{"id":44351,"date":"2018-11-07T11:35:46","date_gmt":"2018-11-07T10:35:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=44351"},"modified":"2018-11-10T14:56:51","modified_gmt":"2018-11-10T13:56:51","slug":"mir-waren-immer-die-interessen-meiner-nationalitat-am-wichtigsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2018\/11\/mir-waren-immer-die-interessen-meiner-nationalitat-am-wichtigsten\/","title":{"rendered":"\u201eMir waren immer die Interessen meiner Nationalit\u00e4t am wichtigsten\u201d"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Interview mit dem ungarndeutschen Parlamentsabgeordneten<br \/>\nEmmerich Ritter<\/strong><\/p>\n<p>Nach vier Jahren Dienst als Parlamentssprecher setzt sich Emmerich Ritter seit den Parlamentswahlen 2018 als Abgeordneter f\u00fcr die Interessen der Ungarndeutschen ein. Sein Mandat erhielt er als Spitzenkandidat der Landesliste der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Wir unterhielten uns mit ihm \u00fcber Herkunft, Familie, Hobby und Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/5.1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-44355 aligncenter\" title=\"Emmerich Ritter im Kreise seiner Familie: mit Gattin Vera und den Kindern, Annarose Connie, Gergely und Maria\" alt=\"5.\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/5.1-510x339.jpg\" width=\"510\" height=\"339\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/5.1-510x339.jpg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/5.1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Kindheit<\/strong><\/p>\n<p>\u201cGeboren wurde ich in Wudersch, in einer fast rein ungarndeutschen Gemeinde, wo viele \u2013 so auch zum Beispiel meine Gro\u00dfeltern &#8211; nicht einmal ungarisch konnten, aber dies hatten sie auch kaum n\u00f6tig. Den friedlichen Alltag ruinierten 1946 die Schicksalsschl\u00e4ge, die das ganze Ungarndeutschtum trafen: 80% der Bev\u00f6lkerung meines Heimatortes wurde nach Deutschland vertrieben. Auch unsere Familie blieb von all dem nicht verschont: 29 von den 34 Cousinen bzw. Cousins meiner Mutter und noch viele Verwandte mussten ihre Heimat verlassen. Auch meine Eltern sa\u00dfen schon im Wagon, meine Mutter war aber gef\u00e4hrdet schwanger. Eine junge \u00c4rztin sagte jedoch \u2013 gro\u00dfes Risiko eingehend \u2013, dass unter solchen Umst\u00e4nden nicht einmal Tiere transportiert werden d\u00fcrften. Letztendlich blieben sie. Bis sie aber zu Hause angekommen waren, zogen Fremde in ihr Haus. Es war Januar, und sie mussten im Stall wohnen. Mit uns, Kindern haben unsere Eltern lange nicht \u00fcber die Vertreibung diskutiert, wir wussten aber nat\u00fcrlich, dass es sich um etwas ganz Schlimmes handelt. All dies erkl\u00e4rt meine Motivation, mich in diesem Bereich einzusetzen.\u201d<\/p>\n<p><strong>\u00dcber Studien und Hobby<\/strong><\/p>\n<p>\u201cMeine beiden \u00e4lteren Geschwister studierten Wirtschaftswissenschaften. Da auch ich Mathematik gernhatte, entschied auch ich mich f\u00fcr eine \u00f6konomische Mittelschulbildung, und anschlie\u00dfend f\u00fcr ein \u00d6konomiestudium. Neben dem Lernen habe ich Fu\u00dfball gespielt, und zwar in der Zentralen Sportschule, deren Gr\u00fcnder teilweise herausragende Sportlehrer aus Wudersch waren. Nach der Uni habe ich der 3. und 2. Nationalliga, sowie im Sportklub des Budapester Verkehrsbetriebs BKV gespielt. W\u00e4hrenddessen habe