Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie ein Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite
Perle des Ofner Berglandes feierte nach 40 Jahren wieder
Nach einjähriger Planung wurde in Schambek nach 40 Jahren wieder ein Weinlesefest veranstaltet. Der Leitgedanke war, die kulturelle Vielfalt des heutigen Schambek soll vertreten sein. Ungarn, Schwaben, Sekler und Roma haben ihre Kultur gezeigt.
Am Umzug am 27. September nahmen 26 festlich geschmückte Pferdekutschen teil. Ungefähr 200 Trachtenträger und bekannte Persönlichkeiten der Gemeinde machten mit. Sogar Bürgermeister Zsolt Cenger-Zalán und Pfarrer Martin Holnapy waren dabei. Während des Umzuges, der fast 300 Meter lang war, musizierten drei Kapellen. Die Schwowischi Buam aus Kirne machten ungarndeutsche, die Kapelle Szeret ungarische und die Kapelle Sárközi Zigeunermusik. Auf rund neun Stationen wurden von den Tanzgruppen Höcögő/Csicsergők und Lochberg ungarische und ungarndeutsche Tänze vorgeführt. Nachher wurde man überall hervorragend bewirtet.
Wein, Schnaps, Pogatschen, Gebäck waren die meist angebotenen Köstlichkeiten. Und als die Pferdekutschen wieder losfuhren, fing man an zu singen. Dabei haben uns der Deutsche Chor mit Akkordeonbegleitung, der Gesangkreis Keszkenő und der Volksliederkreis geholfen. Auch der Freundeskreis der Traditionsbewahrer fuhr mit. Die alle haben ihre eigenen Streifwagen gehabt, die man schon am Freitag schmücken musste. So war der Umzug eine Augenweide!
Obwohl das Weinlesefest seit der Zwischenkriegszeit ein fester Bestandteil der Schambeker Traditionen war, kam mit der Vertreibung eine Pause. Bei der Erforschung dieser Tradition haben uns die Aufzeichnungen von Dr. Elisabeth Budai-Hajdú und Pater Martin Anton Jelli geholfen:
„Vor dem Festzug versammelten sich die Teilnehmer vor dem Großen Wirtshaus. Vorn ging der Sauhalter/Schweinehüter, eine große Peitsche in der Hand, mit der er – Donnerschlägen gleich – knallte, damit alle hörten, daß sich der Festzug nähert. Ihm folgten die Husaren, Betyáren und Tschikosen, je nachdem, welche Tracht sie sich besorgen konnten. Sie ritten auf festlich geschmückten Pferden. Danach kamen einige Masken, hauptsächlich Jugendliche zu Fuß. Sie erschreckten die zuschauenden Kinder, indem sie diese schwarz bemalen wollten. Sechs oder sieben schön aufgeputzte Kutschen folgten dann, in denen je ein Bursche mit einem besonders hübschen Mädchen saß. Die Mädchen standen in großen Weinbütten auf Streifenwagen. Der Richter trug eine schwarze Pelzmütze und einen schwarzen Schnuranzug, die Richterin hatte einen Schopf gebunden. Auf einen Streifenwagen stellte man einen Bottich, rundherum standen Mädchen, die Traubenwinzerinnen oder Hirtenmädchen, die während des Festzuges ungarische Lieder sangen. Es folgte ein schmutziger, schlampiger Bauernwagen, gezogen von einem alten, hinkenden Gaul, der anstatt mit ledernen Zügeln mit Schnüren eingespannt war. Auf dem Wagen war eine Hütte aus Säcken und Decken gebaut. Es saßen schwarz geschminkte Kinder im Wagen. Vorn beim Kutscher saß die Zigeunerin, eine Pfeife im Mund und ein kleines Wickelkind im Arm. Eine lustige Zigeunerkapelle schloß den Festzug. Sie fuhren durch die Gassen von Schambek hinüber nach Tök, dort die Hauptstraße entlang bis zum Wirtshaus, wo die Burschen etwas tranken, dann kamen sie auf einer anderen Straße nach Schambek zurück und stiegen vor dem Großen Wirtshaus aus.“
Das Weinlesefest wurde hauptsächlich von der Handwerkerjugend organisiert, die mehr den damaligen „magyarisierenden Tendenzen“ ausgesetzt war. Sie haben ihre „ungarischen Trachten“, in denen die Schambeker am Weinlesefest teilnahmen, von den Töker Ungarn ausgeliehen. Die Bauernjugend hat bei diesem Ereignis die Pferde, Kutschen und Wagen gestellt. Trotzdem war es ein großes Fest der Gemeinschaft, da man mit der Arbeit in den Weingärten fertig war und endlich den guten Wein genießen konnte.
Am Wochenende konnte sich die vielfältige Gemeinschaft Schambek für eine gute Angelegenheit zusammentun. Eine Tradition wurde wieder zum Leben erweckt. Es ist ein hervorragendes Gefühl, zusammen zu sein und die Lieder und Tänze unserer Nächsten zu erlernen oder gemeinsam zu singen. Beim Ball war erstaunlich, wie sich die Menschen zur Musik dreier Kapellen amüsierten. Nie wurde eine Pause gemacht, egal ob ungarische, schwäbische oder Zigeunermusik spielte.
Herzlichen Dank an die Organisatoren: Csilla Balázs (Leiterin des Kulturinstituts und der Bibliothek), József Lovász, der den Traum hatte, die Tradition wiederzubeleben, und an die Leiter der Schambeker Zivilorganisationen. Förderer der Veranstaltung war die Stadtverwaltung Zsámbék.
Sandra Titanilla Fuchs
