{"id":60921,"date":"2021-10-06T13:45:09","date_gmt":"2021-10-06T11:45:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zentrum.hu\/?p=60921"},"modified":"2021-10-25T11:30:09","modified_gmt":"2021-10-25T09:30:09","slug":"das-vergangene-ist-nicht-tot-es-ist-nicht-einmal-vergangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2021\/10\/das-vergangene-ist-nicht-tot-es-ist-nicht-einmal-vergangen\/","title":{"rendered":"\u201eDas Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen\u201d"},"content":{"rendered":"<h5>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br \/>\nDr\u00fccken auch Sie ein Like auf die \u2013&gt; <a title=\"Ungarndeutsche Nachrichten\" href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/h5>\n<p>Wie geht man im Allgemeinen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit um? Wie wurde und wird heute diese Epoche in der \u00d6ffentlichkeit und auf famili\u00e4rer Ebene in Deutschland interpretiert? Die Aufarbeitung dieser Themen ist auch f\u00fcr uns Ungarndeutsche sehr wichtig, denn zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges und auch folglich waren praktisch alle aus der Volksgruppe auf irgendeine Weise &#8211; denkt man an die kollektive Bestrafung der Volksgruppe &#8211; betroffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20210929_181418.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-60923 aligncenter\" title=\"Zentrum-Direktorin Monika Ambach begr\u00fc\u00dft die G\u00e4ste\" alt=\"20210929_181418\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20210929_181418-510x403.jpeg\" width=\"510\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20210929_181418-510x403.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20210929_181418.jpeg 1264w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es gebe in der Thematik noch vieles aufzuarbeiten und zu erforschen, damit dies erfolgreich erfolgen kann, dazu trage auch der offene Diskurs enorm bei, deutete Monika Ambach, Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek (Zentrum), in ihrer Einf\u00fchrung zu der Veranstaltung am 29. September an. Der Abend in der Reihe <em>Zentrum-Programme im HdU<\/em> kam in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Budapest zustande. Sie begr\u00fc\u00dfte Historikerin Prof. Dr. Dorothee Wierling, die w\u00e4hrend des Abends im Rahmen eines spannenden Vortrags dar\u00fcber erz\u00e4hlte, wie man mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, dem Krieg und dem Holocaust umgegangen ist und heute umgeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMGP1413.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-60924 aligncenter\" title=\"Stefan Brunner, Leiter der Sprachabteilung am Goethe-Institut Budapest\" alt=\"IMGP1413\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMGP1413-510x337.jpeg\" width=\"510\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMGP1413-510x337.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMGP1413.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach ihren Studien und ihrer Promovierung an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum habilitierte die Professorin 2000 an der Universit\u00e4t in Potsdam mit einer Arbeit \u00fcber die erste Nachkriegsgeneration in der DDR. Sie war Mitarbeiterin mehrerer wissenschaftlichen Institute bzw. war an mehreren Universit\u00e4ten in Deutschland und im Ausland t\u00e4tig. Ihre Arbeitsschwerpunkte legte sie auf die Sozial- und Mentalit\u00e4tsgeschichte des 20. Jahrhunderts, die Probleme der Oral History und die Geschlechter- und Generationsgeschichte.<\/p>\n<p>Wierling hob in der Einleitung ihres Vortrags <em>\u201eVergangenheitsbew\u00e4ltigung\u201d. Deutsche Geschichte und Geschichten nach 1945<\/em> hervor, dass der aus den 1980er Jahren stammende Begriff <em>Vergangenheitsbew\u00e4ltigung<\/em> schon an sich problematisch sei. Das Wort <em>Bew\u00e4ltigung<\/em> w\u00fcrde hier andeuten, dass man durch das Eingest\u00e4ndnis historischer Schuld und Anerkennung der Opfer die Vergangenheit neutralisieren k\u00f6nnte und sie wieder gut zu machen w\u00e4re. Demn\u00e4chst er\u00f6rterte die Historikerin, dass sie den Schwerpunkt des Vortrages auf die Geschichte der Westdeutschen in der Bundesrepublik bis 1990 setze und nur gelegentlich auf die Situation der B\u00fcrger in der DDR eingehen w\u00fcrde. Ihr Vortrag beruhte auf drei Voraussetzungen: Erstens sprach sie \u00fcber die Geschichte und nicht \u00fcber die Vergangenheit, wobei sie unter Geschichte eher die Herstellung von Zusammenh\u00e4ngen und die Deutungen versteht und unter Vergangenheit die Abfolge von Ereignissen meint. Zweitens ging sie auf die private Ebene der Geschichtserz\u00e4hlung und nicht auf die abstrakte, \u00f6ffentliche Ebene des Staates ein, die in Geschichtsb\u00fcchern formuliert ist. Drittens unterschied sie drei historische Phasen und damit auch drei Generationen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMGP1435.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-60925 aligncenter\" title=\"Prof. Dr. Dorothee Wierling\" alt=\"IMGP1435\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMGP1435-510x337.jpeg\" width=\"510\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMGP1435-510x337.