{"id":18369,"date":"2015-06-15T10:43:06","date_gmt":"2015-06-15T08:43:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=18369"},"modified":"2015-06-15T10:43:06","modified_gmt":"2015-06-15T08:43:06","slug":"odenburger-familien-im-portrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2015\/06\/odenburger-familien-im-portrat\/","title":{"rendered":"\u00d6denburger Familien im Portr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Puhrs<\/strong><\/p>\n<p>Vor kurzem traf ich Lujzi Puhr-Bicz\u00f3 auf der Stra\u00dfe. Bei dieser Gelegenheit erz\u00e4hlte sie von ihrer deutschen Herkunft und davon, dass sie unl\u00e4ngst je einen Stammbaum m\u00fctterlicher- wie auch v\u00e4terlicherseits anfertigen lie\u00df. Das machte mich neugierig. Ich besuchte sie und h\u00f6rte mir ihre Geschichte an.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/lujzi-002-354x266.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18370 aligncenter\" title=\"\u00d6denburger Familien im Portr\u00e4t - Die Puhrs\" alt=\"lujzi-002-354x266\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/lujzi-002-354x266.jpg\" width=\"354\" height=\"266\" \/><\/a><\/p>\n<p>Lujzis Urgro\u00dfvater, Ferdinand Puhr, k.u.k Tschismenmacher (Stiefelmacher), lebte in Rechnitz (heute Burgenland). Er \u00fcbersiedelte im 19. Jahrhundert nach \u00d6denburg. Der Grund war angeblich einerseits die Liebe zu einer \u00d6denburgerin, Maria Huber, seiner sp\u00e4teren Ehefrau. Andererseits gab es in Rechnitz viele Schustermeister, so dachte Ferdinand, dass er in \u00d6denburg mehr M\u00f6glichkeiten zur Entfaltung finden w\u00fcrde. Sein Sohn, der auch Ferdinand hie\u00df, und dessen Ehefrau, Anna Fruhstuck, hatten drei Kinder: Anna, Ferdinand und Gustav, Lujzis Vater.<\/p>\n<p>Gro\u00dfvater Puhr k\u00e4mpfte im Ersten Weltkrieg an der Front. 1921 kam er aus der russischen Gefangenschaft heim. In der Rosengasse angelangt, sah er seine drei Kinder auf der Stra\u00dfe spielen. Er fragte sicherheitshalber: \u201eSeid ihr die Puhr-Kinder?\u201c Auf die bejahende Antwort sagte er ihnen, dass er ihr Vater sei. Daraufhin st\u00fcrzten die Kinder ins Haus und schrien: \u201eMuide, do is wer, der sogt, er is unser Vode.\u201c Erst als die Mutter den Fremden umarmte, glaubten die Kinder, dass tats\u00e4chlich ihr Vater vor ihnen steht.<\/p>\n<p>Gustav Puhr (1915 -1992), Lujzis Vater, trat in den Fu\u00dfstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls Schuster. Er \u00fcbte diesen Beruf leidenschaftlich gerne aus, aber das Schicksal wollte es anders. Gustav konnte seinen Beruf nur mehr als Hobby betreiben: Wegen einer Lungenfellentz\u00fcndung konnte er nicht mehr so lange sitzen, was aber bei einem Schuster nicht zu vermeiden ist. Deswegen arbeitete er in einer Fabrik, doch an langen Winterabenden reparierte er die Schuhe der Familie und die der guten Bekannten.<\/p>\n<p>Gustav heiratete Luise Bierbaum, die Tochter von Alexander Bierbaum und Elisabeth Linzer. Alexander Bierbaum war ein flei\u00dfiger Pounzichter. Wie mir Lujzi erkl\u00e4rte, muss man zwischen Pounzichtern und Wirtschaftsb\u00fcrgern einen Unterschied machen: Die Pounzichter waren Kleinbauern, die nicht allzu viele Weing\u00e4rten hatten, diese ihnen jedoch ein solides, aber gutes Einkommen sicherten. Diejenigen, die viele Weing\u00e4rten besa\u00dfen, waren die betuchten Wirtschaftsb\u00fcrger. Die Bierbaums waren besser situiert als die Puhrs, so waren Luises Eltern nicht besonders erfreut \u00fcber diese Ehe.