{"id":18665,"date":"2015-06-22T14:09:04","date_gmt":"2015-06-22T12:09:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=18665"},"modified":"2015-07-13T13:05:54","modified_gmt":"2015-07-13T11:05:54","slug":"war-ungarn-nie-multikulturell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2015\/06\/war-ungarn-nie-multikulturell\/","title":{"rendered":"War Ungarn nie multikulturell?"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p>Emmerich Ritter, der parlamentarische Sprecher der Ungarndeutschen, richtete eine Frage des Nationalit\u00e4tensprechers an Ministerpr\u00e4sidenten Viktor Orb\u00e1n mit dem Titel \u201eWar Ungarn nie multikulturell?\u201c. Am 15. Juni beantwortete statt des Ministerpr\u00e4sidenten Bence R\u00e9tv\u00e1ri, parlamentarischer Staatssekret\u00e4r im Ministerium f\u00fcr Humanressourcen, die Frage von Ritter. Wir ver\u00f6ffentlichen die Frage und die Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/ritter-retvari-400x255.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18666 aligncenter\" title=\"Sprecher Emmerich Ritter, Staatssekret\u00e4r Bence R\u00e9tv\u00e1ri\" alt=\"ritter-retvari-400x255\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/ritter-retvari-400x255.jpg\" width=\"400\" height=\"255\" \/><\/a><\/p>\n<p>Geehrter Herr Ministerpr\u00e4sident!<\/p>\n<p>Hatte Ungarn nie eine multikulturelle Gesellschaft?<\/p>\n<p>Wegen der Reden des Herrn Ministerpr\u00e4sidenten am 19. Mai 2015 in Stra\u00dfburg sowie wegen einiger an den vorangehenden und folgenden Pressekonferenzen von Ihnen ge\u00e4u\u00dferten S\u00e4tzen oder Satzteilen bzw. der diesbez\u00fcglichen Berichte in den Print- und elektronischen Medien sind die in Ungarn lebenden Nationalit\u00e4ten besorgt.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6rten von Ihnen beispielsweise: \u201e\u2026weil wir nie eine multikulturelle Gesellschaft waren\u2026\u201c; \u201eWir halten es f\u00fcr einen Wert, dass Ungarn ein homogenes Land ist: es zeigt in seiner Kultur, Mentalit\u00e4t, in seinen Zivilisationsbr\u00e4uchen ein ziemlich homogenes Bild. Unseres Erachtens ist dies ein Wert, wir wollen das auch nicht aufgeben\u201c; \u201eUngarn wollen wir als ein ungarisches Land bewahren\u201c.<\/p>\n<p>Fast 10% der Bev\u00f6lkerung Ungarns bilden auch heute noch Nationalit\u00e4ten. Laut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ist Ungarn Teil von Mitteleuropa, diese Region charakterisiert nichts besser als die Existenz von gut organisierten, auf ihrer kulturellen Identit\u00e4t bestehenden Minderheiten. Kulturelle Vielfalt ist dar\u00fcber hinaus ein Wert, der vom Staat gesch\u00fctzt wird \u2013 nicht nur aufgrund des in Ungarn gegenw\u00e4rtig g\u00fcltigen Nationalit\u00e4tengesetzes, sondern auch aufgrund diverser internationaler Vertr\u00e4ge. Wer dies bestreitet, stellt die Anerkennung von Minderheitengemeinschaften, die Verbundenheit mit der politischen Gemeinschaft von Menschen in Zweifel, die Minderheitengemeinschaften angeh\u00f6ren und f\u00fcr die diese Zugeh\u00f6rigkeit wichtig ist.<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Ministerpr\u00e4sident!<\/p>\n<p>Bedauerliches Kennzeichen des 20. Jahrhunderts war eine breite Palette an Mitteln der Zwangsmagyarisierung. Ich darf nur auf die Vertreibung von mehr als 200.000 Ungarndeutschen hinweisen; den 70. Jahrestag dieser Ereignisse begehen wir n\u00e4chstes Jahr.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren durften wir in der ungarischen Politik hoffnungsvolle \u00c4nderungen bez\u00fcglich der Lage der Nationalit\u00e4ten in Ungarn erfahren, wir h\u00f6rten Ihnen, Herr Ministerpr\u00e4sident, mit Freude zu, als Sie die gemeinsame Pressekonferenz mit Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel folgenderma\u00dfen er\u00f6ffnet haben: \u201eDas ungarische Volk ehrt nicht nur die Deutschen, es hat sie auch gern, und hierbei spielen die in Ungarn lebenden Deutschen, die sich gro\u00dfen Respekt erk\u00e4mpft haben, und deren Vertreter Mitglied der heutigen Delegation war, eine wichtige Rolle.