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/IMGP1435.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der ersten Phase sprach sie \u00fcber die Generation der Mitlebenden, also \u00fcber die zwischen 1945 und 1960 erfolgten (sp\u00e4teren) Interpretationen seitens der Erlebnisgeneration der Hitlerdiktatur. Hierbei hob sie hervor, dass in den 1950er Jahren eine gewisse emotionale K\u00e4lte und ein Mangel an Mitgef\u00fchl seitens der Deutschen gegen\u00fcber den deutschen Fl\u00fcchtlingen aus den ehemaligen Ostgebieten bzw. gegen\u00fcber den Osteurop\u00e4ern und den europ\u00e4ischen Juden vorgeherrscht habe. Die meisten verstanden sich nur als Opfer oder Mitl\u00e4ufer der Diktatur, wobei ca. 20 Prozent der Bev\u00f6lkerung Mitglieder der NSDAP waren. Viele einfache, ehemalige Wehrmacht-Soldaten, wie auch der Vater der Historikerin, erz\u00e4hlten \u00fcber den Krieg als eine Reise nach Polen, Frankreich, in die Sowjetunion etc., die er gl\u00fccklicherweise \u00fcberlebte, wobei er die Schattenseiten des Krieges, das sinnlose T\u00f6ten und Sterben auch nicht verleugnete.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der zweiten Phase, am Ende der 1960er Jahren bis 1989, hat sich vieles ver\u00e4ndert. Infolge des Eichmann-Prozesses 1961 und der drei Jahre sp\u00e4ter darauffolgenden Auschwitzprozesse begann die juristische Aufarbeitung und historische Forschung der industriell betriebenen Massenmorde. Hierbei sei die Generation der Mitlebenden &#8211; also die Eltern der Nachkriegsgeneration &#8211; von letzterer nun als Mitt\u00e4ter, als Mitwisser, im g\u00fcnstigsten Fall als gleichg\u00fcltiger Mitlebender unter Verdacht geraten, so Wierling. Die Generation der Kriegskinder &#8211; zu der auch die Historikerin geh\u00f6rt &#8211; setzte sich mit der NS-Vorgeschichte der Eltern kritisch auseinander. Mit dem offenen Bekenntnis des Schuldes und das Gedenken an die Opfer seien zu den 1980er Jahren die Westdeutschen von dieser Generation laut Wierling als \u201eWeltmeister im Schuld-Bekennen\u201d verwandelt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20210929_182511.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-60926 aligncenter\" title=\"Historikerin Prof. Dr. Dorothee Wierling erz\u00e4hlte dar\u00fcber, wie man mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, dem Krieg und dem Holocaust umgegangen ist und heute umgeht\" alt=\"20210929_182511\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20210929_182511-510x382.jpeg\" width=\"510\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20210929_182511-510x382.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/20210929_182511.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die dritte Phase begann mit der Wiedervereinigung Deutschlands, wobei die inzwischen \u00e4lter gewordenen westdeutschen Kriegskinder ein Bekenntnis zum Schuldbekenntnis seitens der Ostdeutschen sofort verlangten ohne in denen die Opfer des Stalinismus richtig erkannt zu haben. Dazu kam noch eine Selbst-Umdeutung bei vielen seitens der Westdeutschen, als traumatisierte Kriegskinder. Wierling sprach auch \u00fcber die nach 1970 geborenen Generation, die sich als \u201eKriegsenkel\u201c ge\u00e4u\u00dfert haben, bei denen oft das angenommene Auftauchen der genetisch vererbten Kriegstraumen der Gro\u00dfeltern wiederkehren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Professorin schloss ihren Vortrag mit einem Zitat von William Faulkner, das in dem Buch <em>Kindheitsmuster<\/em> von Christa Wolf als Motto zu lesen ist: \u201eDas Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen\u201d.<\/p>\n<p><em>N\u00e1ndor Frei<\/em><\/p>\n<p><em>Fotos: Ludwig Grund<\/em><\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">***<\/h6>\n<p><strong><\/strong><strong>Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe \u00a0<em>Zentrum-Programme im HdU<\/em> statt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Organisiert vom:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>F\u00f6rderer:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Goethe Institut Budapest<\/li>\n<li>Ministerpr\u00e4sidium \u00fcber den Bethlen-G\u00e1bor-Fondsverwalter (NKUL-KP-1-2021\/1-001912)<\/li>\n<li>Landesselbsverwaltung der Ungarndeutschen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/szponzorok_2021-m\u00e1solat-4.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-60392 aligncenter\" alt=\"szponzorok_2021 m\u00e1solat 4\" src=\"http:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/szponzorok_2021-m\u00e1solat-4-510x360.jpeg\" width=\"184\" height=\"130\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/szponzorok_2021-m\u00e1solat-4-510x360.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/szponzorok_2021-m\u00e1solat-4.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie geht man im Allgemeinen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit um? 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