Alles ist dort geblieben

Quelle: Zentrum

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Die am ersten Dezember im Rahmen der Zentrum-Programme im HdU organisierte Veranstaltung fand zwar zu einem ungewohnten Zeitpunkt, am Donnerstag um 19 Uhr statt, aber Dank der interessanten Themen kamen am Abend viele Gäste, um die sich den deutschen Minderheiten gewidmete Ausgabe der Zeitschrift Pro Minoritate kennenzulernen und eine außergewöhnliche Fotoausstellung zu besichtigen.

Monika Ambach, die Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek begrüßte das Publikum. Sie hob hervor, dass der Abend in Zusammenarbeit mit dem Balassi Institut in Bukarest und dem Stiftungslehrstuhl für Deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Fünfkirchen das Publikum realisiert werden konnte.

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Danach sprach Otto Heinek, der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen darüber, dass es anlässlich des 70. Jubiläums der Vertreibung mehrere wissenschaftliche Forschungen durchgeführt wurden, die sich auch mit der Tragödie der Deutschen außerhalb den Landesgrenzen beschäftigten. Sich daran knüpfend wurde am 19. Januar in Wudersch eine deutschsprachige Konferenz vom Stiftungslehrstuhl für Deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Fünfkirchen, der Konrad Adenauer Stiftung, der LdU und dem Jakob Bleyer Heimatmuseum veranstaltet wurde, und deren Vortragenden auch den Großteil der Beiträge der vorgestellten Ausgabe verfassten.

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Der Chefredakteur von Pro Minoritate, András László Kósa schilderte detailliert die Umstände der Entstehung der Ausgabe, die Vergangenheit der Publikation, die redaktionelle Arbeit und Zukunftspläne. Als Kuriosität erwähnte er, dass sie sich nicht nur mit Minderheiten aus dem Karpatenbecken beschäftigen, sondern auch mit welchen die sich außerhalb Europas, Eurasiens befindend und als exotisch bezeichnet werden, bzw. es wird auch an einem selbstständigen Band mit einer Interviewreihe mit Minderheitenforschern gearbeitet.

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Die Gastredakteurin der Zeitschrift war bei dieser Ausgabe Ágnes Tóth, die Leiterin des Stiftungslehrstuhls für Deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Fünfkirchen. Die Historikerin sprach über ihre eigene Arbeit, die Aufdeckungen des Fünfkirchener Lehrstuhls, über weitere Forschungen und die Aufsätze in der Ausgabe. Sie hob hervor, dass es bei der Forschung der Vertreibung der Ungarndeutschen wichtig sei, nicht nur Ungarn, sondern auch die ganze Region im Karpatenbecken zu untersuchen. Wesentlich hält sie ebenfalls das gemeinsame System der Gesichtspunkte. Die Schwerpunkte weiterer Forschungen bedeuten einerseits die Integration in Deutschland, andererseits die Parallelen der Geschehnisse in der Tschechoslowakei, Rumänien, Jugoslawien und Ungarn. Dies widerspiegelt sich auch in der   Themenwahl der Studien in der genannten Ausgabe. Es war bis zu den ’60er Jahren, sogar auch in wissenschaftlichen Kreisen unbekannt, dass die Integration in Deutschland mit enormen Schwierigkeiten verbunden war. Diese Hindernisse tauchten aber nicht nur in seelisch-gesellschaftlichen, sondern auch im wirtschaftlichen Sinne auf. Der Großteil der Vertriebenen, die zuvor Landwirte waren, fanden sich nämlich in einer in erster Linie industrieller Umgebung.

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Die Probleme wurden auch durch die Bestrebungen die amerikanischen Behörden erschwert, dass sie nicht zuließen, dass es sich unter den Vertriebenen eine engere Gruppenidentität bestehen bleibt. Sie wollten dadurch die schnelle Integration erzielen, dazu hatten sie die vom selben Ortschaft stammenden segregiert untergebracht. In einer der Studien geht es um Geschehnisse in Ungarn, es wurde über die Integrationsschwierigkeiten der zurückgekehrten ungarndeutschen Frauen geschrieben. Der hiesige Vorgang wurde auch durch die damalige, vom Staat organisierte Umstrukturierung der Gesellschaft erschwert. In der Publikation wird auch das Thema über die in Jugoslawien von Tito in Arbeitslager internierten Deutschen behandelt. Das weitere Schicksal der fünfzehn-zwanzigtausend Deutschen, die damals aus Jugoslawien nach Ungarn über die Grenze geflohen waren, sollte laut Ágnes Tóth auch ein Thema zukünftigen Forschungen werden. Es ist auch interessant, dass in Rumänien keine Aussiedlung gab, die rumänische Behörden ließen der russischen Armee freie Hand. Die rumänische Regierung hatte später keine Möglichkeit eine der ungarischen Aussiedlung ähnlichen zu organisieren.

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Im zweiten Teil des Abends ging es darum wie die Tragödie des Vergessens und Verfalls in der Fotoausstellung behandelt wird. Die katholische Kirche und Friedhof des deutschen Dorfes Malkotsch im Donaudelta wurden von Ferenc Attila Vajda seit 2007 mehrere Jahre lang dokumentiert. Die Siedlung wurde im Jahre 1843 von 25 deutschen Familien gegründet. Es war die erste katholische Siedlung in Dobrudscha. Im Jahre 1940 im Rahmen der Heim ins Reich Bewegung wurden 1100 Personen zu Hitlers Befehl nach Deutschland umgesiedelt. Alles blieb im Dorf: die Häuser, die Kirche, die Schule, der Friedhof. Zur Zeit der Dokumentation konnte man die Spuren der deutschen Vergangenheit zwar noch an der Kirche und an dem Friedhof erkennen, aber laut der Erzählung des Fotokünstlers ist von der Kirche heutzutage nichts mehr vorhanden.

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Die Fotoausstellung mit dem Titel Malkotsch wurde von Zsolt Németh, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Parlament eröffnet. Er hebte unter Anderem hervor wie wichtig es zum Beispiel die Bewahrung der sachlichen Kultur ist um Identitätsverlust und Homogenisation zu vermeiden. Der Fotograf hielt somit in Bildern fest, was von den deutschen Spuren noch vorhanden sind, wie „alles dort geblieben ist”, aber langsam doch alles verschwindet.

Helga Blandl – Nándor Frei

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