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Zwei Vertreter der ungarndeutschen Gemeinschaft mit dem Preis „Pro Cultura Minoritatum Hungariae” ausgezeichnet

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Dreizehn Personen und Organisationen wurden in diesem Jahr mit dem Preis Pro Cultura Minoritatum Hungariae ausgezeichnet. Am 20. Mai wurden in Budapest die Fachpreise für Tätigkeiten zur Bewahrung der Kultur der in Ungarn lebenden Nationalitäten verliehen. Die Preise wurden von Zsolt Semjén, stellvertretender Ministerpräsident und Minister ohne Geschäftsbereich für Nationalitäten, feierlich überreicht. An der Veranstaltung nahmen Christo Polendakov, Botschafter von Bulgarien, Efthymios Pantzopoulos, Botschafter von Griechenland, Marjan Cencen, Botschafter von Slowenien, Mladen Andrlić, Botschafter von Kroatien, Emmerich Ritter ungarndeutscher Parlamentsabgeordneter und Vorsitzender Nationalitätenausschusses, Ákos Kozma, Kommissar für Grundrechte, Csaba Latorcai, Staatssekretär für öffentliche Verwaltung des Ministeriums für Humanressourcen, Zoltán Fürjes, stellvertretender Staatssekretär für Kirchen- und Nationalitätenangelegenheiten des Ministerpräsidenten, Katalin Langer-Victor, stellvertretende Staatssekretärin für soziale Eingliederung des Innenministeriums, Dr. Erzsébet Szalay-Sándor, stellvertretende Ombudsfrau für den Schutz der Rechte der in Ungarn lebenden Nationalitäten, sowie Sprecher der Nationalitäten im Parlament und Vorsitzende der Landesselbstverwaltungen der in Ungarn lebenden Nationalitäten, teil. Die Preisverleihung wurde von kulturellen Darbietungen von Vertretern der Nationalitäten umrahmt.

Der Deutsche Kreis Fünfkirchen-Branau e.V. wurde für seine drei Jahrzehnte währende Tätigkeit zur Erforschung der Geschichte der Ungarndeutschen und der in die Gulag-GUPVI-Lager deportierten Zivilpersonen sowie zur Bewahrung ihres Andenkens ausgezeichnet. Der derzeit 136 Mitglieder zählende Verein mit Sitz in Fünfkirchen ist eine Organisation, die durch die Förderung der Kenntnis und Akzeptanz der deutschen Volksgruppe zur Entwicklung einer pluralistischen demokratischen Gesellschaft beitragen will. Sie ermutigt sie, sich an öffentlichen Angelegenheiten zu beteiligen. Mit ihren wissenschaftlichen Vorträgen fördert sie das gegenseitige Verständnis, die Toleranz sowie die Wertschätzung und Anerkennung anderer Kulturen. Ihre Veranstaltungen sind stets offen für die Mehrheitsbevölkerung und andere Nationalitäten. Sie bieten Foren und Stellungnahmen zur Förderung der Rechte von Minderheiten und andere Programme zur Förderung der Ausübung ihrer Rechte. Die Auszeichnung wurde von der Vorsitzenden Eleonóra Matkovits-Kretz (*1950) entgegengenommen, die der Redaktion des LdU-Rundbriefes folgenden Gedanken zur Auszeichnung mitteilte:

Wie haben Sie als Vorsitzende und die Vereinsmitglieder die Nachricht von der Verleihung des Preises Pro Cultura Minoritatum Hungariae an den Deutschen Kreis in diesem Jahr aufgenommen?

