann.<\/p>\n<p>\u201eMich hat es schwer beeindruckt\u201c, spricht Pfarrer Stratmann nach seiner Lesung, \u201escheinbar ein fairer Pfarrer und Seelsorger zu sein. Danke f\u00fcr Ihre Bem\u00fchungen, sie sind nicht vergessen. Aber ich bin ja noch hier.\u201c<\/p>\n<p>Die Gemeinde, best\u00fcrzt und aufge\u00adbracht \u00fcber den baldigen Weggang ihres Pfarrers, hat sich an den zust\u00e4ndigen Bischof in Dresden gewandt.<\/p>\n<p><i>\u201eSehr geehrter Herr Bischof Koch!<\/i><\/p>\n<p><i>Wir, die Mitglieder der deutschspra\u00adchigen katholischen Elisabeth-Gemeinde in Budapest, sind best\u00fcrzt und fassungs\u00adlos. Am 10. Mai hat uns Herr Pfarrer Gregor Stratmann mitgeteilt, dass Sie, als zust\u00e4ndiger Bischof, dem Ansuchen des Herrn Pfarrers Stratmann, seinen Vertrag auf weitere drei Jahre, ab 2016, zu verl\u00e4ngern, nicht stattgegeben haben.<br \/>\n<\/i><i>Wie kann das sein? Wir sind mit Pfar\u00adrer Stratmann eine Gemeinde, in der wir nicht nur geistige, spirituelle Nahrung erhalten, unsere sonnt\u00e4gliche Eucharis\u00adtie-Feier mit Pfarrer Stratmanns Predig\u00adten, sind Labsal und Aufmunterung und vieles mehr!<br \/>\n<\/i><i>Sehr geehrter Herr Bischof Koch, wa\u00adrum muss man dieser Gemeinde, die so wunderbar funktioniert, die ein Vorbild sein k\u00f6nnte, ihren so sehr gesch\u00e4tzten, vorbildlichen, ja, geliebten Pfarrer weg\u00adnehmen?<br \/>\n<\/i><i>\u201eWir sind das Volk\u201c, in diesem Fall das Volk Gottes und wir glauben, erfahren zu d\u00fcrfen, welche Gr\u00fcnde zu dieser Ent\u00adscheidung f\u00fchrten.<br \/>\n<\/i><i>Herr Pfarrer Stratmann hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Kirche sollte sich nicht wie eine Aufsichtsratsversamm\u00adlung gerieren, bei der Mitglieder abgel\u00f6st und hin-und hergeschoben werden. (\u2026)<br \/>\n<\/i><i>(\u2026) Sie sollte Kirche der Liebe und der Wahrheit sein, (\u2026) auch wenn sie tag\u00adt\u00e4glich gegen Versuchung, Tr\u00e4gheit und Machtstreben ank\u00e4mpfen muss.<br \/>\n<\/i><i>Wir wollen weiterhin zusammen mit Pfarrer Stratmann, \u201eLicht der Welt\u201c in Budapest und die \u201eStadt auf dem Berg\u201c sein, in Liebe und Barmherzigkeit.<\/i><\/p>\n<p><i>Bitte \u00fcberdenken Sie Ihre Entscheidung.\u201c<\/i><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_erzsebet2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-18203\" title=\"Pfarrer Stratmann war Lehrer in Deutschland und S\u00fcdafrika, bevor er nach Budapest kam. (Foto: budapester.hu)\" alt=\"34-35_erzsebet2\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_erzsebet2-375x500.jpg\" width=\"375\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_erzsebet2-375x500.jpg 375w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/34-35_erzsebet2.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p>Eine Kopie ging an den Pfarrer Lang, Leiter des Katholischen Auslands\u00adsekretariats. Ein aufgebrachtes Ge\u00admeindemitglied nennt ihn den \u201eStrip\u00adpenzieher\u201c und verteilt Kopien des Briefes unter den Besuchern. Sogar ein kleines M\u00e4dchen, gerade einmal zehn Jahre alt, schrieb einen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz. Die Ant\u00adwort kam. In Amtsdeutsch.<\/p>\n<p>Auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz ist die vakante Stel\u00adle des Pfarrers Stratmann schon aus\u00adgeschrieben: \u201eBudapest (Ungarn). Die Stelle ist f\u00fcr einen Priester vorgese\u00adhen. Voraussetzung ist die F\u00e4higkeit, an den deutschsprachigen Schulen Re\u00adligionsunterricht zu erteilen. Die Stel\u00adle soll zum 1. September 2016 wieder besetzt werden.\u201c<br \/>\nIn der Geschichte der Elisabeth-Ge\u00admeinde gab es bereits eine Zeit, in der das Pfarramt nicht besetzt war. Ab\u00adgesehen von der Zeit des Sozialismus, in der die Kirchent\u00e4tigkeit verboten war, gab es zwischen Oktober 2009 und September 2011 keinen st\u00e4ndigen Seelsorger, aber die deutschsprachige Sonntagsmesse konnte immer mit Hil\u00adfe von ungarischen Pfarrern gelesen werden.<br \/>\n\u201eDie Kirche ist ein intelligentes Wesen\u201c, spricht Pfarrer Gregor Strat\u00admann weiter. \u201eEs ist nichts umsonst. Ihre Bem\u00fchungen sind schwer beein\u00addruckend. Sie sind die Karies im Zahn der Kirche. Nehmen Sie meinen poten\u00adtiellen Nachfolger mit Respekt auf. Er ist es, der am wenigsten daf\u00fcr kann, nur weil er den Wunsch hat, in diese wunderbare Stadt zu kommen.\u201c<\/p>\n<p>Es ist wie jeden Sonntag. Nach dem Gottesdienst versammeln sich die Ge\u00admeindemitglieder und Besucher bei Kaffee, Tee und Saft im Pfarrsaal. Gregor Stratmann mittendrin. Er ist ja noch da.<\/p>\n<p><em>Sophie Herwig<\/em><a href=\"http:\/\/www.budapester.hu\/category\/panorama\/budapest\/\" rel=\"category tag\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren? Dr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt;\u00a0Zentrum Facebook-Seite Deutschsprachige Gemeinde vor Personalwechsel Pfarrer Gregor Stratmann muss die katholische St. Elisabeth Gemeinde in Budapest verlassen. Dem Antrag auf eine Verl\u00e4ngerung seines Amtes wurde nicht stattgegeben. 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