{"id":57551,"date":"2021-01-22T10:45:08","date_gmt":"2021-01-22T09:45:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=57551"},"modified":"2021-01-22T13:19:59","modified_gmt":"2021-01-22T12:19:59","slug":"dr-maria-erb-mit-dem-preis-fur-die-nationalitaten-ausgezeichnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2021\/01\/dr-maria-erb-mit-dem-preis-fur-die-nationalitaten-ausgezeichnet\/","title":{"rendered":"Dr. Maria Erb mit dem Preis \u201eF\u00fcr die Nationalit\u00e4ten\u201c ausgezeichnet"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die ungarndeutsche P\u00e4dagogin und Forscherin im Interview<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/141396199_2843569689236799_6629254757530579038_o.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-57553 aligncenter\" title=\"Dr. Maria Erb\" alt=\"141396199_2843569689236799_6629254757530579038_o\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/141396199_2843569689236799_6629254757530579038_o-510x382.jpeg\" width=\"510\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/141396199_2843569689236799_6629254757530579038_o-510x382.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/141396199_2843569689236799_6629254757530579038_o.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Dr. Maria Erb, habilitierte Universit\u00e4tsdozentin, Leiterin des Ungarndeutschen Forschungszentrums stammt aus Wemend und lebt in Budapest. Sie erwarb ihren Abschluss in Geschichte und Germanistik an der E\u00f6tv\u00f6s-Lor\u00e1nd-Universit\u00e4t. Seit 2007 ist sie Leiterin des Ungarndeutschen Forschungszentrums und die Verantwortliche f\u00fcr die F\u00e4cher Deutsch als Minderheitensprache am Germanistischen Institut der ELTE. Sie ist (Mit)Autorin des Ungarndeutschen Sprachatlasses (UDSA), Mitglied der Vollversammlung und des Bildungsausschlusses der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Im Jahr 2012 erhielt sie die h\u00f6chste Auszeichnung der LdU, die Ehrennadel in Gold f\u00fcr das Ungarndeutschtum. Sie war Fachexpertin der ungarndeutschen Ortslehrpfade in Feked, Tarian und Tscholnok und Projektleiterin des Ungarndeutschen Landeslehrpfades in Baja. Neben der Lehre h\u00e4lt sie regelm\u00e4\u00dfig Vortr\u00e4ge und publiziert in unterschiedlichen Formaten. Der Preis \u201eF\u00fcr die Nationalit\u00e4ten 2020\u201c ist die erste staatliche Auszeichnung der P\u00e4dagogin und Forscherin.<\/em><\/p>\n<p><strong>Durch die Gemeinschaft stark<\/strong><\/p>\n<p>Die Auszeichnung bedeutet f\u00fcr mich sehr viel. Genauso, wie die Ehrennadel 2012. Wer mich kennt, der wei\u00df, ich w\u00fcrde meine Arbeit auch ohne Auszeichnungen genauso machen: daf\u00fcr sind meine Verbundenheit mit dem Ungarndeutschtum viel zu eng und mein Verantwortungsgef\u00fchl f\u00fcr unsere Zukunft viel zu gro\u00df. Diese Grundhaltung sollte auch mein \u201eWahlspruch\u201c 2019 zum Ausdruck bringen: \u201eWenn man von einer Gemeinschaft so viel bekommen hat, steht man in der Pflicht, ihr zu dienen: mit dem Kopf und mit dem Herzen.\u201c Es tut aber sehr gut, dass die Arbeit, die man seit vielen Jahren verrichtet \u2013 bei mir sind es gerade 35 Jahre, in denen ich in diesem Bereich t\u00e4tig bin \u2013 als Zeichen der Wertsch\u00e4tzung in Form einer Auszeichnung anerkannt wird.<br \/>\nEs sind aber nicht nur meine Verdienste, die jetzt durch diesen Preis gew\u00fcrdigt wurden, es haben viele einen Anteil daran, denen ich zum Dank verpflichtet bin: Allen voran meinen Eltern, die durch ihr pers\u00f6nliches Beispiel mich grunds\u00e4tzlich gepr\u00e4gt haben, ohne sie w\u00e4re ich nicht dort, wo ich heute bin. Zugleich danke ich auch meinem Mann, der mich von Anfang an in jeder Hinsicht unterst\u00fctzt und bei weitem nicht zuletzt den vielen Ungarndeutschen vor Ort, die mich immer herzlich empfangen, mir ihre Zeit und ihr Vertrauen schenken, meine Fragen beantworten, Einblicke in ihr Leben gew\u00e4hren, mich durch Heimatmuseen, Kirchen und Kirchh\u00f6fe f\u00fchren. Ich m\u00f6chte mich auch auf diesem Wege bei allen bedanken, die mir bisher geholfen haben und freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit.