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30 Jahre Theatercamp – Eine Bühne für Träume, Tradition und Gemeinschaft

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Ein runder Geburtstag, der nicht nur gefeiert, sondern gelebt wurde: Das deutschsprachige Theatercamp blickt auf 30 Jahre kreative, pädagogische und kulturelle Erfolgsgeschichte zurück. Jedes Jahr treffen sich hier Kinder und Jugendliche, um Theater zu spielen, zu tanzen, zu singen und die ungarndeutsche Kultur mit Leben zu füllen. Was einst als kleines Projekt begonnen hat, ist heute ein fester Bestandteil der Identitätsarbeit innerhalb der deutschen Nationalität in Ungarn.

„In einem Theatercamp, das seit drei Jahrzehnten besteht, schlagen unsere Herzen im Takt der Bühne“, sagt die langjährige Leiterin Erzsébet Berta, die das Lager mit viel Engagement und Fachkenntnis begleitet.

Unter dem Motto Theaterspielen ohne Grenzen reisten in diesem Jahr Gruppen aus Nadwar/Nemesnádudvar und dem Valeria-Koch-Bildungszentrum in Fünfkirchen/Pécs an. Das Camp fand vom 15. bis 20. Juni im Iglauer Park in Waschludt/Városlőd statt, die Aufführungen wurden im nahegelegenen Kischludt/Kislőd vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal präsentiert. Das Publikum bestand aus Schülern, Lehrern, Eltern und Einwohnern der Gemeinde.

Das Besondere an diesem Jubiläumsjahr war, dass in erster Linie jene Gruppen eine Einladung zum Theatercamp erhielten, die seit drei Jahrzehnten regelmäßig an den ungarndeutschen Theaterfestivals teilgenommen haben – und so durch ihre kontinuierliche Präsenz und ihr Engagement wesentlich zur Bewahrung und Weitergabe dieser Tradition beigetragen haben.

Die Schüler des deutschen Theaterzirkels aus Nadwar brachten das Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf die Bühne – in einer kreativen Fassung mit ungarndeutschem Flair. Die Aufführung begann mit einem schwäbischen Straßenspiel: Kinder spielen, wählen mit Abzählreimen im Nadwarer Dialekt Tiere für das Märchen aus und tanzen Kreisspiele. Ein Esel mit Flöte und ein Ziehharmonika spielender Hund sorgten für Begeisterung im Publikum.

Eine Gruppe des Valeria-Koch-Bildungszentrums führte das Theaterstück „Liebe“ auf, während die Älteren eine eindrucksvolle lyrische Collage aus Gedichten von Valeria Koch auf die Bühne brachten – ein sensibles, künstlerisch hochwertiges Programm.

Die Nadwarer Reime und Tänze wurden im Camp auch mit anderen Gruppen geteilt. Besonders eindrucksvoll: Zwei Schüler hatten ihre eigenen Ziehharmonikas mitgebracht und begleiteten die gemeinsamen Aktivitäten (u. a. Singen und Tanzen) mit großer Begeisterung.

Auch außerhalb der Bühne war Raum für Kreativität: Inspiriert von einer Ausstellung des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK)in Nadwar malten die Kinder eigene Bilder – abstrakt, geometrisch oder von persönlichen Erlebnissen wie einem Ausflug mit der „Kleinbahn“ ins Bakony-Gebirge oder in den Iglauer Park geprägt.

Ein Höhepunkt war der Besuch im ungarndeutschen Heimatmuseum in Waschludt. Die Kinder zeigten sich tief beeindruckt. Ein achtjähriger Teilnehmer brachte es auf den Punkt: „Mir gefällt dieses Haus sehr. Ich mag die alten Sachen sehr. Ich freue mich, dass ich ein Ungarndeutscher bin. Ich lebe gern in meinem Dorf, Nadwar. Ich möchte nie in einer Stadt leben.“

Diese Worte fassen das Ziel des Camps treffend zusammen: Die ungarndeutsche Identität bewahren, Traditionen weitergeben und das Leben der Vorfahren mit neuem Leben füllen.

Im Theatercamp wird jedes Jahr aufs Neue die Magie der Bühne lebendig – ein Ort, an dem junge Träume wachsen, Talente sich entfalten und die ungarndeutsche Kultur auf kreative Weise erlebt und weitergegeben wird.

Ein großes Jubiläum – und ein Versprechen für die Zukunft.

Das Camp wurde ermöglicht durch die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, das Bundesministerium des Innern sowie das Ministerpräsidentenamt über den Bethlen-Gábor-Fondverwalter.

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