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Modernes Schulbuch über die Geschichte der Deutschen in Ungarn erschienen

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„Die Ungarndeutschen verdienen es, aus der eigenen Perspektive gesehen, verstanden, interpretiert und bewertet zu werden“

Fairplay statt Rosenkrieg: ein Ehevertrag, den zwei junge Ungarndeutsche aus der Branau im Jahre 1785 geschossen haben; aus den Augen, aus dem Sinn: ein Brief zweier Schwestern aus dem Jahre 1795, den sie nach 20 Jahre Aufenthalt in Ungarn an ihre in Deutschland zurückgelassenen Familienmitglieder geschrieben haben – Dutzende ähnlicher schriftlicher Quellen, sowie auch zahlreiche Karten und Statistiken illustrieren das neulich erschienene Lehrbuch von Nóra Rutsch und Gerhard Seewann mit dem Titel „Geschichte der Deutschen in Ungarn für die 9-12. Klasse“. Das sehenswerte, moderne, übersichtige und im deutschen Nationalitätenunterricht bisher bemängelte Buch bietet einen Leitfaden durch die Geschichte der Deutschen in Ungarn, hat aber auch auf den Bücherregalen ungarndeutscher Familien wohl einen Platz. Und dem, der darauf verzichtet, das Band physisch in die Hand zu nehmen, steht das Lehrwerk als Gemeingut im Internet unter www.udgeschichte.hu frei zur Verfügung.

Ausgangspunkt des genannten Schulbuches war Prof. Dr. Gerhard Seewanns 2012 erschienene zweibändige Synthese der Geschichte der Deutschen in Ungarn. „Die Ungarndeutschen verdienen es, aus der eigenen Perspektive gesehen, verstanden, interpretiert und bewertet zu werden“ – lautet das Leitprinzip, nach welchem Seewann seine langjährige Forschungstätigkeit ausübte. Der gebürtige Grazer Historiker, dessen zentrales Forschungsfeld unter anderem die Geschichte der deutschen Nationalität in Ungarn ist, betonte: in der ungarischen Nationalgeschichtsschreibung kämen die im Lande lebenden Nationalitäten leider nur kaum vor. Eben deshalb habe er den Versuch unternommen, den Gedanken des Historikers István Deák – dass nämlich Ungarn seit über tausend Jahren von der Mehrheit der Minderheiten geprägt sei – objektiv und von Vorurteilen befreit deutlich zu machen – nach vielen anderweitigen Publikationen nun auch auf den Seiten ein Schulbuches.

Mitverfasserin des 220 Seiten umfassenden Geschichtsbuches war Nóra Rutsch, ungarndeutsche Geschichtswissenschaftlerin und praktizierende Lehrerin an einem Fünfkirchner Gymnasium. Ihre Erfahrungen im Bereich der Methodik des Geschichtsunterrichts und ihre Lehrwerkforschungen machten sie zur Koautorin des Buches. „Es war schon unbedingt nötig, die Geschichte der Deutschen in Ungarn zwischen zwei Buchdeckeln zusammenzufassen“, meint Nóra Rutsch. „Wenn wir dieses Thema unterrichten wollten, konnten wir uns praktisch auf ein einziges, im Jahre 1978 erschienenes, nach der Wende neu verlegtes Buch stützen, welches aber meiner Meinung nach für Gymnasialschüler weder attraktiv noch tauglich ist. Auf der anderen Seite lag das umfangreiche, auf neuesten Forschungsergebnissen basierende, moderne Werk von Herrn Professor Seewann vor, das unbedingt wert war, es auch Kindern anzupassen. Ich habe die Rahmenlehrpläne für Geschichte und ungarndeutsche Volkskunde studiert, die zu behandelnden Schlüsselthemen ausgewählt, den Text vereinfacht. 2013 haben wir dann ein Workshop für Geschichtslehrer, die das Fach auf Deutsch unterrichten, veranstaltet, um den ersten Entwurf des Buches mit ihrer Hilfe zu testen und weiter zu verfeinern. Mit einem Bibliothekar gemeinsam sammelten wir bildlichen und schriftlichen Quellen, die Karten haben wir in der Regel selbst anfertigen lassen. Und dann saß ich wochenlang vor dem Computer, surfte im Internet und suchte nach kreativen Ideen für die Gestaltung der didaktischen Aufgaben – dieser Teil der Arbeit machte mir am meisten Spaß. Wir haben versucht, möglichst abwechslungsreiche Übungen zusammenzustellen, durch welche die verschiedenen Kompetenzen der Schüler gefördert werden können.“

Die Buchgestaltung entspricht modernen Ansprüchen, doch am modernsten ist die Ansicht selbst, das Buch als Gemeingut zu betrachten: der ganze Inhalt steht nämlich im Internet kostenlos und frei für jeden zur Verfügung, all die Karten und Quellen dürfen im Unterricht verwendet werden, und schon bald stehen auf der Seite auch die zu den Lektionen passenden Aufgaben im Word-Format herunterladbar. Mitverfasserin Rutsch ermuntert die Benutzer, durch das Webseitenforum mit den Autoren Kontakt aufzunehmen und freut sich von den Lesern weitere Quellen, Bilder und sonstige Materialien und Ideen zu bekommen. Die Verfasser wollen nämlich erreichen, dass diese Internetseite schon bald als öffentlicher Raum im Netz für Geschichts- und Volkskundelehrer fungiert.

Das Zustandekommen des Schulbuches und der dazu gehörenden Homepage wurde unter anderem auch von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen gefördert.

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