<\/p>\n<p>Gustav und Luise heirateten 1944. Das Gl\u00fcck dauerte nicht lange. Drei Tage nach der Hochzeit wurde Gustav einberufen. Kurz darauf kam er in Tabor (Tschechien) in Gefangenschaft. Die Zur\u00fcckgebliebenen, die Puhrs und die Bierbaums, wurden 1946 vertrieben. Sie sind in Deutschland gelandet. Luise wartete immer auf eine Nachricht von zu Hause. Als die ersehnte Nachricht von der R\u00fcckkehr ihres Mannes sie endlich erreichte, packte sie ihre Habseligkeiten zusammen und fl\u00fcchtete \u00fcber die gr\u00fcne Grenze nach \u00d6denburg. Das war tats\u00e4chlich eine Flucht, denn sie besa\u00df keine Papiere. Sie musste sich in einem Saustall verstecken, da sie keine \u201eIdentit\u00e4t\u201c hatte. Als dann alles vorbei war, stellte sich auch der Kindersegen ein: 1946 kam Lujzi, 1959 Gustav zur Welt.<\/p>\n<p>Oma Bierbaum kam einmal in den 50er Jahren aus Deutschland zu Besuch nach \u00d6denburg. Dieser Besuch wurde ein richtiges Abenteuer. Sie konnte ihre Fahrkarte in Deutschland nur bis Stra\u00dfsommerein l\u00f6sen, doch sie wollte weiter zu ihrer Tochter nach \u00d6denburg. Da sie kein ungarisches Geld besa\u00df, bekam sie Schwierigkeiten mit dem Schaffner. Pl\u00f6tzlich erkannte Oma Bierbaum den strengen Mann, der ihr Cousin war. Er war aber nicht besonders gro\u00dfz\u00fcgig, er lie\u00df sie zwar nach \u00d6denburg fahren, begleitete sie trotz sp\u00e4ter Stunden nach Hause und forderte dort von der Familie das Geld f\u00fcr die Fahrkarte ein. Ebenfalls in den 50er Jahren durfte Lujzi mit der Mutter ihre Gro\u00dfeltern in Deutschland besuchen. Obzwar die Gro\u00dfeltern nicht mehr zur\u00fccksiedeln wollten, mussten sie doch Heimweh haben, was folgende Geschichte beweist: Lujzis Mutter sagte beim Abschied zu ihrer Schwiegermutter: \u201eBleib g\u2019sund!\u201c Worauf ihre Mutter erwiderte: \u201eI\u2018 w\u00e4r g\u2019sund, wenn i im Weidengrund hau\u2019n k\u00f6nnt.\u201c Im Weidengrund in \u00d6denburg lag der einzige Weingarten der Familie, der nicht enteignet wurde, denn dieser wurde bereits auf Gustavs Namen \u00fcberschrieben, als er noch minderj\u00e4hrig war.<\/p>\n<p>Lujzis Muttersprache ist Deutsch. Sie lernte erst im Kindergarten Ungarisch. Sie hatte Gl\u00fcck, denn ihre kleinen ungarischen Freundinnen halfen ihr beim Erlernen der Sprache. Sie hatte eine sch\u00f6ne Kindheit. Sie erinnert sich gerne an die Wintertage, an denen der Vater mit ihr auf dem Spitalbach von der Gro\u00dfen Schwimmschule bis zur Pfarrwiese Schlittschuh lief.<\/p>\n<p>Lujzi war Mitglied des Evangelischen J\u00fcnglingsvereins. Sie bekam dort die Aufgabe, einen Mitsch\u00fcler vom Gymnasium in den Verein zu holen. Dieser war der Sohn eines evangelischen Pfarrers und hie\u00df Zsolt Bicz\u00f3. Lujzi erf\u00fcllte diese Aufgabe so gut, dass sich die beiden verliebten und heirateten. Die Puhr-Eltern waren gar nicht gl\u00fccklich, dass ein Ungar in die Familie einheiratete, denn, \u201eEin ungarisch und ein deutsches Blut, tut im Saufassl nicht gut\u201c.<\/p>\n<p>Anscheinend ging es bei den beiden doch gut, denn sie sind jetzt seit 47 Jahren verheiratet. Lujzi bereut jedoch eines, den Kindern, Rita und Bal\u00e1zs, die deutsche Sprache nicht beigebracht zu haben. Wie sie sagte, sie wollte sie verschonen, sie wollte nicht, dass sich diese \u2013 wie einst Lujzi \u2013 ausgegrenzt f\u00fchlen. Die Enkelkinder aber wundern sich nicht, dass Oma Lujzi mit ihnen deutsch spricht, sie sprechen sogar die Reime und Gebete auf Deutsch flei\u00dfig mit.<\/p>\n<p><em>Judit Bertalan<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren? Dr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; Zentrum Facebook-Seite Die Puhrs Vor kurzem traf ich Lujzi Puhr-Bicz\u00f3 auf der Stra\u00dfe. Bei dieser Gelegenheit erz\u00e4hlte sie von ihrer deutschen Herkunft und davon, dass sie unl\u00e4ngst je einen Stammbaum m\u00fctterlicher- wie auch v\u00e4terlicherseits anfertigen lie\u00df. Das machte mich neugierig. 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