{"id":94730,"date":"2023-08-03T09:39:29","date_gmt":"2023-08-03T07:39:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zentrum.hu\/?p=94730"},"modified":"2023-08-10T19:45:35","modified_gmt":"2023-08-10T17:45:35","slug":"grossangelegtes-projekt-zum-erhalt-ungarndeutschen-kulturguts-wird-fortgesetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/2023\/08\/grossangelegtes-projekt-zum-erhalt-ungarndeutschen-kulturguts-wird-fortgesetzt\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfangelegtes Projekt zum Erhalt ungarndeutschen Kulturguts wird fortgesetzt"},"content":{"rendered":"\n<p><em>M\u00f6chten Sie \u00fcber \u00e4hnliche Themen erfahren?<br>Dr\u00fccken auch Sie einen Like auf die \u2013&gt; <a href=\"http:\/\/facebook.com\/zentrumhu\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zentrum Facebook-Seite<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das W\u00f6rterbuch der ungarndeutschen Mundarten (WUM) ist ein landesweites lexikographisches Projekt,&nbsp;das&nbsp;die Erfassung des Wortschatzes der deutschen&nbsp;Nationalit\u00e4t&nbsp;in Ungarn zum Ziel hat. Verwirklicht wird das Projekt vom Germanistischen Institut der Lor\u00e1nd-E\u00f6tv\u00f6s-Universit\u00e4t (ELTE) in Zusammenarbeit mit der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), durch die Finanzierung des Ungarischen Wissenschaftlichen Fonds (OTKA), au\u00dferdem sind die Fakult\u00e4t f\u00fcr Erzieher- und Grundschullehrerbildung (ELTE T\u00d3K), sowie das Germanistische Institut der Universit\u00e4t P\u00e9cs (PTE) und das Institut f\u00fcr Germanistik der Universit\u00e4t Szeged (SZTE) in die Arbeit eingebunden. Leitende Wissenschaftlerin des WUM-Projekts war in der ersten Phase zwischen 2010-2015 die renommierte ungarndeutsche Germanistin, Prof. Dr. Elisabeth Knipf-Koml\u00f3si (ELTE). Die Leitung der zweiten Phase ab 2023 \u00fcbernahm die ungarndeutsche Sprachwissenschaftlerin Dr. M\u00e1rta M\u00fcller (ELTE).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sprachinselforschung der ungarndeutschen Dialekte geht bereits auf die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zur\u00fcck. Die Wichtigkeit der Kodifizierung des ungarndeutschen Wortschatzes f\u00fchrte erstmals&nbsp;<em>Dr.<\/em>&nbsp;<em>Anton Tafferner<\/em>&nbsp;um 1941 in den wissenschaftlichen Diskurs ein. Sein Gedanke wurde in den 1960er Jahren von&nbsp;<em>Dr.<\/em>&nbsp;<em>Karl Mollay<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Dr. Claus J\u00fcrgen Hutterer<\/em>&nbsp;weitergef\u00fchrt, die bereits die Erstellung einer Datensammlung in Form eines Sprachatlasses nach dem Vorbild von Dialektw\u00f6rterb\u00fcchern im deutschen Sprachraum und die Anlegung eines Tonarchivs forderten.<\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/DrMarta-Mueller_Prof.-Elisabeth-Knipf-Komlosi_FotoTamas-Selmeczi.jpeg\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-94839 size-medium\" title=\"Dr. M\u00e1rta M\u00fcller und Prof. Elisabeth Knipf-Koml\u00f3si (Foto: Tam\u00e1s Selmeczi)\" src=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/DrMarta-Mueller_Prof.-Elisabeth-Knipf-Komlosi_FotoTamas-Selmeczi-510x340.jpeg\" alt=\"\" width=\"510\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/DrMarta-Mueller_Prof.-Elisabeth-Knipf-Komlosi_FotoTamas-Selmeczi-510x340.jpeg 510w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/DrMarta-Mueller_Prof.-Elisabeth-Knipf-Komlosi_FotoTamas-Selmeczi-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.zentrum.hu\/wp-content\/uploads\/DrMarta-Mueller_Prof.-Elisabeth-Knipf-Komlosi_FotoTamas-Selmeczi.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n\n\n<p>Das Sprachatlas-Projekt konnte seitdem bereits verwirklicht werden: Der Ungarndeutsche Sprachatlas* (2008; 2012), Hrsg.&nbsp;<em>Maria Erb, Koloman Brenner, Karl Manherz, Heinrich J. Dingeldein<\/em>, ist bis heute ein unumg\u00e4ngliches Grundwerk f\u00fcr alle, die die ungarndeutschen Dialekte kennenlernen oder erforschen m\u00f6chten.