{"id":58149,"date":"2021-03-26T08:39:42","date_gmt":"2021-03-26T07:39:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=58149"},"modified":"2021-03-26T08:39:42","modified_gmt":"2021-03-26T07:39:42","slug":"standardwerk-zur-ungarndeutschen-musikgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2021\/03\/standardwerk-zur-ungarndeutschen-musikgeschichte\/","title":{"rendered":"Standardwerk zur ungarndeutschen Musikgeschichte"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p>Aus Peter K\u00f6nig wurde Kir\u00e1ly P\u00e9ter, und Karl Huber hie\u00df pl\u00f6tzlich Hubay K\u00e1roly. Die ethnische und damit auch kulturelle und musikalische Identit\u00e4t der Ungarndeutschen ist deutlich schwerer zu fassen als die der Siebenb\u00fcrger Sachsen oder Banater Schwaben. Der aus dem Banat stammende M\u00fcnchner Musikwissenschaftler, Musikverleger und Kirchenmusiker Dr. Franz Metz erforscht seit Jahrzehnten die in ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit lange vergessene Musikkultur der Donauschwaben\/Ungarndeutschen. Nun hat er auf \u00fcber 500 Seiten eine wertvolle Synopse bisheriger Arbeiten vorgelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Mit-frohem-Herzen-will-ich-singen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-58154 aligncenter\" title=\"Titelseite des Buches Mit frohem Herzen will ich singen. Zur Musikgeschichte der Ungarndeutschen\" alt=\"Mit frohem Herzen will ich singen\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Mit-frohem-Herzen-will-ich-singen-339x500.jpg\" width=\"339\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Mit-frohem-Herzen-will-ich-singen-339x500.jpg 339w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Mit-frohem-Herzen-will-ich-singen.jpg 678w\" sizes=\"auto, (max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unter dem Titel \u201eMit frohem Herzen will ich singen \u2013 Zur Musikgeschichte der Ungarndeutschen\u201c tr\u00e4gt Metz, Jahrgang 1955, in seinem eigenen Verlag \u201eEdition Musik S\u00fcdost\u201c mit \u00dcbersicht und gro\u00dfem Flei\u00df Informationen und Quellen rund um das deutsche musikalische Leben in Ungarn zusammen. Doch vor welchem Hintergrund spielte sich dieses Leben \u00fcberhaupt ab?<\/p>\n<p>Der Autor nimmt die Musik der deutschen Kolonisten in den Blick, die nach der t\u00fcrkischen Herrschaft Ende des 17. Jahrhunderts ins K\u00f6nigreich Ungarn str\u00f6mten. Sie besiedelten die teils brach liegende pannonische Tiefebene, trugen wesentlich zum raschen Wiederaufbau und zur barocken Bl\u00fcte des Landes bei. Lange existierten deutsche und ungarische Kultur und Musik eintr\u00e4chtig nebeneinander, alle Bewohner verstanden sich als Ungarn. Mit der Revolution 1848 und sp\u00e4testens dem Ausgleich 1867 setzten immer st\u00e4rkere Tendenzen der Magyarisierung ein: Die deutsche Sprache wurde zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und deutsche Namen ins Ungarische \u00fcbertragen, teils aus \u00dcberzeugung, teils unter Zwang. Deutsche Komponisten, etwa Franz Erkel, wurden zu Wegbereitern der ungarischen Nationalmusik. Sp\u00e4testens mit der Vertreibung vieler Ungarndeutschen im Zweiten Weltkrieg und ihrer Verschleppung in die Sowjetunion nach dem Krieg lag die deutsche Kultur vollends am Boden.<\/p>\n<p>Franz Metz, der vermutlich s\u00e4mtliche Kirchb\u00f6den S\u00fcdosteuropas bestiegen und zahllose Orgeln pers\u00f6nlich gespielt hat, widmet sich zun\u00e4chst der Musikgeschichte an den gro\u00dfen Domen in Wesprim (Veszpr\u00e9m), Stuhlwei\u00dfenburg (Sz\u00e9kesfeh\u00e9rv\u00e1r), F\u00fcnfkirchen (P\u00e9cs) und Kalatscha (Kalocsa). Wie die hier abgedruckten Inventare und die gewiss m\u00fchsame Auswertung zahlloser Dokumente deutlich machen, konnte sich in diesen eine bl\u00fchende Musikkultur entwickeln, die wohl nicht ganz an gro\u00dfe europ\u00e4ische Metropolen herankam, aber hinsichtlich ihres Repertoires stets aktuell war.<\/p>\n<p>Die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein dominierende weltliche Pr\u00e4gung der Kirchenmusik treffen wir hier ebenso an wie \u2013 sehr zeitig \u2013 den C\u00e4cilianismus als gro\u00dfe kirchenmusikalische Reform des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts mit seiner Hinwendung zur A-cappella-Kunst der Renaissance. Eine vokalsinfonische Bl\u00fcte wie an den evangelischen Kirchen Siebenb\u00fcrgens war so freilich ausgeschlossen. Aufschlussreiche Artikel aus der katholischen Zeitschrift \u201eMusica Sacra\u201c, dem \u201eZentralorgan\u201c des C\u00e4cilianismus, machen allerdings auch deutlich, dass die Reformbestrebungen in Ungarn nicht selten ins Leere liefen. Oft gab es eine enge Kooperation zwischen b\u00fcrgerlich-st\u00e4dtischer und Kirchenmusik. Die bekanntesten katholischen deutschen Kirchenmusiker in Ungarn waren wohl bis zum fr\u00fchen 19. Jahrhundert Franz Novotny, Franz Krommer und Johann Georg Lickl.