„Ich habe Bilder im Kopf“

Quelle: Zentrum

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Fotokünstlerin Kata Geibl aus Budapest

Kata Geibl wurde 1989 in Budapest geboren, stammt aus einer ungarndeutschen Familie aus der Branau und gehört zu der jüngsten Generation von bedeutenden Fotokünstlern unserer Gegenwart. Mit ihren Bildern möchte sie zeigen, dass es sich lohnt, die Welt um uns herum zu entdecken und zu hinterfragen. Geibl ist vielseitig unterwegs: Sie studierte zuerst an der ELTE Budapest Filmgeschichte und Filmwissenschaft, danach an der Aalto University School of Arts in Espoo/Helsinki, Finnland Design und Architektur, an der MOME Budapest Fotografie und macht gerade ihren Abschluss an der Royal Academy of Art in Den Haag in den Niederlanden im Bereich Fotografie und Gesellschaft. Von den Anfängen bis zu den ganz großen Erfolgen hat sie trotz ihrer jungen Jahren schon viel in ihrem Beruf erlebt. Im März 2021 wählte das Zeitgenössische Fotografiezentrum Robert Capa in Budapest die junge Ungarndeutsche zur Künstlerin des Monats. Aktuelle Arbeiten von Kata Geibl sind auf ihrer eigenen Webseite sowie auch auf Instagram zu finden.

Die Neue Zeitung interviewte Kata Geibl bereits 2019 über ihre berufliche Laufbahn und private Motivation, das Gespräch führte Gabriella Sós (NZ 25/2019)

Frau Geibl, Sie sind seit Jahren als Fotokünstlerin tätig. Woher kommt Ihre Leidenschaft für Fotografie?
Das Fotografieren interessiert mich seit meiner ganz frühen Kindheit. Ich war sechs, als ich mir zu Ostern einen Fotoapparat gewünscht habe, bis zum heutigen Tag erinnere ich mich daran, der war ein kleiner giftgrüner 35-mm-Apparat, ich trug ihn immer bei mir, egal wo ich hinging.

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Haben Sie noch ihre allererste Kamera? Mit welcher Kamera arbeiten Sie heute?
Die erste habe ich leider nicht mehr, sie ging im Laufe der Jahre verloren, ich besitze aber sehr viele Kameras, doch um ehrlich zu sein, benutze ich für meine autonomen Bilder immer nur eine, meine Mamiya RZ67. Wenn es aber um eine Auftragsarbeit geht, passe ich die verwendete Technik der jeweiligen Plattform an, wo meine Bilder erscheinen werden.

Haben Sie schon immer analog fotografiert? Was reizt Sie daran besonders?
Ja, seitdem ich fotografiere, ich besitze natürlich auch digitale Fotoapparate, diese kommen aber nur bei angewandten Arbeiten zum Einsatz. Die analoge Technik gibt mir die Zeit, die ich bei der und für die Erstellung eines Fotos benötige. Ich mag es, dass man den Apparat auf ein Stativ stellen, das Licht messen, und die Komposition genau einstellen muss und natürlich auch, dass ich den Film entwickeln muss. Meine Arbeitsmethode verlangt dieses Format.

Welche Ihrer Arbeiten würden Sie als Highlight ihrer bisherigen Laufbahn bezeichnen? Haben Sie ein Lieblingsbild oder ein Lieblingsthema, das Sie oft beschäftigt?
Da würde ich meine Fotoserie Sisyphus nennen, die war die erste Fotoserie, an der ich mehrere Jahre lang gearbeitet und aus der ich die meisten Lehren für mich gezogen habe. Sie setzt sich mit dem Glauben der Menschheit an der Wissenschaft auseinander. Ich arbeite vor allem an längerfristigen Projekten, die ein globales Thema behandeln. Als Künstlerin versuche ich immer auf unsere zeitgenössische Kultur zu reflektieren, und natürlich auch auf die Welt, in der wir leben. Das bedeutet nicht zwingend eine politische Kunst, vielmehr das Sichtbarmachen von Ereignissen in unserer Gesellschaft.

Was machen Sie, wenn Sie mal keine gute Idee haben? Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
In solchen Fällen wende ich mich in Richtung Amateurfotografen, schaue mir Archivbilder an, auch Familienalben. Jene instinktive Neugier und der Zufall, die diesen Bildern eigen sind, haben mich schon immer fasziniert.

Sie haben zahlreiche, auch international bedeutende Ausstellungen hinter sich, haben Stipendien bekommen und waren sogar eine längere Zeit über in Finnland tätig. Was haben Sie von Ihren Auslandsaufenthalten mitgenommen?
In Finnland verbrachte ich noch während meiner Studienzeit vier Monate, diese Zeit hatte vielleicht den größten Einfluss auf meine Arbeiten. Dort wurde ich das allererste Mal damit konfrontiert, dass die Menschen neugierig auf meine Werke sind, und dass ich sehr wohl den Mut aufbringen muss, diese ihnen auch zu zeigen. An der Moholy-Nagy-Universität wurden immer Themen bestimmt, um diese mussten wir dann unsere Fotoserien aufbauen. In Helsinki wurden uns keine Themen vorgegeben und so durften wir ehrlich gesagt alles machen, wozu wir Lust hatten. Diese Freiheit war eine größere Herausforderung, als ich dachte, aber letztendlich habe ich gerade aus dieser Erfahrung vielleicht das meiste gelernt.

Sie stammen aus einer ungarndeutschen Familie. Ist es für Sie wichtig, dass sich Ihre Wurzeln in Ihren Arbeiten widerspiegeln?
Meine Werke haben ihre Motivation, ihre Veranlassung nie im Privaten, ich bin ein ziemlich zurückgezogener Mensch und das sieht man auch an meinen Bildern. Deshalb verraten auch meine Fotoserien nichts über mich selbst, nur so viel, dass ich über die Welt nachdenke. Wenn in meinen Bildern meine deutsche Herkunft auch nicht zum Tragen kommt, als Privatmensch ist diese für mich äußerst wichtig.

Woran arbeiten Sie jetzt? Worauf kann sich das Publikum als nächstes von Ihnen freuen?
Zurzeit arbeite ich an einer neuen Fotoserie mit dem Titel „Nichts Neues unter der Sonne“. Ich versuche die Wirkungen des Kapitalismus auf die Gesellschaft auf einer sehr assoziativen Art in Bildern einzufangen.

Foto: Gábor Máté

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