ich an der E\u00f6tv\u00f6s das Fach Mathe absolviert. Derzeit kam ich mit dem Kleinfeldfu\u00dfball in Kontakt. Durch unseren Verein namens Aramis wurde in Ungarn der Hallenfu\u00dfball, sowie auch die Budapester Meisterschaft in dieser Disziplin etabliert. An mehr als 60 von den 100 Spielen der ungarischen Futsal-Auswahlmannschaft war ich der Verbandskapit\u00e4n. Wir bereisten die Welt, von Rio de Janeiro bis nach Novi Uregonj, von Brasilien bis nach Sibirien. Aramis ist bis heute die einzige Mannschaft, die seit der Etablierung von Futsal durchgehend in der h\u00f6chsten Klasse spielte, und sogar eine eigene Sporthalle baute.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/2..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-44356 aligncenter\" title=\"Emmerich Ritter mit seiner Familie und seinem Enkelkind\" alt=\"2.\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/2.-312x500.jpg\" width=\"312\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/2.-312x500.jpg 312w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/2..jpg 625w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcber freiwilliges Engagement f\u00fcr die deutsche Nationalit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>\u201cEs ist dem Zufall zu verdanken, dass ich in diese Szene hineingeraten bin. 1994 fragte mich meine Schwester, die durch ihren Mann, der aus einer Etyeker deutschen Familie stammt, in diese Sache bereits involviert war, ob ich sie zu einer Besprechung in Wudersch bez\u00fcglich der Nationalit\u00e4tenwahlen begleiten w\u00fcrde. Vorhin war ich eigentlich nur mit meiner Arbeit und mit Fu\u00dfball besch\u00e4ftigt. Dies bedeutete aber gleichzeitig auch, dass ich keinen \u00c4rger mit den Dorfbewohnern hatte \u2013 darum, und wegen dem Namen \u201dRitter\u201d wurde ich dann schlie\u00dflich zum Vorsitzenden der Wuderscher Deutschen Selbstverwaltung gew\u00e4hlt. Sehr engagiert machten wir uns mit dieser K\u00f6rperschaft an die Arbeit, und nach einer gewissen Zeit stand ich dann vor der Wahl: entweder die deutsche Selbstverwaltung, oder der Fu\u00dfball. Schlie\u00dflich fasste ich den Entschluss, Aramis zu behalten und den Verein finanziell auch weiterhin zu unterst\u00fctzen, an den Trainings jedoch nicht mehr teilzunehmen. Mit der Zeit haben wir \u00c9MN\u00d6SZ, den Verband der Deutschen Selbstverwaltungen der Region Nord gegr\u00fcndet, ich wurde der Vorsitzende, und ab der zweiten Wahlperiode war ich auch Mitglied der Vollversammlung der Landesselbstverwaltung. Von den sieben Tagen der Woche habe ich sechs durchgearbeitet, indem ich mich an drei bis vier Tagen ganz gewiss mit den Angelegenheiten meiner Nationalit\u00e4t befasst habe. Mit \u00c9MN\u00d6SZ gingen wir anhand einer gut \u00fcberlegten Strategie vor, und es ist uns gelungen, sowohl vor Ort, als auch in der Region sch\u00f6ne Ergebnisse zu erzielen: Die Jahrzehnte hindurch zerst\u00f6rte Kultur der Ungarndeutschen erwachte allm\u00e4hlich, die Menschen begannen, sich f\u00fcr die Sache zu interessieren, wir starteten verschiedene Wettbewerbe f\u00fcr Kinder, gr\u00fcndeten Ch\u00f6re, Tanzgruppen und Kapellen, und vernetzten Ortschaften und Menschen mit einander. Eine meiner Herzensangelegenheiten war, den alten Friedhof von Wudersch zu retten: Wir haben etwa 1300 Grabsteine renoviert und dadurch verhindert, dass an jenem Ort ein Wohnhaus oder eine Tiefgarage erbaut wird.