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Ein Wuderscher Tag im Zeichen der ungarndeutschen Kultur

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Das Jakob-Bleyer-Heimatmuseum in Wudersch öffnete im Rahmen eines ungarndeutschen Kulturtages am 17. Juli 2026 seine Türen. Im Rahmen der Veranstaltung wurden mehrere Vorträge zur Geschichte, Literatur, Familienforschung und zur aktuellen politischen Situation der Ungarndeutschen gehalten. 

Der Tag begann mit der feierlichen Eröffnung durch die Gesangsgruppe aus Edeck, gefolgt vom Grußwort von David Klotz, dem ifa-Kulturmanager des Jakob-Bleyer-Heimatmuseums.

Dr. Gábor Kerekes, habilitierter Universitätsdozent der ELTE, gab zunächst eine historische Einführung in die ungarndeutsche Literatur. Als grundlegende Anthologie präsentierte er Tiefe Wurzeln und stellte einige der bedeutendsten Autoren der Zeit wie Valeria Koch, Claus Klotz, Erika Áts und Josef Michaelis vor.

Dr. Gábor Kerekes

Ein weiteres zentrales Thema war die Literatur zwischen den Sprachen: Die ungarndeutsche Literatur bewege sich zwischen Hochdeutsch, den verschiedenen ungarndeutschen Mundarten und der ungarischen Sprache. Gerade diese Mehrsprachigkeit präge ihre Besonderheit. Dr. Kerekes widerlegte außerdem die weit verbreitete Annahme, dass die Geschichte der Ungarndeutschen erst mit dem Schwabenzug im 18. Jahrhundert begonnen habe. Bereits seit der Landnahme im Jahr 895 oder eben seit dem 5. Jahrhundert hätten kontinuierlich deutsche Bevölkerungsgruppen im Karpatenbecken gelebt. Anschließend führte er die Bedeutung des deutschsprachigen Theaters und der Presse vor. Das erste deutsche Theater in Pesth bestand zwischen 1812 und 1849. Viele der Theaterstücke sind direkt auf Deutsch geschrieben worden, und das Theater ist ein bedeutendes kulturelles Zentrum geworden, bis es 1847 einem Brand zum Opfer gefallen ist. Besonders interessant waren die Informationen über die deutschsprachige Presse in Ungarn. Zwischen dem 18. und dem frühen 20. Jahrhundert seien schätzungsweise rund 2.000 deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Um 1900 hätten gleichzeitig etwa 149 deutschsprachige Periodika existiert. 

Im zweiten Vortrag führte Dr. Kornél Pencz in die historische Familienforschung der Donauschwaben ein. Der Obmann des Arbeitskreises ungarndeutscher Familienforscher (AKuFF) erläuterte, wie man mit genealogischen Forschungen beginnt und welche Quellen dabei besonders wichtig sind. Zu Beginn sollte man Informationen innerhalb der eigenen Familie sammeln und ältere Familienmitglieder nach Namen, Geburts- und Sterbedaten sowie nach der Herkunft der Vorfahren fragen. Zudem können Friedhöfe, Familienbibeln, Matrikelabschriften und weitere alte Dokumente wertvolle Hinweise liefern, erklärte er.

Dr. Kornél Pencz

Dr. Pencz zeigte die grundlegende Methoden der genealogischen Forschung: Man arbeite stets vom Bekannten zum Unbekannten und rekonstruiere Schritt für Schritt die Familiengeschichte anhand von Geburts-, Heirats- und Sterbeeinträgen. Abschließend sprach er über wichtige Quellen der Familienforschung in Ungarn wie Ortsfamilienbücher, Kirchenmatrikel, Ansiedlungs- und Steuerlisten sowie digitale Datenbanken.

Gábor Werner

Im dritten Fachvortrag gab Gábor Werner, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), einen Überblick über die politische Vertretung der Ungarndeutschen. Besonders ausführlich erklärte er das Wahlsystem der Nationalitäten. Dabei ging er auf den Unterschied zwischen der A-Liste und der B-Liste des Wählerverzeichnisses ein und erläuterte die Unterschiede zwischen einem Sprecher und einem vollwertigen Abgeordneten der Nationalitäten im ungarischen Parlament. Außerdem zog er eine Bilanz der Jahre 2014 bis 2022 und stellte die wichtigsten politischen und kulturellen Erfolge der Ungarndeutschen vor. Gleichzeitig sprach er die Herausforderungen an, die sich aus dem Verlust des Vollmandats bei den Parlamentswahlen 2026 ergeben haben.

Da Gábor Werner auch als Präsident den Verein für Ungarndeutsche Kinder (VUK) vertrat, stellten er und Anna Schulteisz, Präsidentin der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU), beide Organisationen vor. Dabei sprachen sie über ihre Ziele und ihre Arbeit. Besonders hervorgehoben wurden die vielfältigen Projekte und Veranstaltungen wie die Familienwochenenden, Fahrradtouren, Fußballturniere, Jugendleiterbildungen, internationale Begegnungen und Kindercamps. Außerdem erhielten die Zuhörer einen Einblick in das Jahresprogramm beider Organisationen und die Möglichkeiten, sich aktiv in die Arbeit der Organisation einzubringen.

Im Anschluss fand unter der Moderation von David Klotz eine äußerst informative und zugleich bereichernde Podiumsdiskussion mit Anna Schulteisz und Gábor Werner statt. Im Mittelpunkt standen die aktuellen Herausforderungen der jungen ungarndeutschen Gemeinschaft, die Zukunft der Jugendarbeit sowie Möglichkeiten, das Gemeinschaftsleben generationenübergreifend zu stärken. Auch die Anwesenden wurden aktiv in das Gespräch einbezogen und hatten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen einzubringen und ihre Erwartungen an die Zukunft des Ungarndeutschtums zu formulieren. Dadurch entwickelte sich ein lebendiger Dialog, der den Austausch zwischen den Referenten und dem Publikum förderte und zahlreiche neue Denkanstöße lieferte.

David Klotz, Anna Schulteisz und Gábor Werner

Den Abschluss des offiziellen Programms bildete die Vorführung des Dokumentarfilms 300 Jahre… „aber was haben die Schwaben je für uns getan?” von Gábor László. Der Film vermittelte auf anschauliche Weise die rund 300-jährige Geschichte der Ungarndeutschen und beleuchtete ihren bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung Ungarns. Die Diskussion im Anschluss an die Filmvorführung bot den Teilnehmern zudem die Gelegenheit, gemeinsam über das Gesehene sowie über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der deutschen Nationalität in Ungarn nachzudenken.

Zentrum

Video und Fotos: Ludwig Grund/Zentrum.hu

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