Das überregionale Schauspielfestival in deutscher Sprache fand am 4. April 2014 im Deutschen Nationalitätengymnasium und Schülerwohnheim in Budapest statt.
Das Festival wurde von der Amateurtruppe PaThália des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Werischwar eröffnet. Ihre Kunstleiterin ist Tímea Faragó Dramapädagogin. Sie führten Den kleinen Prinz von Saint-Exupery vor. Zwischen den Szenen war Musik zu hören. Das Schauspiel der Darsteller wurde vom Klavierspiel begleitet, bunte Illustrationen mit Hilfe eines Projektors ergänzten das Bühnenbild.
Ihnen folgte die Junge DBU (Deutsche Bühne Ungarn) aus Seksard. Ihr Stück hat die Tage fünf junger Computerspielabhängige ohne Strom vorgeführt. Was können sie allein auf sich gestellt mit einer unerwarteten Situation anfangen? Die Darsteller der Vorführung haben auch den Zuschauerraum mit ins Spiel einbezogen. Sie jagten einander, um die Welt des PC-Spiels zu veranschaulichen. Können die Erfahrungen der Notlage mit dem Computerspiel konkurrieren?
Als die dritte Schauspielgruppe trat das Schwesterensemble der PaThália, die NiL-Theatergruppe (Nikolaus-Lenau-Lyzeum) aus Temeswar auf. Sie führten das Stück Manchmal schneit es im April des portugiesischen Bühnenschriftstellers Jorge Santos Lopes auf. Das Theaterstück handelt vom Rassismus. Der Schauplatz ist Portugal zwölf Jahre nach der „Nelkenrevolution” im Jahre 1974. Fünf junge Männer entführen eine schwarze Frau, um sie zu vergewaltigen und zu töten. Ihr Plan geht aber nicht auf, denn einer der Täter steigt aus. Anscheinend nimmt das Opfer alles in die Hand. Lopes deutet auf die Frage hin, was es aus Kindern wird, deren Eltern Krieg geführt haben.
Im Rahmen des Festivals wurde die Ausstellung mit dem Titel Zusammen bleiben – Frauen über den Holocaust eröffnet. Das Budapester Gymnasium und seine Partnerschule aus Deutschland, das Saarlouiser Gymnasium Am Stadtgarten starteten im Jahre 2013 ein gemeinsames Toleranzprojekt mit dem Titel Salziger Kaffee. Der gleichnamige Band bildet die Grundlage des Projekts. Er beinhaltet Erinnerungen überlebender Frauen ungarisch-jüdischer Herkunft. Der Band erschien 2007 und wurde von Katalin Pécsi verfasst. Das gemeinsame Projekt stellt die Erinnerungen auf die Bühne. Die Schüler des Saarlouiser Gymnasiums führten Szenen des Bandes auf. Die Theatergruppe des Budapester Deutschen Nationalitätengymnasiums, Kulturelle Offensive führten die Erinnerungen an einem Handlungsstrang mit dem Titel Judits Geburtstag vor. Leiterin der Schauspielgruppe ist die Dramenpädagogin Fanni Örkényi.
Die Theatergruppe GrimMasken des Petőfi Sándor Gymnasiums aus Mezőberény stellten ihr Stück Entwicklung der Lüge auf die Bühne. Die Zuschauer gewannen Einblicke in das Leben einer Mädchenklasse. Die jungen Laienschauspieler formten die Charaktere der sechs Schülerinnen und ihrer Lehrerin und ihren schulischen Alltage. Die Ankunft einer neuen Schülerin macht eine Freundschaft kaputt, eine kleine Lüge verursacht Intrigen und die Figuren rücken voneinander ab. Ihre Gefühlsausdrücke wurden mit Musik begleitet.
Unter den Teilnehmern befand sich die Theatergruppe Dramaschine der Universität Pécs. Die aus Studenten der verschiedenen Fakultäten gebildete Gruppe strebt danach ihre Deutsch- und Schauspielkenntnisse zu entwickeln. Sie bearbeiten literarische Werke. Sie führten das Theaterstück Das politisch korrekte Schneewittchen von Christine Steinwasser auf. Im Stück möchte die Diva in der Rolle der Schneewittchen nicht, dass Egbert den Prinzen spielt. Deshalb formt er den Charakter eines Zwergs, obwohl er dazu wegen seines Körperbaus ungeeignet ist. Aber das Theater kann sich sieben Zwerge nicht leisten, deshalb müssen Reime des Märchens umgedichtet werden. Währenddessen hat der Besitzer des Theaters mit anderen Problemen zu kämpfen.
Die Schauspielgruppe des Valeria Koch Bildungszentums in Fünfkirchen trat auch auf. Ihr Stück trug den Titel Oh, du lieber Himmel!. Das Festival wurde mit der Aufführung der Theatergruppe PaThalia Senior beendet. Ihr gewähltes Stück trug den Titel Der nackte Wahnsinn vom englischen Dramatiker Michael Frayn. In der Posse versuchen ein Schauspieler, ein Regisseur, eine Assistentin und ein Inspizient einen Theaterabend in die Gleiche zu bringen, sowie ihr Gleichgewicht zu finden.
Die Pflege der deutschen Sprache und die Bewahrung kultureller Werte sind Teile der Schauspielkunst. Das Festival bot den Zuschauern sehr reiche und vielfältige Theaterstücke. Der Schwerpunkt liegt auf dem deutschsprachigen Dramenschauspiel. Das Sprachenlernen ist etwas Zusätzliches. Daneben hat das Schauspielen eine Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung. Das Festival bietet die Möglichkeit einander kennenzulernen und durch die Jury zu lernen. Die Jurorinnen – ldikó Frank, Èva Haász und Krisztina Arnold – verliehen drei Preise, die je einen Auftritt beinhalten. Die Theatergruppe PaThalia Senior fährt nach Seksard an die DBU, die Junge DBU nach Temeschwar und die Gruppe Kulturelle Offensive nach Osijek.
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