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In der Bohler Allgemeinbildenden Kunst- und Grundschule war es schon immer wichtig, Sitten und Bräuche der Ungarndeutschen zu beleben und die Möglichkeit den Kindern zu geben, an diesen auch teilnehmen zu können. Das Wichtigste daran ist, dass dies nie ein Muss ist. So war es auch dieses Jahr. Wir initiierten ein fachübergreifendes Herbst-Projekt, wo wir alle wichtigen Programme und Traditionen der Ungarndeutschen und auch die Bräuche aus den DACH-Ländern gemeinsam erlebten.
Der September begann mit einer Wallfahrt nach Marjud/Máriagyűd, selbstverständlich in unseren schönen Trachten, wo wir an der deutschen Messe teilnahmen. Dieser Tag erfreut uns und lädt uns immer mit Energie fürs Jahr auf. Natürlich erhielten die Gläubigen nach der Messe auch einen kleinen Rosenkranz als Erinnerung.
Dann kamen die Weinlese und das Weinlesefest. Mit circa 50 Kindern machten wir uns auf den Weg, um Trauben am Weinberg in der Nähe zu lesen, und genossen danach die feinen Früchte. Das Weinlesefest in Tiedisch/Töttös eröffneten wir mit unserer Tanzgruppe und nahmen nachher an dem Festumzug mit großer Freude teil.
Die Arbeit war mit der Weinlese aber noch nicht vollendet. Es kam das Maisbrechen, so wie früher mit den Händen auch auf dem Ackerfeld. Obwohl wir keinen herkömmlichen Mais, sondern Popcorn-Mais geerntet haben, wollten wir es den Kindern trotzdem zeigen, wie es früher war. Das gebrochene Mais wurde zum Heimatmuseum geliefert, wo wir es mit den Kindern auf dem Maisspeicher gelagert haben. Wir hörten während der Arbeit Blasmusik und sangen, erzählten Geschichten und hatten dabei viel Spaß an der Arbeit. Nach dem Trocknen konnten die Kinder den Mais auch an den Festen kosten.
Neben den Bräuchen unserer Ahnen „reisten” wir an den Deutschstunden auch ein bisschen in die DACH-Länder. Unser erstes Fest aus Deutschland war das Erntedankfest, wo wir mit den Kindern eine Erntekrone und einen Ernteteppich bastelten. An den Freudestunden beschäftigten wir uns auch mit der Wichtigkeit des Themas „Danksagung” und hinterließen kleine Nachrichten für Eltern und Freunde, wir sangen gemeinsam auch Erntelieder.
Das Beste kommt „fast“ zuletzt: Dies wurde auch von den Kindern bei uns mit Freude und Neugier gesagt. Denn am 3. Oktober organisierten wir ein richtiges Oktoberfest in unserer Schule. Die Vorbereitungen fingen schon eine Woche vorher an. Wir schrieben ein Lebkuchen-Hauswettbewerb aus, auf dem wir echte Schätze bekamen. Aus diesen stellten wir eine Ausstellung zusammen. Wichtig war es auch, eine Atmosphäre vom Oktoberfest zu schaffen, so wurde nicht nur unsere Schule, sondern auch unser Turnsaal schön dekoriert. Eine Schülerin, die aus Bayern stammt, hat mit Freude auch die bayerische Fahne von ihrem Opa mitgebracht. Alle trugen zum Erfolg des Programms Etwas bei. Fast Alle zogen ihre Dirndl und Lederhosen an, aber auch die Pädagogen haben sich entsprechend gekleidet. Früh am Morgen begann schon das Backen von mehr als 100 Brezeln. Der Duft der frisch gebackenen Brezel in der Schule bedeutete für jeden „Es ist endlich soweit!”.
Die Tänzer und Musiker erwarteten ihren Auftritt neben der Bühne und sahen mit Lampenfieber die hereinkommenden Gäste und Zuschauer. Nach der Eröffnung tanzten und musizierten mehr als 100 Kinder zusammen. Es ist immer so schön, die auftretenden Kinder mit Freude in den Augen zu sehen. Nach dem Kulturprogramm folgten Originalspiele vom Oktoberfest und ein Tanzhaus. Wir motivieren die Kinder auch mit einem Mr. und Mrs. Oktoberfest-Wahl, dass sie auch nächstes Jahr mit Freude ihre Trachten aus Deutschland an diesem Tag anziehen. So lernen sie den Unterschied zwischen unserer ungarndeutschen Tracht und der Kleidung aus Deutschland. Beide sind schön, aber es ist wichtig zu wissen, was und wo man diese getragen hat, und heute noch tragen kann.
Dieses Programm gaben wir auch als Basisprogramm bekannt, so nahmen zahlreiche Pädagogen aus anderen Schulen daran teil. Wir zeigten Ihnen zuerst im Heimatmuseum verschiedene Lernmethoden außerhalb des Klassenzimmers und dann konnten sie auch an unserem Fest teilnehmen. Wir hoffen, sie haben neben dem Lernstoff auch zahlreiche herzergreifende Momente im Gedanken nach Hause genommen.
Unser Projekt endeten wir mit einem Waschtag mit Stärkung der Unterröcke und einer Belohnungsreise für die Kinder nach Budapest zur Ausstellung Schwerer Stoff, wo wir uns mit unserer schönen Tracht auseinandersetzten.
Innerhalb von 5 Wochen haben wir unsere Ziele erreicht und unser Programm war vollbracht. Modernität und Tradition Hand in Hand durch Erlebnispädagogik, so kann man Landes- und Volkskunde hautnah bei uns erleben.
Anita Müller