&nbsp;Seine Besonderheit stellt die individuell f\u00fcr das Projekt entwickelte Kartierungsmethode dar, sodass&nbsp;er&nbsp;neben dem sprachwissenschaftlichen Nutzen auch f\u00fcr anderweitige Forschungszwecke unterschiedlicher Wissenschaften gebraucht werden kann,&nbsp;und au\u00dferdem muss auch auf seinen bedeutenden kulturhistorischen Wert hingewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Zeit wurde auch die Dringlichkeit der Erstellung eines umfassenden W\u00f6rterbuchs immer gr\u00f6\u00dfer, da man von einem starken R\u00fcckgang der Dialektkompetenzen der Sprecher ausgehen musste. Mit einer Unterst\u00fctzung des Ungarischen Wissenschaftlichen Fonds (OTKA) konnte mit dem vorgesehenen W\u00f6rterbuchprojekt schlie\u00dflich 2010 begonnen werden. Die Zielsetzung war damals,&nbsp;den Wortschatz jener mittel- und oberdeutschen Siedlungsmundarten zu dokumentieren, die auf dem Gebiet des heutigen Ungarns&nbsp;gesprochen werden. Den Korpus des W\u00f6rterbuchs bildete der vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart gesprochene b\u00e4uerlich-handwerkliche Wortschatz der Ungarndeutschen. An der Datenerhebung der ersten Projektphase zwischen 2010 und 2015 waren&nbsp;<em>Prof. Dr. Elisabeth Knipf-Koml\u00f3si<\/em> (Projektleitung),&nbsp;<em>Dr. Maria Erb<\/em>,&nbsp;<em>Prof.<\/em>&nbsp;<em>Dr. Regina Hessky<\/em>,&nbsp;<em>Dr. \u00c9va M\u00e1rkus<\/em>,&nbsp;<em>Dr. M\u00e1rta M\u00fcller<\/em>&nbsp;(ELTE) und&nbsp;<em>Prof. Dr. Katharina Wild<\/em>&nbsp;(PTE) beteiligt. Als Ergebnis konnten nach einem individuell ausgearbeiteten Kodifizierungsprinzip in der ersten Projektphase um die 800 Probeartikel in die Datenbank aufgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt kam 2023, dank einer bewilligten OTKA-Unterst\u00fctzung, in die zweite Phase. Das Forschungsteam setzt sich auch diesmal aus etablierten Fachleuten mit einem Hintergrund in Dialektologie und Lexikographie sowie Doktoranden zusammen. Die Projektleitung \u00fcbernahmen&nbsp;<em>Dr. Marta M\u00fcller<\/em>&nbsp;und kooptiert&nbsp;<em>Prof. Dr. Elisabeth Knipf-Koml\u00f3si<\/em>. F\u00fcr die unterschiedlichen lexikographischen Bereiche wurden Arbeitsgruppen gegr\u00fcndet. Die erste ist f\u00fcr die Anlegung und Struktur der Datenbank zust\u00e4ndig, beteiligt sind&nbsp;<em>Dr. Marta M\u00fcller<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Prof. Dr. Elisabeth Knipf-Koml\u00f3si<\/em> und Doktorand&nbsp;<em>Istv\u00e1n L\u00e1szl\u00f3 Sz\u00edv\u00f3s<\/em>. Die zweite Arbeitsgruppe ist mit der Bearbeitung der Illustrationsdatenbank beauftragt, Mitarbeitende sind:&nbsp;<em>Dr. \u00c1gnes Horny\u00e1k-Huber<\/em>&nbsp;(ELTE) und&nbsp;<em>Dr. Krisztina Gombk\u00f6t\u0151-Kem\u00e9ny<\/em>&nbsp;(PTE). Die dritte Arbeitsgruppe, bestehend aus&nbsp;<em>Dr. \u00c9va M\u00e1rkus<\/em>&nbsp;(ELTE T\u00d3K) und&nbsp;<em>Dr. G\u00e1bor Kerekes<\/em>&nbsp;(ELTE), ist f\u00fcr die Sammlung und Bearbeitung der literarischen Belege zust\u00e4ndig, au\u00dferdem wirken seitens der Universit\u00e4t Szeged&nbsp;<em>Dr. P\u00e9ter Kappel<\/em>&nbsp;sowie die Doktoranden des&nbsp;Germanistischen Instituts der ELTE&nbsp;<em>Ill\u00e9s Nagy, Vikt\u00f3ria Nagy, Elisabeth Putterer, Gabriella S\u00f3s<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Szimonetta Waldhauser<\/em>&nbsp;bei der Datenverarbeitung mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Ausweitung der Datenerhebung auf Landesebene sichern zu k\u00f6nnen, kam heuer eine Kooperation mit der LdU zustande, die von der LdU-Vorsitzenden&nbsp;<em>Ibolya Hock-Englender<\/em>&nbsp;seit Beginn voll unterst\u00fctzt wird. Mit dem Titel&nbsp;<em>Wort f\u00fcr Wort<\/em>&nbsp;startet demn\u00e4chst ein Aufruf an die deutschen Selbstverwaltungen in Ungarn,&nbsp;der&nbsp;Mitglieder und Sprachinteressierte \u00fcber das Projekt und die Teilnahmem\u00f6glichkeiten