{"id":54794,"date":"2020-06-12T15:48:56","date_gmt":"2020-06-12T13:48:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=54794"},"modified":"2020-06-12T16:26:28","modified_gmt":"2020-06-12T14:26:28","slug":"deutsche-als-geburtsvater-der-ungarischen-finnougristik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2020\/06\/deutsche-als-geburtsvater-der-ungarischen-finnougristik\/","title":{"rendered":"Deutsche als Geburtsv\u00e4ter der ungarischen Finnougristik"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt;\u00a0<a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p>Neben Englisch und Franz\u00f6sisch war Deutsch im 19. und sogar noch in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhundert einer der weltweit f\u00fchrenden Wissenschaftssprachen. Daf\u00fcr war dem deutsch-j\u00fcdischen Intelligenz zu danken, wobei zahlreiche Erfindungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wie auch die\u00a0 Relativit\u00e4tstheorie von Einstein im deutschsprachigen Raum entstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/relativitas.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-54776\" title=\"Einsteins Relativit\u00e4tstheorie (Foto: bild.de)\" alt=\"relativitas\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/relativitas-510x287.jpg\" width=\"510\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/relativitas-510x287.jpg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/relativitas.jpg 993w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieses galt auch f\u00fcr die Sprachwissenschaft. Linguisten, wie Wilhelm von Humboldt, die Br\u00fcder Grimm oder Franz Bopp hatten wesentlich zur Entwicklung dieser Wissenschaft beigetragen. Im Jahr 1816 erschien Bopps bahnbrechende Arbeit <i>\u00dcber das Conjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache. <\/i>Somit gilt dieses als Geburtsjahr der Indorgermanistik, zugleich war er der Begr\u00fcnder der vergleichenden Sprachwissenschaft. Die Stammbaumtheorie, die die Sprachen der Welt 1853 in Sprachfamilien einordnete, ist dem deutschen Sprachwissenschaftler August Schleicher zu verdanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Old-World-Languages-c-Min.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-54781\" title=\"Sprachfamilien (Foto: weltenbau-wissen.de)\" alt=\"Old-World-Languages-c-Min\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Old-World-Languages-c-Min-354x500.jpg\" width=\"354\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Old-World-Languages-c-Min-354x500.jpg 354w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Old-World-Languages-c-Min.jpg 474w\" sizes=\"auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Zeit der Ansiedlung der Deutschen in Ungarn war l\u00e4ngst vorbei, die Bestrebungen des ungarischen Sprachnationalismus entfaltete sich damals in immer gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df, als vor genau 184 Jahren mehrere hundert Kilometer entfernt auf deutschem Boden jemand geboren ist, der sp\u00e4ter als einer der gr\u00f6\u00dften ungarischen Sprachforscher galt. Wir schreiben das Jahr 1836 als Josef Budenz am 13. Juni in Rasdorf, in der N\u00e4he von Fulda \u2013 in einer der Herkunftsgebieten der Ahnen von vieler Ungarndeutschen \u2013 geboren ist. Er war der vierte Sohn des \u00f6rtlichen Lehrers. Sein Talent zum Lernen wurde fr\u00fch erkannt, so wurde er zum Weiterlernen angespornt und wurde gleich nach seiner Aufnahme ins Gymnasium in Fulda in die dritte Klasse versetzt. 1855 studiert er schon in Marburg, und im darauffolgenden Jahr an der Universit\u00e4t in G\u00f6ttingen, wo er sich dem Thema Indogermanistik mit dem Schwerpunkt indogermanischer Sprachvergleichsforschung\u00a0widmete. Er war erst 22 Jahre alt, als er bereits nach drei Jahren 1858 promovierte. W\u00e4hrend seiner Studien in G\u00f6ttingen lernte er unter Anderem seinen ungarischen Studienkameraden, den Theologen Lajos Nagy kennen, mit dem er in einem Haus wohnte und mit dem er Freundschaft schloss. Auf seine Wirkung wandte er sich auch der Erforschung der ungarischen Sprache zu. Damals war er sich noch Sicher, dass die ungarische Sprache mit dem T\u00fcrkischen verwandt ist. Noch im selben Jahr entschied er sich nach Ungarn zu kommen. Dabei verhalf ihn sein Theologenfreund, der inzwischen nach Ungarn zur\u00fcckkehrte. Nagy machte auf den 22-j\u00e4hrigen jungen deutschen Linguist den Zipser Sachsen Paul Hunfalvy\u00a0 (magyarisiert aus Hunsdorfer) aufmerksam.