{"id":52686,"date":"2020-02-02T08:50:03","date_gmt":"2020-02-02T07:50:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=52686"},"modified":"2020-02-02T08:51:00","modified_gmt":"2020-02-02T07:51:00","slug":"worte-muss-man-rechtzeitig-horen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2020\/02\/worte-muss-man-rechtzeitig-horen\/","title":{"rendered":"Worte muss man rechtzeitig h\u00f6ren&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Worte muss man rechtzeitig h\u00f6ren, <\/strong><br \/>\n<strong>damit man bei Taten nicht wieder wegschaut!<\/strong><\/p>\n<p>Gerade am Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen, am 19. Januar, kam es in der Sendung \u201eHaj\u00f3napl\u00f3\u201c der Pet\u0151fi-Literaturagentur zu h\u00f6hnischen \u00c4u\u00dferungen bez\u00fcglich der teils planm\u00e4\u00dfigen Ausl\u00f6schung der Schlesiendeutschen. Eine nicht gerade ruhmreiche Erw\u00e4hnung fand aber auch das Ungarndeutschtum. Ger\u00fchmt wurde von den Teilnehmern Ilja Ehrenburg, der 1942 schrieb: \u201e\u2026Wenn du einen Deutschen get\u00f6tet hast, t\u00f6te noch einen \u2013 es gibt f\u00fcr uns nichts Lustigeres, als deutsche Leichen. Z\u00e4hle nicht die Tage. Z\u00e4hle nicht die Kilometer. Z\u00e4hle nur eins: die von dir get\u00f6teten Deutschen. T\u00f6te den Deutschen! \u2013 das bittet die alte Mutter. T\u00f6te den Deutschen! \u2013 das fleht das Kind. T\u00f6te den Deutschen! \u2013 das ruft die Heimaterde. Verfehle nicht das Ziel. Lass ihn nicht entgehen. T\u00f6te!\u201c \u2013Die Lustigtuer von \u201eHaj\u00f3napl\u00f3\u201c vertraten sogar die Meinung, dass weil NKWD-Chef Berija Ehrenburgs Bestrebung verhindert hat, Berija zu Recht hingerichtet worden war, denn \u2013 so einer aus der Runde: \u201e\u2026die Liquidierung des gesamten deutschen Volkes h\u00e4tte zur Friedenssicherung in Europa enorm beigetragen\u201c.<\/p>\n<p>Angesprochen worden sind auch die Ungarndeutschen, die in vielerlei Hinsicht zu Ungarn geworden seien, man sollte jedoch einen Unterschied zwischen Ungarndeutschen und Bundesdeutschen machen: der eine sei wei\u00dfer Hautfarbe, der andere nicht mehr so\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wenn es hei\u00dft, ausrotten.<\/strong><br \/>\n<strong> Oder: die Genossen von Ilja Ehrenburg<\/strong><\/p>\n<p>Was sind Worte wert? Ist es private Meinung, sich \u00fcber Tod, \u00fcber Volksvernichtung lustig zu machen? Soll man sich dagegen nicht wehren: das WORT dagegen nicht erheben? Darf man unbescholten mitlachen, wenn es um Leid, Elend und Massent\u00f6tung geht? Und wo beginnt die Hetze, der abwegige Hintergrund, das ideologische Ziel? Ab welchem Punkt ist eine Gesellschaft soweit abgeh\u00e4rtet, dass man vor seinen Augen Menschen unter dem Vorwand erschlagen kann, dass die betroffenen nur Roma\u2026, Juden\u2026, Schlesier\u2026 Schwaben\u2026waren???<\/p>\n<p>Worte sind der erste Schritt auf dem Weg zu b\u00f6sen Taten. Wenn man die Hemmung loswird, sich \u00fcber Massenmord \u201elustig\u201c zu machen \u2013 noch dazu \u00f6ffentlich \u2013, so sind Tabus gebrochen, aber auch Tatbest\u00e4nde erf\u00fcllt. Worte sind nicht minder scharf als Messer, nicht minder hart als Wurfsteine, sie sind nicht weniger verletzend als Kugeln aus dem Gewehr. Der erste, aber auch der entscheidende Schritt zu jeglicher Untat ist immer das Wort.<br \/>\nEine Gesellschaft darf nicht derma\u00dfen abh\u00e4rten, dass sie gel\u00e4hmt ist, Elemente aus ihren Kreisen auszugrenzen, die Unworte in den Raum stellen. Wenn gegen Menschenverachtung nur das schamvolle Schweigen herrscht, folgen schamlose Taten!<\/p>\n<p>Was muss geschehen, wenn Worte, die zum Himmel schreien, keine donnernde Emp\u00f6rung mehr finden?! Will man es im Herzen Europas dulden, dass man T\u00f6tungsparolen kabarettf\u00e4hig macht? Dass man R\u00e4ume daf\u00fcr schafft, sich \u00f6ffentlich \u00fcber Massenmord lustig zu machen?<\/p>\n<p>Wer muss sich dazu \u00e4u\u00dfern? Alle zusammen: denke ich \u2013 hoffe ich. Sonst erlischt das gute Wort und es erlischt die Humanit\u00e4t. Worte muss man rechtzeitig h\u00f6ren, damit man bei Taten nicht wieder wegschaut!<\/p>\n<p><em>Robert Becker<\/em><\/p>\n<p>\u3030\u3030\u3030\u3030\u3030<\/p>\n<p>Ihre Entr\u00fcstung brachten Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, und Emmerich Ritter, ungarndeutscher Parlamentsabgeordneter, zum Ausdruck, dass am Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen in der Sendung \u201eHaj\u00f3napl\u00f3\u201c der Pet\u0151fi-Literaturagentur Ungarndeutsche schockierende und beleidigende Gedanken formuliert wurden. Die Parlamentsabgeordneten Koloman Brenner und L\u00e1szl\u00f3 L\u00f3r\u00e1nt Keresztes k\u00fcndigten rechtliche Schritte an.<\/p>\n<p><em>Erschienen in: Neue Zeitung, 05\/2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worte muss man rechtzeitig h\u00f6ren, damit man bei Taten nicht wieder wegschaut! Gerade am Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen, am 19. 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