\u201d<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Familie<\/strong><\/p>\n<p>\u201cIch muss \u00fcber zwei Familien erz\u00e4hlen. Ich bin ein konservativ gesinnter Mensch und h\u00e4tte deshalb nie gedacht, dass ich mich einmal scheiden lasse und eine zweite Ehe haben werde. Das Leben ist aber nun mal so. Meine erste Ehefrau hatte keine Bindung zum Ungarndeutschtum, und sie war auch nicht religi\u00f6s. Man sagt zwar, dass die Liebe alles besiegt, aber die diesbez\u00fcglichen Uneinigkeiten brachten Probleme bei der Erziehung unserer Kinder mit sich. Ich muss auch gestehen, dass ich damals auch ganz viel Fu\u00dfball spielte und 3-4 Monate im Jahr unterwegs war. Aus meiner ersten Ehe habe ich zwei erwachsene T\u00f6chter und ein Enkelkind. Der Wandel in meinem Privatleben erfolgte, als ich B\u00fcrgermeister von Wurdersch werden wollte \u2013 nicht, weil ich irgendwelche politischen Ambitionen hatte, sondern einfach, weil ich im Interesse unserer Nationalit\u00e4t die \u00c4nderung unbedingt f\u00fcr n\u00f6tig hielt \u2013, es aber nicht geworden bin. Es kam eine schwere Phase in meinem Leben. Und wenn es einem ganz schlecht geht, kommt ganz unerwartet etwas Gutes: Zu dieser Zeit lernte ich Vera kennen. Sie stammt aus Wudersch und vertritt dieselben Werte. Wir haben eine neue Familie gegr\u00fcndet, innerhalb von f\u00fcnf Jahren haben wir drei Kinder bekommen, mit denen wir nur deutsch sprechen. Mein B\u00fcro ist nur hundert Meter von meiner Wohnung entfernt, jahrelang haben wir jeden Tag zusammen gefr\u00fchst\u00fcckt und zu Mittag gehalten, und ich war jeden Abend bei ihren Betten, als sie einschliefen. Diese Jahre waren einfach traumhaft. Ich war unheimlich stolz auf meine drei Kinder, als sie dieses Jahr im Wuderscher Passionsspiel mitgewirkt haben.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/1..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-44359 aligncenter\" title=\"Orsolya und M\u00f3nika Ritter, die Kinder aus der ersten Ehe\" alt=\"1.\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/1.-349x500.jpg\" width=\"349\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/1.-349x500.jpg 349w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/1..jpg 699w\" sizes=\"auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Zeitspanne zwischen 2014 und 2018 als Parlamentssprecher<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBei den Parlamentswahlen 2014 war es gar keine Frage, dass wir unseren damaligen LdU-Vorsitzenden, Otto Heinek in das Hohe Haus als Abgeordneten entsenden m\u00f6chten. Als es sich aber allm\u00e4hlich herauskristallisierte, dass wir statt einen Abgeordneten nur einen Sprecher haben werden, tauchte ein Problem auf: Wer Vorsitzender war, durfte nicht den Posten des Parlamentssprechers bekleiden. Und da hat man mich gefragt. Niemand von uns wusste, welche Aufgaben mit dieser Rolle verbunden sind, dennoch fasste ich den Entschluss, den Schritt zu wagen und den Posten zu \u00fcbernehmen. Ich f\u00fchlte mich kompetent: Einerseits, weil ich mich lange Jahre sehr engagiert f\u00fcr die Angelegenheiten meiner Nationalit\u00e4t einsetzte, andererseits, weil ich aus den Pl\u00e4nkeleien in der Vergangenheit sehr viel lernen konnte. Ich musste zwar meine Existenz aufgeben, aber es war mir klar: Wenn wir jetzt nichts unternehmen, k\u00f6nnen wir \u201aden Laden dichtmachen\u2018. Ich m\u00f6chte zwei