informieren wird. Die LdU entwickelt f\u00fcr diesen Zweck eine eigene App, durch die die Teilnehmenden Sprachdaten werden einsenden k\u00f6nnen. Das Projekt zielt nicht nur auf Datenaufnahme ab, die sich registrierenden deutschen Selbstverwaltungen werden ebenfalls von der Zusammenarbeit profitieren: \u201eDie in der App registrierten Sammler der \u00f6rtlichen deutschen Selbstverwaltungen werden zum Schluss alle Daten ihres eigenen Dialekts digital bearbeitet zur\u00fcckerhalten und bekommen somit die M\u00f6glichkeit,&nbsp;eigene, qualitativ hochwertige Ortsw\u00f6rterb\u00fccher herauszugeben\u201d&nbsp;\u2013 teilte Projektleiterin&nbsp;<em>Dr. M\u00e1rta M\u00fcller<\/em>&nbsp;mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das WUM ist zweifelsohne eines der einzigartigsten Sprachprojekte in der ungarndeutschen Wissenschaftlichkeit, da einerseits die Dokumentierung von ungarndeutschen Dialekten wegen des&nbsp;voranschreitenden Sprachverlustes&nbsp;durch die Assimilation eine der wichtigsten Anliegen unserer Zeit ist, andererseits hat es auch zum Ziel, die lexikographische Dokumentation der nur gesprochenen Arealsprachvariet\u00e4ten unter Einbeziehung linguistischer, ethnographischer und kulturgeschichtlicher Daten festzuhalten. Das wertvolle Material, das durch die Zusammenarbeit von Fachexperten und linguistischen Laien zusammengetragen wird, wird neben dem linguistischen Nutzen langfristig als reiche, zuverl\u00e4ssige Quelle f\u00fcr Sprachwissenschaftler, Historiker und Ethnographen sowie auch&nbsp;f\u00fcr&nbsp;P\u00e4dagogen, Studenten, Dialektforscher und allen&nbsp;Sprachinteressenten im In- und Ausland dienen. Hauptziel der gegenw\u00e4rtigen zweiten Projektphase ist die Erstellung eines digitalen W\u00f6rterbuchs in Form einer benutzerfreundlichen Online-Datenbank, die nach Abschluss des Projektes&nbsp;f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gabriella S\u00f3s<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>*Ungarndeutscher Sprachatlas (UDSA) (2008) S\u00fcdungarn. Erster Halbband. Hg. von Maria Erb, Koloman Brenner, und Karl Manherz. Budapest: ELTE Germanistisches Institut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ungarndeutscher Sprachatlas (UDSA) (2012). S\u00fcdungarn. Zweiter Halbband. Hg. von Maria Erb in Zusammenarbeit mit Heinrich J. Dingeldein. Budapest: ELTE Germanistisches Institut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der\u00a0Ungarndeutsche Sprachatlas ist auch <a href=\"https:\/\/bibliothek.hu\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">im Bestand der Ungarndeutschen Bibliothek<\/a> (Dachgeschoss des Hauses der Ungarndeutschen \u2013 1062 Budapest, Lendvay Str. 22.) zu finden!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Leitung der zweiten Phase des Projekts \u201eW\u00f6rterbuch der ungarndeutschen Mundarten\u201d \u00fcbernahm Sprachwissenschaftlerin Dr. M\u00e1rta M\u00fcller.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":94838,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[92],"tags":[1111,369,1288,432,1021,800],"class_list":{"0":"post-94730","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-schnellnachrichten","8":"tag-dialekt","9":"tag-forschung","10":"tag-minderheitenforschung","11":"tag-sammlung","12":"tag-sprachunterricht","13":"tag-worterbuch"},"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94730","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94730"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94730\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":94944,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94730\/revisions\/94944"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/94838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=94730"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zentrum.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=94730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}