<\/p>\n<p><strong>\u201eMein wertvollstes Erbe ist die Sprache\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ich stamme aus Wemend, meine Motivation bringe ich von zu Hause mit, somit ist diese eine sehr pers\u00f6nliche. Ich hatte eine sehr beh\u00fctete, sch\u00f6ne Kindheit, mein Vater und meine Mutter waren einzigartige Menschen, von ihnen habe ich Haltung, Grundwerte und Prinzipien mit auf den Weg bekommen, nach denen ich bis heute lebe. Mein wertvollstes Erbe ist meine Muttersprache, der Dialekt. Ich hatte das Gl\u00fcck, in einer Drei-Generationen-Familie aufzuwachsen, bei uns daheim gab es nur deutsches Wort. Meine Oma v\u00e4terlicherseits, die Resi Oma, konnte \u00fcberhaupt kein Ungarisch, von ihr habe ich Spr\u00fcche, Reime, Lieder gelernt. Ich kam ganz ohne Ungarisch-Kenntnisse in den Kindergarten, heute leider unvorstellbar. Die Werte, die Normen, die Identit\u00e4t und diese Verbundenheit, sind es, worauf ich sehr deutlich aufbauen kann. Von dieser festen Basis zehre ich bis zum heutigen Tag.<\/p>\n<p><strong>Schon viel geschafft, aber noch viel vor<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man im Hochschulwesen arbeitet, gibt es bestimmte Qualifikationen wie die Promotion, die Habilitation, die als Meilensteine im wissenschaftlichen Werdegang gelten. Nicht unabh\u00e4ngig von diesen haben nat\u00fcrlich auch die Publikationen einen hohen Stellenwert. Ich erinnere mich sehr gerne an das Erscheinen vom ersten und zweiten Halbband des Ungarndeutschen Sprachatlasses, oder an meine Monographie \u00fcber die ungarischen Lehnw\u00f6rter in unseren Dialekten. Ein ganz besonderer Moment f\u00fcr mich und f\u00fcr die Mitherausgeberin Maria Wolfart war aber auch, als wir den druckfrischen Valeria-Koch-Gedenkband in der Hand hielten. Wichtig war auch die \u00dcbergabe der drei Ortslehrpfade, die ich fachlich begleitet habe, es war sehr bewegend, die Freude und den Stolz der lokalen Gemeinschaft mitzuerleben. Nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf selbstverst\u00e4ndlich der Landeslehrpfad, ich werde nie vergessen, wie wir mit Maria Frey uns ganz spontan um den Hals fielen, als wir die Stationen in echt das erste Mal sahen.<br \/>\nZur Fertigstellung solcher Projekte f\u00fchrt ein langer Weg der Datenerfassung. Mir bereiten Recherchen vor Ort \u2013 neben ihrem wissenschaftlichen Ertrag \u2013 bis heute unsagbar viel Freude, es sind scheinbar kleine, dennoch sehr wichtige Gl\u00fccksmomente f\u00fcr mich, die ich nicht missen m\u00f6chte: So z. B. wenn ich an einem Vertreibungsdenkmal ein von mir bisher nicht dokumentiertes Motiv, an einem Wandsch\u00fctzer einen neuen Spruch oder an einem Grabstein eine Inschrift entdecke \u2013, um nur einige zu nennen. Eine ganz besondere Bedeutung bei der Feldarbeit haben f\u00fcr mich die Gespr\u00e4che mit Ortseins\u00e4ssigen, insbesondere, wenn die Unterhaltung im Dialekt verl\u00e4uft.<br \/>\nIch bin aber nicht nur Wissenschaftlerin, sondern auch P\u00e4dagogin. Dieser Teil meines Jobs ist f\u00fcr mich nicht minder wichtig, denn wir alle tragen im Hochschulwesen eine gro\u00dfe Verantwortung, was die Herausbildung von qualifizierten, engagierten P\u00e4dagogen und einer ungarndeutschen Intelligenz anbelangt. Die Studenten geh\u00f6ren \u2013 aus bekannten Gr\u00fcnden \u2013 leider nicht mehr zur \u201eErlebnisgeneration\u201c. Deshalb finde ich es besonders wichtig, dass in ihrer Ausbildung, neben der faktischen Wissensvermittlung, auch der Praxis eine bedeutende Rolle zukommt, z. B. in Form von ausgelagerten Projekttagen, Ausfl\u00fcgen, Institutsbesuchen.