{"id":23955,"date":"2016-01-19T06:29:39","date_gmt":"2016-01-19T05:29:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=23955"},"modified":"2016-01-19T06:29:39","modified_gmt":"2016-01-19T05:29:39","slug":"funfzig-kilo-schwere-schmerzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2016\/01\/funfzig-kilo-schwere-schmerzen\/","title":{"rendered":"F\u00fcnfzig Kilo schwere Schmerzen"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Gedenktag am 70. Jahrestag des Beginns der Vertreibung der Ungarndeutschen<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eAm 20. Januar mussten wir unser Zuhause zwischen Tr\u00e4nen und Leid verlassen. (\u2026) Auf dem Wuderscher Bahnhof hat man uns in Viehwagons gesetzt, in denen sich nur ein kleiner runder Ofen befand. Es herrschte Hundek\u00e4lte\u201c \u2013 so erinnerte sich der Wuderscher Josef Hasenauer an die Geschehnisse vor 70 Jahren. Franz Bruckner aus Gro\u00dfturwall erz\u00e4hlte wie folgt: \u201eDer Bahnhof war voll mit Trauernden. Pfarrer J\u00f3zsef Bokor zelebrierte eine Abschiedsmesse und segnete seine Gl\u00e4ubigen noch ein letztes Mal. Eltern, Kinder, Geschwister, Nachbarn und Freunde dr\u00fcckten sich noch einmal ans Herz. (\u2026) Und dann wurde die Lokomotive an den Zug gebracht. J\u00f3zsef Oszfolg rief schnell noch seine Musikanten zusammen: sie spielten den Heimatverlorenen ein letztes, herzzerrei\u00dfendes Lied, die ungarische Nationalhymne.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23959 aligncenter\" title=\"\u201eAm 20. Januar mussten wir unser Zuhause zwischen Tr\u00e4nen und Leid verlassen. (\u2026)&quot;\" alt=\"kitelepites_2\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_2-510x340.jpg\" width=\"510\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_2-510x340.jpg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_2.jpg 666w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Rahmen einer Gedenkfeier erinnert sich am 19. Januar 2016 in Wudersch unter anderem auch die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen dessen, dass von dieser Stadt vor 70 Jahren der erste Zug mit aus Ungarn vertriebenen Deutschen nach Deutschland abfuhr. Damit begann ein neues Kapitel der Unmenschlichkeit in Ungarn: zwischen 1945 und 1948 wurde ein betr\u00e4chtlicher Teil beraubter und gedem\u00fctigter Ungarndeutscher aus dem Lande vertrieben.<\/p>\n<p>Hinter der \u201eAussiedlung\u201c standen teils internationale, teils innenpolitische Gr\u00fcnde und Ziele. Die Gro\u00dfm\u00e4chte hielten es bereits seit den Vierzigern f\u00fcr akzeptabel, die ethnischen Verh\u00e4ltnisse durch \u00dcbersiedlungen neu zu regeln. Auch die politischen Eliten, und teilweise auch die Gesellschaften der ost-mitteleurop\u00e4ischen L\u00e4nder unterst\u00fctzten \u2013 mit \u00e4hnlicher Argumentation, jedoch aus anderen Gr\u00fcnden \u2013 das Zustandebringen von \u201ereinen\u201c Nationalstaaten. In der zweiten H\u00e4lfte des Weltkrieges begann die D\u00e4monisierung der deutschen Minderheit: sie wurde als Mittel der deutschen Expansion, als \u201ef\u00fcnfte Kolonne des Dritten Reiches\u201c, als \u201eQuartiermacher Hitlers\u201c dargestellt. Daraus wurde dann die Kollektivschuld der Deutschen abgeleitet und das Bed\u00fcrfnis ihrer Vertreibung formuliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23958 aligncenter\" title=\"19. Januar: Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen\" alt=\"kitelepites_1\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_1-510x340.jpg\" width=\"510\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_1-510x340.jpg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_1.jpg 630w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Verordnung der Provisorischen Nationalregierung vom 29. Dezember 1945 verurteilte all diejenigen, die sich bei der Volksz\u00e4hlung im Jahre 1941 zur deutschen Nationalit\u00e4t und\/oder zu ihrer deutschen Muttersprache bekannten, zur Aussiedlung. Massen unschuldiger Menschen wurden vertrieben. Der Vertreibung entkommen sind nur diejenigen, die mit kommunistischen Organisationen in Verbindung standen, oder die \u00fcber unbedeutend wenig Verm\u00f6gen verf\u00fcgten.<\/p>\n<p>Offenbartes Ziel mit der Vertreibung der Deutschen war, dass man die Schicht der ungarischen Kleinbauern und des Agrarproletariats zu einem Grundst\u00fcck verhelfen wollte. Aus dem \u00f6stlichen und n\u00f6rdlichen Teil des Landes brach eine Masse von Bodenbewerbern nach Transdanubien auf, wo sie sich H\u00e4user und Boden der Deutschen teilen durften. In zahlreiche ungarndeutsche D\u00f6rfer wurden aus den umliegenden L\u00e4ndern fliehende Ungarn gesiedelt. Im Sinne des Abkommens \u00fcber den slowakisch-ungarischen Bev\u00f6lkerungstausch begann dann im Fr\u00fchling 1947 die Ansiedlung von Ungarn aus der Slowakei \u2013 dies spornte die ungarische Regierung ebenfalls zur Aussiedlung der Deutschen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23960 aligncenter\" title=\"Vor 70 Jahren fuhr der erste Zug mit aus Ungarn vertriebenen Deutschen nach Deutschland ab \" alt=\"kitelepites_3\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_3-510x286.jpg\" width=\"510\" height=\"286\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_3-510x286.jpg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/kitelepites_3.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zwischen 1946 und 1948 wurden um die 200 tausend Staatsb\u00fcrger deutscher Abstammung aus Ungarn in das in Tr\u00fcmmern liegende Deutschland ausgesiedelt. Ihr Gro\u00dfteil wurde in die amerikanische Besatzungszone, in das sp\u00e4tere Westdeutschland transportiert. Nach dem August des Jahres 1947 kamen die Vertriebenen aber auch schon in die sowjetische Besatzungszone, in das sp\u00e4tere Ostdeutschland. Sie mussten all ihr Verm\u00f6gen hinterlassen und mit einem B\u00fcndel von h\u00f6chstens f\u00fcnfzig Kilogramm das Land Ungarn verlassen.<\/p>\n<p>Laut des Regierungsbeschlusses vom 10. Dezember 2012 wurde der 19. Januar zum Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen erkl\u00e4rt. Dieses Jahr wird der Opfer in Wudersch mit einer Konferenz, einer heiligen Messe und mit Gedenkansprachen gedacht. An der Veranstaltung nimmt Viktor Orb\u00e1n, Ministerpr\u00e4sident Ungarns, und auch Hartmut Koschyk, Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten teil.<\/p>\n<p>(Quelle der R\u00fcckerinnerungen: <a href=\"http:\/\/www.svabkitelepites.hu\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.svabkitelepites.hu\/<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Gedenkfeier erinnert sich am 19. Januar 2016 in Wudersch unter anderem auch die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen dessen, dass von dieser Stadt vor 70 Jahren der erste Zug mit aus Ungarn vertriebenen Deutschen nach Deutschland abfuhr. 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