\u201c<\/p>\n<p>Wir glauben daran, dass die ungarische Politik mit der gewaltsamen Magyarisierung endg\u00fcltig und f\u00fcr immer gebrochen hat.<\/p>\n<p>Ich bin mir dar\u00fcber im Klaren, dass die aus dem Kontext herausgegriffenen S\u00e4tze, Satzteile oft M\u00f6glichkeit zur falschen Interpretation geben. Deshalb bitte ich Herrn Ministerpr\u00e4sidenten, seinen klaren Standpunkt bez\u00fcglich der zitierten S\u00e4tze, bez\u00fcglich Multikulturalismus, homogene und ungarische Gesellschaft auszudr\u00fccken.<br \/>\nIch danke Ihnen im Voraus f\u00fcr Ihre Antwort und verbleibe hochachtungsvoll<\/p>\n<p><strong>Die Antwort von Staatssekret\u00e4r Bence R\u00e9tv\u00e1ri<\/strong><\/p>\n<p>Geehrter Herr Vorsitzender, geehrter Herr Sprecher, geehrtes Parlament,<br \/>\nden Anfang der Antwort haben Sie teilweise bereits in Ihrer Frage gegeben, denn selbst Sie sagten, dass diese S\u00e4tze bewertet werden sollen, indem man sie in ihrem Kontext betrachtet. Und tats\u00e4chlich: die beiden Begriffe \u201emultinational\u201c und \u201emultikulturell\u201c m\u00fcssen voneinander unterschieden werden. In Ungarn leben auch gegenw\u00e4rtig viele Nationalit\u00e4ten \u2013 auch hier im Parlament sind sie pr\u00e4sent, denn laut des neuen Grundgesetzes d\u00fcrfen seit 2014 auch deren Sprecher im Parlament anwesend sein. In Ungarn sind die Nationalit\u00e4ten, die unter uns leben \u2013 wie das auch im Grundgesetz verankert ist \u2013 Teile der ungarischen Nation, staatsbildende Faktoren. Demgegen\u00fcber dient der Begriff \u201aMultikulturalismus\u2018 zur Bezeichnung des Aufeinandertreffens von Menschen, die aus verschiedenen Zivilisationen kommen. So wurde der Begriff auch in Westeuropa gebraucht, so wird er auch in Mitteleuropa verwendet. Es handelt sich also um eine ganz andere Situation. Wir stehen demgem\u00e4\u00df nicht eines Jahrhunderte w\u00e4hrenden Zusammenlebens, eines gemeinsamen Daseins in guter Beziehung gegen\u00fcber, es geht hier um etwas ganz anderes: wir stehen \u2013 und vor allem westeurop\u00e4ische L\u00e4nder stehen \u2013 dem Aufeinandertreffen von muslimischen, fernen L\u00e4ndern und europ\u00e4ischen Gesellschaften mit christlichen Wurzeln gegen\u00fcber.<br \/>\nGestatten Sie mir, die Worte des Herrn Ministerpr\u00e4sidenten am 3. Juni zu zitieren: \u201aUngarn verf\u00fcgt \u00fcber multinationale Wurzeln und multinationalen kulturellen Hintergrund, dies ist aber kein Multikulturalismus! Multikulturalismus bedeutet das Zusammenleben von Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergr\u00fcnden; das Zusammenleben des Islams, asiatischer Religionen und des Christentums.\u2018 Das nationale Bekenntnis des Grundgesetzes, welches die b\u00fcrgerliche Regierungskoalition von Fidesz und der Christlich-Demokratischen Volkspartei vor einigen Jahren erlassen hat, formuliert folgenderma\u00dfen: \u201aWir manifestieren, dass die mit uns lebenden Nationalit\u00e4ten Teil der ungarischen politischen Gemeinschaft und staatsbildende Faktoren sind.\u2018 Das hei\u00dft also, dass all die Nationalit\u00e4ten, die auch hier im Parlament durch einen Sprecher pr\u00e4sent sind, organische Teile der ungarischen Nation sind. In diesem Sinne haben wir im Dezember 2011 das Gesetz \u00fcber die Nationalit\u00e4ten angenommen, im Sinne eines anderen Beschlusses den 19. Januar zum Gedenktag der Vertreibung der Ungarndeutschen erkl\u00e4rt, und anhand einer wichtigen Entscheidung haben wir durch die Sprecher auch den Nationalit\u00e4ten Platz im Parlament gesichert; und erw\u00e4hnt werden soll, dass wir im Jahre 2015 die Unterst\u00fctzung der Nationalit\u00e4ten um 51,4% erh\u00f6ht haben. Vielen Dank!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren? Dr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; Zentrum Facebook-Seite Emmerich Ritter, der parlamentarische Sprecher der Ungarndeutschen, richtete eine Frage des Nationalit\u00e4tensprechers an Ministerpr\u00e4sidenten Viktor Orb\u00e1n mit dem Titel \u201eWar Ungarn nie multikulturell?\u201c. Am 15. 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