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Hunfalvy_P\u00e1l_Ellinger-m\u00e1solat-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-54780\" title=\"Port\u00e4t und Unterschrift von P\u00e1l Hunfalvy (1810\u20131891) Sprachwissenschaftler, Ethnologe, Geschichtsschreiben, Akademiker um 1880 (Foto: Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften)\" alt=\"Hunfalvy_P\u00e1l_Ellinger m\u00e1solat (1)\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Hunfalvy_P\u00e1l_Ellinger-m\u00e1solat-1-362x500.jpg\" width=\"362\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Hunfalvy_P\u00e1l_Ellinger-m\u00e1solat-1-362x500.jpg 362w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Hunfalvy_P\u00e1l_Ellinger-m\u00e1solat-1.jpg 453w\" sizes=\"auto, (max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hunfalvy \u2013 wie die meisten seiner Zeitgenossen als Deutscher in Ungarn \u2013 erlernte erst w\u00e4hrend seines Studiums die ungarische Sprache. Er hat sich aufgrund der Ungarischen Nationalbewegungen als Ungar bekannt und sein Wirken ab der 1840er Jahren der ungarischen Sprachwissenschaft gewidmet. 1856 gr\u00fcndete er die erste ungarische sprachwissenschaftliche Zeitschrift <i>Magyar Nyelv\u00e9szet <\/i>(Ungarische Sprachwissenschaft) und sp\u00e4ter die <i>Nyelvtudom\u00e1nyi K\u00f6zlem\u00e9nyek<\/i><i> <\/i>(Sprachwissenschaftliche Mitteilungen), in denen auch Budenz seine ungarisch erfasste Abhandlungen ver\u00f6ffentlichte. Als auf seine Einladung der junge Budenz 1858 ankam, war Hunfalvy schon ordentliches Mitglied der Ungarischer Akademie der Wissenschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Budenz_J\u00f3zsef_fotogr\u00e1fia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-54779\" title=\"Josef Budenz (1836-1892). Fotografie nach 1880 (Foto: wikipedia.org)\" alt=\"Budenz_J\u00f3zsef_fotogr\u00e1fia\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Budenz_J\u00f3zsef_fotogr\u00e1fia-396x500.jpg\" width=\"396\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Budenz_J\u00f3zsef_fotogr\u00e1fia-396x500.jpg 396w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Budenz_J\u00f3zsef_fotogr\u00e1fia.jpg 476w\" sizes=\"auto, (max-width: 396px) 100vw, 396px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Budenz war bestrebt die ungarische Sprache so gut wie m\u00f6glich zu erlernen, zu jener Zeit konnten aber die Meisten in der Hauptstadt deutsch, und als es bemerkt wurde, dass er die Sprache noch nicht so gut beherrscht, wechselten sie gleich auf Deutsch um. So ging er f\u00fcr ein paar Monate nach Debrezin, dort erlernte er die Sprache und entschied sich auch in Ungarn zu bleiben. Noch 1858 wurde er Lehrer f\u00fcr Latein, Griechisch und Deutsch am Zisterziensergymnasium in Stuhlwei\u00dfenburg. Inzwischen hat er die ungarische Sprache so gut erlernt, dass er ungarisch in der Zeitschrift <i>Magyar Nyelv\u00e9szet <\/i>publizierte. 1861 erhielt er durch die Vermittlung von Hunfalvy eine Anstellung in der Akademiebibliothek in Pesth und wurde korrespondierendes Mitglied der Akademie. Damals war er noch der Meinung, dass sich die ungarische Sprache zwischen den finno-ugrischen und t\u00fcrkischen Sprachen befindet, aber eher mit den t\u00fcrkischen Sprachen verwandt ist. Noch in den 1860-er Jahren besch\u00e4ftigte er sich zusammen mit Hunfalvy mit den gesammelten wissenschaftlichen Materialien aus dem Nachlass von Antal Reguly, weswegen er seine Ansicht \u00e4nderte, und zu der Schlussfolgerung kam, dass die ungarische Sprache zur Ugrischen Sprachfamilie geh\u00f6rt. 1871 wurde er ordentliches Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und ab 1872 bekleidete er die erste Universit\u00e4tsprofessur f\u00fcr finno-ugrische Sprachwissenschaft in Europa. In den 1870-80-er Jahren beteiligte er sich gemeinsam mit Hunfalvy am \u201eugrisch-t\u00fcrkischen\u201d Krieg gegen seiner einstigen Freund Armin V\u00e1mb\u00e9ry und seine Anh\u00e4nger. Letztere wollten die t\u00fcrkische Sprachverwandtschaft der ungarischen Sprache beweisen. Wie es heute bekannt ist, gelang den beiden \u201eDeutschungaren\u201d letztlich die Stellung der ungarischen Sprache unter den finno-ugrischen Sprachen zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Uralic_languages_hu.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-54797\" title=\"Geografische Ausbreitung der finno-ugrischen Sprachen (Foto: wikipedia.org)\" alt=\"Uralic_languages_hu\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Uralic_languages_hu-510x375.jpg\" width=\"510\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Uralic_languages_hu-510x375.jpg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Uralic_languages_hu.jpg 911w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Er schaffte es mit Hunfalyv die ungarische Sprachwissenschaft auf europ\u00e4isches Niveau zu bringen und eine Reihe von anerkannten Finnougristen auszubilden. Er redigierte ab 1878 die von Hunfalvy \u00fcbernommene <i>Nyelvtudom\u00e1nyi K\u00f6zlem\u00e9nyek<\/i> bis 1892 als er in Budapest starb.<\/p>\n<p><i>N\u00e1ndor\u00a0<i>Frei<\/i><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 184 Jahren am 13. 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