Es ist uns eine große Freude und Ehre, diese Anerkennung zu erhalten, da der 2005 ins Leben gerufene Pro Cultura Minoritatum Hungariae Preis 2019 zu den beruflichen Auszeichnungen des stellvertretenden Ministerpräsidenten hinzugefügt wurde. Der Preis kann an eine Person oder Organisation verliehen werden, die durch ihre herausragenden Aktivitäten im Bereich der nationalen Kultur und der öffentlichen Bildung unter den in Ungarn lebenden Nationalitäten, für die Bewahrung und Entwicklung ihres einheimischen Kulturerbes und im Bereich der nationalen Minderheitenkultur zum Zusammenleben der Völker des Karpatenbeckens beigeträgt. Dies sind auch die Ziele unseres Vereins, die in unserer Gründungsurkunde festgehalten sind, ebenso wie die Förderung der authentischen Geschichtsschreibung der deutschen Minderheit in Ungarn. Der Preis ist wirklich eine Motivation für unsere weitere Arbeit und für die Zukunft, denn es zeigt, dass wir auch für andere sichtbar, gut und effektiv an unseren Zielen gearbeitet haben, die wir uns gesetzt haben. Ich kann mit Stolz behaupten, dass unsere Aktivitäten äußerst vielfältig sind: Die Arbeit für die Einrichtung eines ungarndeutschen zweisprachigen Bildungszentrums, die Erforschung des Malenki Robots, der fast 50 Jahre verschwiegen wurde, die Kontakthaltung mit Zeitzeugen, Ausstellungen, Konferenzen, Foren, Veröffentlichungen, Filme, Gedenk- und Forschungsreisen sind die Kennzeichen unserer Arbeit in diesem Bereich. Heimatvereine, Akkordeonfestivals, Nationalitätentage, Aufbau von Kontakten im In- und Ausland, mit besonderem Augenmerk auf die jenseits der Grenzen lebenden Ungarn und Deutschen, des Weiteren Quiz- und Forschungsprojekte zur Einbindung der jüngeren Generationen und noch vieles mehr – wir könnten unzählige Bereiche aufzählen, in denen die Mitglieder unseres Vereins ehrenamtlich tätig waren und sind. Ich möchte auch gerne diese Gelegenheit nutzen, um allen Mitgliedern des Deutschen Kreises, all unseren Unterstützern und Kooperationspartnern dafür zu danken, dass sie uns auf diesem Weg begleitet haben.  Diese Ehrung ist auch ein Tribut an sie und an das Andenken derer, die wegen Malenki Robot in die sowjetischen Lager deportiert wurden.

Was motiviert Sie schon seit drei Jahrzehnten, Ihre Tätigkeit auszuüben? 

Diese Auszeichnung ist ein großer Ansporn, ebenso wie die persönliche berufliche Auszeichnung mehrerer Amtsträger und Mitglieder unseres Vereins in der Vergangenheit. Unter unseren Mitgliedern befinden sich Personen, die mit dem Ungarischen Goldenen Verdienstkreuz, dem zivilen Zweig des Ritterkreuzes des Ungarischen Verdienstordens, dem Ritterkreuz des Ungarischen Verdienstordens und anderen prestigeträchtigen Auszeichnungen geehrt wurden. Die motivierende Kraft dieses Preises besteht darin, dass er eine Anerkennung der Arbeit der gesamten Gemeinschaft und des gesamten Vereins darstellt. Aber natürlich sind es nicht die Auszeichnungen, die wir durch unsere Arbeit ergattern möchten, das ist nicht unser Ziel. Es ist uns eine Herzensangelegenheit, die Nationalitäten bekannt und akzeptiert zu machen, ihre Beteiligung an öffentlichen Angelegenheiten zu fördern (z.B. durch eine Reihe von Vorbereitungsveranstaltungen für die Nationalitätenwahlen, oder durch unterschiedliche Sensibilisierungskampagnen), das Bewusstsein für ein gegenseitiges Verständnis und Toleranz, die Werte und die Wertschätzung anderer Kulturen zu stärken. Unsere Veranstaltungen sind immer offen für die Mehrheitsbevölkerung und andere Nationalitäten. Unsere Programme zielen darauf ab, die Rechte nationaler Minderheiten und ihre Fähigkeit zur Wahrnehmung ihrer Rechte zu fördern. Besonderer Wert wird hierbei auf die Erinnerungskultur gelegt, darauf, das kollektive Gedächtnis lebendig zu halten, die jüngeren Generationen mit der Geschichte unserer Nationalität und unserer Vorfahren vertraut zu machen und sie für die Nachwelt zu bewahren. Motivierend sind auch die vielen positiven Rückmeldungen zu unseren Veranstaltungen, die Dankbarkeit der Angehörigen der Malenki-Robot-Deportierten, die vielen freundlichen Gespräche, Ausflüge, Konzerte, Clubnachmittage und andere Programme.

