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Minderheitensprachen brauchen auch in der digitalen Zukunft eine starke Stimme

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70. FUEN-Kongruás in Helsinki

Vom 17. bis 20. September 2026 fand der 70. Jahreskongress der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) in Helsinki (Finnland) mit den Vertretern der autochthonen nationalen Minderheiten, Nationalitäten und Sprachgemeinschaften aus ganz Europa statt. Gastgeber des Kongresses war das Folktinget, die Schwedische Volksversammlung Finnlands. Die Ungarndeutschen waren durch Olivia Schubert, FUEN-Präsidentin und stellvertretende Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), Ágnes Sudár, Leiterin der LdU-Geschäftsstelle, sowie Jugendvertreterin Edina Huszák repräsentiert.

70. FUEN-Kongruás in Helsinki

Ein besonderer Moment des Kongresses war die Eröffnungsrede von Olivia Schubert – ihre erste Ansprache bei einem Jahreskongress als Präsidentin der FUEN. Sie stellte die FUEN als eine „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ vor, deren Mitglieder die gemeinsame Überzeugung teilen, dass Europas Stärke gerade in seiner Vielfalt liegt. Sie betonte, dass Minderheitenrechte die Grundlage der Demokratie bilden und auch in schwierigen Zeiten nicht in den Hintergrund gedrängt werden dürften. Gleichzeitig hob sie die dringende Notwendigkeit digitaler Teilhabe hervor und warnte davor, dass keine europäische Sprache zu klein sein dürfe, um eine digitale Zukunft zu haben. Sie bezeichnete die Minority SafePack Initiative nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als eine Verantwortung, die für zukünftige europäische Entscheidungsträger weiterhin besteht.

„Ein Land ist nicht stark, weil seine Minderheiten schweigen. Es ist stark, wenn Minderheiten selbstbewusst ihre Stimme erheben können“, erklärte Olivia Schubert. Sie rief Europa dazu auf, seine Vielfalt nicht zu fürchten, sondern sie zu schützen, zu unterstützen und stolz auf sie zu sein.

Die ungarndeutsche Delegation: Ágnes Sudár, Olivia Schubert und Edina Huszák

Bei der Podiumsdiskussion am Donnerstag ging es darum, wie die Präsenz der Minderheitensprachen in den öffentlich-rechtlichen Medien im Zeitalter der Digitalisierung, des Streamings und der künstlichen Intelligenz erhalten und gestärkt werden kann. Im Mittelpunkt standen die gesellschaftliche Rolle der öffentlich-rechtlichen Mediensender, die Herausforderungen bei der Einbindung der Jugend sowie die Chancen und ethischen Leitplanken beim Einsatz neuer Technologien.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den kritischen Lücken zwischen offiziellen Sprachgesetzen und ihrer praktischen Anwendung im medizinischen und pflegerischen Bereich in ganz Europa.

Am zweiten Kongresstag standen die verschlechterte Lage der Minderheitenrechte in Europa, Einschränkungen beim grenzüberschreitenden Zugang zu audiovisuellen Inhalten und die kommerzielle Nutzung von Begriffen aus Minderheitensprachen im Mittelpunkt.

Am Freitag traf sich auch die FUEN-Arbeitsgruppe, und es folgten Studienbesuche bei der Rettungsschule in Helsinki, beim finnischen Rundfunk YLE und an der Gesamtschule „Espoo Grundskola“.

Am dritten Tag des FUEN-Kongresses fand die Delegiertenversammlung statt. Dabei wurden der Finanzplan für 2027 verabschiedet, die Arbeit des vergangenen Jahres bilanziert und die Schwerpunkte für die kommende Zeit festgelegt: die Stärkung der politischen Interessenvertretung auf europäischer und internationaler Ebene, eine engere Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen sowie die Modernisierung der Organisation.

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Versammlung war die Verabschiedung der Hauptresolution „Zu einem rechtsbasierten, gleichberechtigten, konformen und inklusiven Ansatz im Umgang mit KI und Minderheitensprachen“. Die Resolution fordert eine stärkere Berücksichtigung von Regional- und Minderheitensprachen bei der Entwicklung und dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Sie weist darauf hin, dass viele Minderheitensprachen im digitalen Raum weiterhin unterrepräsentiert sind und dadurch nur eingeschränkt von neuen Technologien profitieren können.

Außerdem verabschiedeten die Delegierten 13 weitere Resolutionen zu unterschiedlichen Themen europäischer Minderheiten.

Der FUEN-Kongress 2027 wird in Slowenien ausgerichtet, während die EUROPEADA 2028 in Italien stattfindet.

Text: LdU-Presse
Foto: FUEN

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