{"id":24111,"date":"2016-01-21T16:02:04","date_gmt":"2016-01-21T15:02:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=24111"},"modified":"2016-01-22T14:20:40","modified_gmt":"2016-01-22T13:20:40","slug":"mein-vater-war-der-meinung-dass-wir-keine-sunden-begangen-haben-dass-man-uns-vollig-ungerecht-ausgesiedelt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2016\/01\/mein-vater-war-der-meinung-dass-wir-keine-sunden-begangen-haben-dass-man-uns-vollig-ungerecht-ausgesiedelt-hat\/","title":{"rendered":"\u201eMein Vater war der Meinung, dass wir keine S\u00fcnden begangen haben, dass man uns v\u00f6llig ungerecht ausgesiedelt hat&#8220;"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt;\u00a0<a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Otto Heineks Gedenkrede in der Wuderscher Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk am 19. Januar 2016, an der Vertreibungs-Gedenkveranstaltung<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMein Vater war der Meinung, dass wir keine S\u00fcnden begangen haben, dass man uns v\u00f6llig ungerecht ausgesiedelt hat. Und mein Vater war der Meinung, dass wir Ungarn sind und alles, was wir haben, hier ist. Wir gehen nach Hause, weil wir hierher geh\u00f6ren. Er war der Meinung, dass das seine Heimat ist, also kommt er heim.\u201d<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/12605372_1672755972984849_5488945419307309025_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24109 aligncenter\" title=\"Otto Heinek\" alt=\"12605372_1672755972984849_5488945419307309025_o\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/12605372_1672755972984849_5488945419307309025_o-510x297.jpg\" width=\"510\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/12605372_1672755972984849_5488945419307309025_o-510x297.jpg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/12605372_1672755972984849_5488945419307309025_o.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Sehr geehrter Herr Ministerpr\u00e4sident, sehr geehrter Herr Koschyk, meine Damen und Herren, liebe Landsleute!<\/strong><\/p>\n<p>Eine aus einem Tolnauer Dorf mit ihrer \u00e4lteren Schwester und ihren Eltern vertriebene Frau erinnert sich auf ihr Lebenstrauma mit diesen Worten. Sie war damals 12 Jahre alt. Die Familie hat einige Monate in Bayern verbracht und hat sich dann entschieden, nach Hause zu kommen Sie wollten nach Hause, weil dies ihre Heimat ist. So einfach ist das! In Budapest hat man sie dann verhaftet, Eltern und Schwester kamen f\u00fcr ein Jahr in Abschiebehaft. Das 12j\u00e4hrige M\u00e4dchen wurde in dieser Zeit von den Gro\u00dfeltern erzogen. Sp\u00e4ter sind dann auch die Gro\u00dfeltern vertrieben worden, die vierk\u00f6pfige Familie durfte aber bleiben.<\/p>\n<p>An diese Menschen erinnern wir uns heute, an die Abertausende, die man ihrer Heimat, ihres Hauses, ihres ganzen Verm\u00f6gens beraubt hat. Was ihre S\u00fcnde war? Sie waren Deutsche und hatten einen Besitz, den man ihnen wegnehmen konnte. Unter den 200.000 vertriebenen Ungarndeutschen gab es sehr wenige, die Ungarn nicht als ihre Heimat betrachtet h\u00e4tten. Man hat aber einen S\u00fcndenbock gebraucht, verteilbares Verm\u00f6gen, und wollte einen ethnisch homogenen Staat schaffen.<\/p>\n<p><strong>Meine Damen und Herren!<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt kaum eine ungarndeutsche Familie, die durch die Vertreibung nicht betroffen w\u00e4re und die keine \u00e4hnlichen Geschichten h\u00e4tte. Ich habe viele solche Geschichten geh\u00f6rt, gelesen. Sie haben eines gemeinsam: Man versteht nicht, wieso mit ihnen das Land so umgehen konnte, das sie als ihre Heimat betrachtet haben. Wir werden das vielleicht nie verstehen. Es ist aber wichtig, dass wir diese schmerzhaften Geschichten nicht vergessen, dass sie sich als mahnende Zeichen in das Bewusstsein der heutigen und zuk\u00fcnftigen Generationen und in die Erinnerungskultur einpr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Wir wissen, dass ohne die Kenntnis und die Bew\u00e4ltigung der Vergangenheit jede Identit\u00e4t nur fragil und unvollst\u00e4ndig sein kann. Wir wissen aber auch, dass man keine Identit\u00e4t nur auf die Vergangenheit und auf das erfahrene Unrecht aufbauen kann.\u2028 Wir leben in einer komplizierten Welt. Unsere soziale, wirtschaftliche, geographische Mobilit\u00e4t ist vollkommen anders als die unserer Gro\u00dfeltern es gewesen war. Unser n\u00e4heres und weiteres Umfeld ist ethnisch, kulturell sehr bunt geworden. Wir tragen verschiedene Identit\u00e4ten in uns, k\u00f6nnen gleichzeitig Deutsche und ungarische und europ\u00e4ische B\u00fcrger sein.<\/p>\n<p>Die wichtigste Aufgabe f\u00fcr uns, die heute Verantwortung f\u00fcr die Zukunft der Ungarndeutschen tragen, ist alles f\u00fcr die Bewahrung unseres kulturellen Erbes, unserer Muttersprache, zu unternehmen. F\u00fcr die St\u00e4rkung der deutschen und europ\u00e4ischen Elemente unserer Identit\u00e4t und f\u00fcr die Herausbildung eines modernen ungarndeutschen Bildes und Selbstbildes des 21. Jahrhunderts zu arbeiten. Keine leichte Aufgabe, aber wenn wir sie ernst nehmen und zusammenhalten &#8211; dann schaffen wir das!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2016\/01\/chronik-des-gedenktages-der-vertreibung-der-ungarndeutschen\/\" target=\"_blank\">Chronik des Gedenktages der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen &gt;&gt;&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren? Dr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt;\u00a0Zentrum Facebook-Seite Otto Heineks Gedenkrede in der Wuderscher Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk am 19. Januar 2016, an der Vertreibungs-Gedenkveranstaltung \u201eMein Vater war der Meinung, dass wir keine S\u00fcnden begangen haben, dass man uns v\u00f6llig ungerecht ausgesiedelt hat. 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