Auf welchen Veranstaltungen wird die Öffentlichkeit Sie dieses Jahr treffen können?

Wir möchten unsere Clubtreffen (Buch-, Film-, Kulturerbe- und Konversationsclub) fortsetzen, die wegen des Covid allmählich ins Stocken geraten sind. Darüber hinaus starten wir ein Forschungsprogramm für Jugendliche mit dem Titel „Erfahr mehr über die Geschichte der deutschen Nationalität“. Im Oktober werden wir gemeinsam mit unseren grenzüberschreitenden Partnerorganisationen eine Konferenz in Siebenbürgen im Rahmen des Programms „Erforschung einer gemeinsamen Vergangenheit ohne Grenzen“ veranstalten. Wir sind gerade dabei, ein umfangreiches Fotoalbum über die letzten 30 Jahre unseres Vereins sowie eine DVD-Serie „Die gemeinsame Vergangenheit der Deutschen im Karpatenbecken“ zu erstellen: Teil I trägt den Titel: „Begegnung mit den Schwaben von Satu Mare“. Die Mitglieder unseres Vorstands halten auf Anfrage ständig Vorträge auf nationalen und internationalen Veranstaltungen.

Der Preis wurde auch an Dr. László Somogyi (*1950) verliehen, einen Arzt, der sich als Privatperson seit Jahren leidenschaftlich für die Pflege und Bewahrung des geistigen und kulturellen Erbes der Ungarndeutschen einsetzt. Im Jahr 2001 kaufte er das Haus seiner Urgroßeltern, das so genannte Konrad Haus in Kisjakabfalva/Jackfall zurück und richtete mit eigenen finanziellen Mitteln ein wunderschönes ungarndeutsches Haus mit Hof her, das er heute als Museum betreibt. Das ganze Jahr über werden hier Schülergruppen empfangen, und das Anwesen bietet auch einen Ort für museumspädagogische Veranstaltungen. „Ich habe selten einen so selbstloseren Einsatz für den Erhalt der Werte unseres Volkes gesehen, wie das von Dr. Somogyi. Als Gründungsmitglied und ehemalige Direktorin des Valeria-Koch-Bildungszentrums möchte ich die Verdienste von Dr. László Somogyi würdigen, der auch als Elternteil aktiv an der Gründung unseres Schulzentrums mitgewirkt und es 12 Jahre aktiv lang unterstützt hat“, schrieb LdU-Vorsitzende Ibolya Hock-Englender in ihrer Nominierung des Preisträgers.

Wie haben Sie die Verleihung des Preises „Pro Cultura Minoritatum Hungariae“ erlebt?