wichtige Errungenschaften aus der Zeitspanne 2014-2018 hervorheben. Die eine ist die Schaffung von Konsens zwischen den Nationalit\u00e4ten Ungarns. Derzeit konnten wir n\u00e4mlich nur als Ausschuss (Parlamentsausschuss der Nationalit\u00e4ten Ungarns) auftreten, darum war es im Sinne des Erfolgs unheimlich wichtig, fr\u00fchere Konflikte beiseite zu legen und den bestm\u00f6glichen Kontakt zwischen den 13 Nationalit\u00e4ten \u2013 vor allem aber zwischen den Parlamentssprechern und den Vorsitzenden der Landesselbstverwaltungen \u2013 herzustellen. Dies haben auch alle begriffen, und obwohl es nat\u00fcrlich auch weiterhin Diskussionen gegeben hat, konnten und k\u00f6nnen wir immer einen Kompromiss finden. Das zweite wichtige Ergebnis ist meines Erachtens, dass es uns durch regelm\u00e4\u00dfige Abstimmungen mit den Oppositions-, und anschlie\u00dfend auch mit den Regierungsparteien gelungen ist, zu erreichen, dass die Angelegenheiten der Nationalit\u00e4ten kein Thema des politischen Gepl\u00e4nkels sind. Als Resultat dessen gibt es bez\u00fcglich der Angelegenheiten der Nationalit\u00e4ten immer einstimmige Parlamentsentscheidungen. Dies ist \u2013 finde ich \u2013 besonders wichtig, denn in einer Demokratie kommt es nat\u00fcrlicherweise immer wieder zu politischen \u00c4nderungen, und daher kann es gut vorkommen, dass der eine oder andere Politiker, der das Gef\u00fchl hat, dass in der vergangenen Wahlperiode bestimmte Angelegenheiten im Sinne einer anderen politischen Einstellung geregelt wurden, f\u00fcr uns wichtige Entscheidungen annulliert. Unsere Aufgabe ist, vor allem die Rahmen, Gesetzen und M\u00f6glichkeiten zu behandeln, die die Interessen der Nationalit\u00e4ten landesweit betreffen. Die Vorschl\u00e4ge, die wir unterbreiten, beruhen in der Regel auf einer engen Zusammenarbeit mit Experten der jeweiligen Bereiche, den endg\u00fcltigen Beschluss fasst aber immer die Politik. Meine Aufgabe hierbei ist, eine Art Vermittler zu sein, der selbstverst\u00e4ndlich in gewissem Ma\u00dfe in den Themen bewandert sein muss. \u00dcber die L\u00f6sung von wirtschaftlichen Fragen hinaus nahm ich jahrelang von der Herausgabe von B\u00fcchern \u00fcber den Bau von Kapellen bis hin zur Herausgabe von Noten f\u00fcr Blaskapellen an ganz vielen Projekten teil, und all daraus erwarb ich sehr viele Erfahrung. Das ist ein interessantes Spiel, das strategisches Denken erfordert.\u201c<\/p>\n<p><strong>Als Parlamentsabgeordneter<\/strong><\/p>\n<p>\u201eZwischen den M\u00f6glichkeiten eines Sprechers und eines Abgeordneten gibt es gewaltige Unterschiede. Ich selber h\u00e4tte es nie gedacht, dass diese so gro\u00df sind! Als Abgeordneter, als Vorsitzender des Nationalit\u00e4tenausschusses, als Mitglied des Haushalts- und des Hauptausschusses werde ich ernst genommen, ein jeder spricht mit mir auf Augenh\u00f6he. Meine Rolle ist \u00fcbrigens eine ganz spezielle \u2013 der Fall \u201aErster unter den Gleichen\u2018: Ich bin n\u00e4mlich von Parteien unabh\u00e4ngig und vertrete eine Nationalit\u00e4t, und gelte deshalb in manchen F\u00e4llen als beg\u00fcnstigt. Ich glaube, das ist f\u00fcr uns eine riesige Chance. Nat\u00fcrlich sind mit dem Stimmrecht auch gewisse Schwierigkeiten verbunden, die wir allm\u00e4hlich gemeinsam kl\u00e4ren m\u00fcssen. Jedenfalls konnte die deutsche Gemeinschaft darum ein Abgeordnetenmandat erzielen, weil wir trotz unserer