<br \/>\nMeine letzten beiden langatmigen Projekte \u2013 der Valeria-Koch-Gedenkband und der Landeslehrpfad \u2013 wurden 2020 abgeschlossen. Das erm\u00f6glicht mir, mich in der n\u00e4chsten Zeit Themen zu widmen, zu denen ich bereits eine Menge \u201eRohdaten\u201c zusammengetragen habe. Diese m\u00f6chte ich nun auswerten, analysieren und publizieren. Ich befasse mich seit Jahren mit unserer Erinnerungskultur, insbesondere mit ihrer Manifestierung des kulturellen und des kommunikativen Ged\u00e4chtnisses in Form von Denkm\u00e4lern und Gedenktafeln. Diese Abdr\u00fccke der Geschichte und des Schicksals im \u00f6ffentlichen Raum entstehen ab der zweiten H\u00e4lfte der 1990er Jahre und sind typischer weise der Ansiedlung, der Verschleppung und der Vertreibung gewidmet. Sowohl ihre Motive und ihre Formsprache als auch ihre Inschriften liefern vielf\u00e4ltige, und \u2013 davon bin ich \u00fcberzeugt \u2013 wichtige und neue Erkenntnisse. So kann z.B. eine Transformation bzw. ein Statuszuwachs der Ulmer Schachtel festgestellt werden, wie ich dies in meiner unl\u00e4ngst erschienenen Studie \u00fcber die Ansiedlungsdenkm\u00e4ler auch ausgef\u00fchrt habe.<br \/>\nVon meinen laufenden Projekten m\u00f6chte ich nur noch eins erw\u00e4hnen, f\u00fcr ihre Hilfe gehen Dankesworte an Kati Berek. Bereits 2017 machte ich Interviews mit an die 25 Frauen aus den Komitaten Branau, Tolnau und Naurad, die die Tracht auch damals noch als Alltagskleidung trugen, ich sprach aber auch mit Frauen, die die Tracht abgelegt hatten. Ich bekam differenzierte und aufschlussreiche Informationen \u00fcber Gr\u00fcnde, Zw\u00e4nge und Umst\u00e4nde ihrer Entscheidung f\u00fcr oder gegen die Tracht, aber auch zum Stellenwert der Tracht als lokales Identifikationsmerkmal. Ich hoffe, ich kann in n\u00e4chster Zeit auch diese Daten auswerten.<\/p>\n<p><strong>\u201eEs liegt an uns allen, wie es weitergeht\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg ist vieles verloren gegangen, so manches leider unwiderruflich. Umso gr\u00f6\u00dfer ist unsere Verantwortung sowohl individuell als auch kollektiv. Wir stehen einerseits in der Pflicht von vielen Vorg\u00e4ngergenerationen, all das an Sprache und Kultur zu bewahren, zu st\u00e4rken, ja, auch neu zu beleben, was f\u00fcr sie so nat\u00fcrlich und selbstverst\u00e4ndlich war. Andererseits tragen wir auch f\u00fcr die kommenden Generationen die Verantwortung \u201edamit es weitergeht\u2026\u201c. Es liegt jetzt an uns. Sich pers\u00f6nlich engagieren, mit gutem Beispiel vorangehen waren vielleicht noch nie so wichtig. Und noch etwas: aus der Gemeinschaft, aus dem Miteinander geht eine ungeheure Kraft aus. In j\u00fcngster Vergangenheit konnte ich zu meiner gro\u00dfen Freude feststellen, dass in unsere Siedlungen Leben eingekehrt ist, eine Art Neubelebung, R\u00fcckbesinnung stattfindet. Das sieht man an den zahlreichen Programmen, Aktivit\u00e4ten und verschiedenen Initiativen wie Restaurierung des baulichen und sakralen Kulturerbes, Zusammenstellung von Mundartw\u00f6rterb\u00fcchern, zweisprachige Stra\u00dfenschilder, Revitalisierung von Br\u00e4uchen oder Festivals. Wenn meine Forschungen und Vortr\u00e4ge, meine Expertisen und Ratschl\u00e4ge dazu beitragen, all dies noch weiter auszubauen, das gibt meiner T\u00e4tigkeit immer wieder einen Sinn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ungarndeutsche P\u00e4dagogin und Forscherin im Interview.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"aside","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[578,91],"tags":[312,313,425,369,311,392,531,74,444],"class_list":{"0":"post-57551","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-aside","6":"category-default-de","7":"category-nachrichten","8":"tag-auszeichnung","9":"tag-bildung","10":"tag-elte-de","11":"tag-forschung","12":"tag-ldu","13":"tag-nationalitatenpreis","14":"tag-padagoge","15":"tag-preis","16":"tag-universitat","17":"post_format-post-format-aside"},"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57551"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57555,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57551\/revisions\/57555"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}