Es war eine große Freude für mich festzustellen, dass der ungarische Staat, die ungarische Nation die ethnischen Minderheiten als vollwertige, staatsbildende Mitbürger betrachtet. Die Ermahnungen des Staatsgründers, des Heiligen Stephan an seinen Sohn, den Heiligen Emmerich, über die belebende Wirkung der Aufnahme von Gästen für das Land, können auch nach tausend Jahren noch in die Praxis umgesetzt werden. Ich glaube, dass unsere Vielfalt einen wesentlichen Beitrag zu Ungarns Einzigartigkeit, Vielfältigkeit und Widerstandsfähigkeit leistet. Seit 2005 wird die traditionspflegende Tätigkeit der nationalen Minderheiten vom ungarischen Staat anerkannt. Der Preis Pro Cultura Minoritatum Hungariae bedeutet für mich persönlich, dass die wertschöpfende Arbeit meiner ungarndeutschen Ahnen im Konrad Haus und auf dem Bauernhof sowie der hohe Selbstversorgungsgrad meiner einst dort gelebten Vorfahren als gutes Vorbild für unser Land dienen können. Es kann aber auch für künftige Generationen ein Beispiel dafür sein, welche Werte unter dörflichen Bedingungen, mit Zusammenarbeit, Fleiß, Selbstversorgung und Einfallsreichtum ohne fremde Hilfe geschaffen werden können. 

Wie kam Ihnen die Idee, das Konrad Haus zurückzuerwerben?

Während meiner medizinischen Laufbahn habe ich an vielen Studienreisen und Veranstaltungen in aller Welt teilgenommen. Auf diesen Reisen wurde mir klar, dass mein Heimatdorf Jackfall über kulturelle und historische Werte verfügt, die für ein breiteres Publikum von Interesse sein könnten. Mein ungarndeutscher Urgroßvater mütterlicherseits, János Konrád, besaß ein bescheidenes bäuerliches Anwesen mit einem Wohnhaus und einer Hofanlage, die bereits einige bäuerlich-bürgerliche Zierelemente aufwies. Die reich verzierte Fassade, die bemalten Wände, das Secco der Heiligen Dreifaltigkeit an der Decke der schönen Stube und die Originaleinrichtung sind unserer Meinung nach von größerem Interesse. Das Konrad Haus ist seit 2007 ein Heimatmuseum.

Wie viele Gäste oder Gruppen empfangen Sie im Jahr?

Im August dieses Jahres begehen wir bereits den fünfzehnten Jahrestag der Eröffnung unseres Heimatmuseums. Wir empfangen hier jährlich ein breites Spektrum von Besuchern unterschiedlicher Anzahl und Altersgruppen. Die Besuchergruppen aus den Grundschulen sind in der Regel deutschsprachige Klassen, sie kommen oft mit ausländischen Austauschschülern zu Besuch. Seit kurzem sind auch größere Gruppen von Kindergartenkindern eingeladen, einige Stunden im Museum und seinem großzügigen Innenhof zu verbringen. Touristen und Besucher aus Willand/Villány melden sich ebenfalls zu unseren Führungen an, und auch Besucher aus dem Ausland sind willkommen. Unsere häufigsten Besucher sind übrigens Gruppen, die von den deutschen Selbstverwaltungen organisiert werden. Es ist schwierig, eine genaue Zahl der Besucher zu nennen, da oft eine große Anzahl von Freunden und Ehrengästen anwesend ist. Im ersten Gästebuch, der sieben Jahre lang auslag, lag die Zahl unserer Besucher bei fast dreitausend.

Wann kann man das Konrad Haus in diesem Jahr besuchen?

Die Kirchweih der römisch-katholischen Kirche von Jackfall findet am Fest von Peter und Paul statt. Aus diesem Anlass laden wir die Dorfbewohner und alle Besucher des Dorfes am 2. Juli zu einem Empfang im Konrad Haus ein. Im August dieses Jahres planen wir, zum fünfzehnten Jahrestag der Eröffnung ein Dorffest mit Führung durch das Heimatmuseum zu veranstalten. Seit 2014 beteiligt sich das Konrad Haus aktiv an den Adventskonzerten, mit denen Spenden für die Restaurierung der örtlichen Kirche gesammelt werden. Das Museum ist für die Öffentlichkeit jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr mit einer organisierten Führung zugänglich. Die Dauerausstellung kann aber nach vorheriger Anmeldung mindestens einen Tag im Voraus auch zu anderen Zeiten besucht werden.

Quelle: LdU

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