unterschiedlichen politischen Ansichten und Meinungen dazu f\u00e4hig waren, uns auf die Angelegenheiten und Interessen unserer Nationalit\u00e4t zu konzentrieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Gewichtigkeit des Stimmrechts<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBereits vor etwa anderthalb Jahren befasste ich mich sehr intensiv mit der strategischen Frage, wie ich von meinem Stimmrecht Gebrauch machen werde. Mit ganz vielen Leuten diskutierte ich auch dar\u00fcber. Im Sommer des vergangenen Jahres formulierten wir schlie\u00dflich das diesbez\u00fcgliche Grundprinzip: Wenn wir die Nationalit\u00e4tenpolitik der jeweiligen Regierung f\u00fcr korrekt halten, werde ich in allen weiteren Angelegenheiten im Sinne der Regierung stimmen. Wenn jedoch die Nationalit\u00e4tenpolitik der Regierung nicht unseren finanziellen und sonstigen Erwartungen entspricht, zwingt uns die Regierung selber, in die Opposition zu treten. Dies haben wir \u00fcbrigens auch vor der LdU-Vollversammlung artikuliert. Damit die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und ihre Organisationen nicht gezwungen werden, wegen die Gesellschaft teilende Angelegenheiten Entscheidungen zu treffen, die unsere ungarndeutsche Gemeinschaft spalten, muss ich bei den Abstimmungen von dem t\u00e4glichen politischen Gepl\u00e4nkel frei vorgehen. Wenn es bez\u00fcglich der omin\u00f6sen Stop-Soros-Sache und der Verfassungs\u00e4nderung \u2013 die die Nationalit\u00e4ten \u00fcbrigens gar nicht betreffen \u2013 begr\u00fcndete Gegenargumente gegeben h\u00e4tte, mich anders zu verhalten, h\u00e4tte ich eine Ausnahme gemacht. Niemand hatte sich aber gemeldet.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Fidesz-Mitgliedschaft<\/strong><\/p>\n<p>\u201eNoch vor den Parlamentswahlen habe ich meine Parteimitgliedschaft suspendiert, und unl\u00e4ngst trat ich aus Fidesz aus, obwohl die Mitgliedschaft f\u00fcr mich auch bislang nicht von Bedeutung war. Ich bin nat\u00fcrlich immer noch konservativ gesinnt, gl\u00e4ubig, und daran wird sich auch nichts \u00e4ndern, nichtdestotrotz konnte und kann ich mit Menschen mit anderen politischen Einstellungen zusammenarbeiten. Ich wollte \u00fcbrigens nie irgendeiner Partei beitreten. Ich trat damals nur darum Fidesz bei, weil die Partei ausschlie\u00dflich Mitglieder als B\u00fcrgermeisterkandidaten antreten lie\u00df. Dies bedeutete aber auch schon damals nicht, dass ich immer mit allem einverstanden war. Mir waren immer die Interessen meiner Nationalit\u00e4t am wichtigsten. Es kam auch schon fr\u00fcher mehrere Male vor, dass ich jene Ansichten von Fidesz, die die Interessen der Nationalit\u00e4ten verletzten, auch \u00f6ffentlich kritisierte. Man wollte mich sogar von der Partei ausschlie\u00dfen. Ich bin zwar der Meinung, dass es zwischen der Suspension der Parteimitgliedschaft und dem Austreten keinen wesentlichen Unterschied gibt, bin ich nun auch formell ausgetreten, um auch dadurch zu demonstrieren: f\u00fcr mich ist meine ungarndeutsche Identit\u00e4t das einzig wichtige Ma\u00df.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach vier Jahren Dienst als Parlamentssprecher setzt sich Emmerich Ritter seit den Parlamentswahlen 2018 als Abgeordneter f\u00fcr die Interessen der Ungarndeutschen ein. Sein Mandat erhielt er als Spitzenkandidat der Landesliste der LdU. 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