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Marjud.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-58150 aligncenter\" title=\"Der Titel des Buches bezieht sich auf das bekannteste Marienlied der Ungarndeutschen \u201eMit frohem Herzen will ich singen\u201c, der auf der Br\u00fcstung der Wallfahrtskirche Marjud von einem Maler verewigt wurde\" alt=\"MINOLTA DIGITAL CAMERA\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Marjud-510x200.jpeg\" width=\"510\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Marjud-510x200.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/Marjud.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein weiteres Kapitel des Buches ist Josef Angster gewidmet, dem wichtigsten ungarischen Orgelbauer, dessen Tagebuch von den Reisen als Geselle durch Europa Franz Metz bereits vor einigen Jahren herausgegeben hat. In Heinrich Weidt (1824-1901) treffen wir auf einen der ersten Kapellmeister des 1852 er\u00f6ffneten deutschen Theaters in Pest. Wie viele deutsche Komponisten war er begeistert von der ungarischen Nationalmusik und wirkte sp\u00e4ter in Temeswar. Der Autor hat etliche seiner Werke zum ersten Mal ediert, ebenso die Kompositionen vieler weiterer ungarndeutscher Meister \u2013 und sie damit ganz aktiv vor dem Vergessen bewahrt. Metz hat zudem zahllose Auff\u00fchrungen initiiert oder selbst geleitet und ist Vorsitzender der Gesellschaft f\u00fcr deutsche Musikkultur im s\u00fcd\u00f6stlichen Europa, bei deren j\u00e4hrlicher Musikwoche ungarndeutsche Werke regelm\u00e4\u00dfig aufgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Doch weiter im vorliegenden Buch: Wir finden weiterhin Biografien von elf Komponisten sowie eigene und historische Beitr\u00e4ge zum deutschen Kirchenlied und zum Volkslied in Ungarn. Interessant ist dabei, dass erst 1937 (wohl mit Unterst\u00fctzung der deutschen Nationalsozialisten) ein ungarndeutsches katholisches Gesangbuch samt Orgelbuch erscheinen konnte \u2013 zu sp\u00e4t, um das deutsche Kirchenlied zu retten. Zuvor wurden kirchliche ebenso wie Volkslieder immer nur m\u00fcndlich oder handschriftlich tradiert, einfach von Kantorlehrern zum Beispiel, aber auch in bedeutenden Sammlungen zum Beispiel in der Region Heideboden in Westungarn.<\/p>\n<p>Die sanglichen und nicht selten leicht sentimentalen Kirchenlieder der Ungarndeutschen sind, das erf\u00e4hrt der Leser auch, in ihrer gro\u00dfen Mehrzahl Marienlieder, die im Gebrauch wie von selbst mit einer \u201eschw\u00e4bischen Terz\u201c versehen wurden. Dazu z\u00e4hlt auch das ungeheuer popul\u00e4re Lied \u201eMit frohem Herzen will ich singen\u201c des 1841 in Gedri (G\u00f6dre) geborenen Kantors Josef Schober. Seine erste Zeile ist zum Titel dieses Buches geworden, das einerseits ein Abgesang auf eine verlorene Kultur ist, andererseits zu ihrer Bewahrung beitr\u00e4gt und auch von Hoffnung machenden Neuanf\u00e4ngen zu berichten wei\u00df, jenseits der volkst\u00fcmlichen Blasmusik: Seit den 1970er Jahren widmete sich die ungarische Musikwissenschaft, namentlich die Forscher B\u00e1rdos Korn\u00e9l und Szigeti Kili\u00e1n, auch dem musikalischen Erbe der Ungarndeutschen. Und l\u00e4ngst gibt es in Ungarn wieder deutsche Zeitungen, deutsche Vereinigungen, ein deutsches Theater \u2013 und deutsche Ch\u00f6re.<\/p>\n<p><em>Johannes Killyen<\/em><\/p>\n<p><em>Erschienen in: Neue Zeitung 13-14\/2021<\/em><\/p>\n<p>\u3030\u3030\u3030\u3030\u3030<\/p>\n<p><strong>Franz Metz<\/strong><br \/>\n<em>Mit frohem Herzen will ich singen. Zur Musikgeschichte der Ungarndeutschen<\/em><br \/>\nEdition Musik S\u00fcdost \u2013 M\u00fcnchen 2020<br \/>\nISBN 978 3 939041 32 0<\/p>\n<p>Bestellungen in Deutschland und \u00d6sterreich bei Dr. Franz Metz: <a href=\"mailto:franzmetz@aol.com\">franzmetz@aol.com<\/a><br \/>\nPreis: 19,50 Euro + Versandkosten<\/p>\n<p>Bestellungen in Ungarn bei der Redaktion Neue Zeitung:<a href=\"mailto: neuezeitung@t-online.hu\"> neuezeitung@t-online.hu<\/a><br \/>\nPreis: 2990 Ft + Postgeb\u00fchr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren? Dr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; Zentrum Facebook-Seite Aus Peter K\u00f6nig wurde Kir\u00e1ly P\u00e9ter, und Karl Huber hie\u00df pl\u00f6tzlich Hubay K\u00e1roly. Die ethnische und damit auch kulturelle und musikalische Identit\u00e4t der Ungarndeutschen ist deutlich schwerer zu fassen als die der Siebenb\u00fcrger Sachsen oder Banater Schwaben. 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