Zum Tod von Josef Wenczl (1945 – 2014)

Quelle: Neue Zeitung

„Wenn man die glänzenden Augen sieht, das erfüllt einen mit Freude und gibt einem Energie.“ Dies sagte Josef Wenczl bei der 55-Jahr-Feier der Werischwarer Tanzgruppe. Jetzt, im Jahre 2014, meinte er, nachdem das 60-jährige Jubiläum zwei Tage lang gefeiert, dabei besonders seine Leistung gewürdigt wurde und „seine“ vielen TänzerInnen zuletzt gemeinsam zu seinen Ehren getanzt haben, „das ist eine Zauberei“. Einen Tag später, am 26. Oktober, tanzte Josef Wenczl, Tänzer, Choreograph, Ehrenvorsitzender und künstlerischer Leiter der Deutschen Nationalitätentanzgruppe Werischwar, für immer von uns und gesellte sich zu seinen großen ungarndeutschen Choreographenkollegen Stefan Brieber und Nikolaus Manninger.

Wenczl war mit der 60-jährigen Geschichte der Tanzgruppe in Werischwar unzertrennlich verbunden. Er prägte jahrzehntelang als Leiter und Choreograph die ungarndeutsche Tanzbewegung nicht nur in Werischwar. Er unterrichtete auch in anderen Regionen, sogar im Ausland, auch in Übersee, ungarndeutschen Volkstanz. Seine berühmten, auf mehrhundertjährigen Traditionen basierenden Choreographien werden nicht nur in ganz Ungarn, sondern auch im Ausland gerne aufgeführt. Bei den ungarndeutschen Volkstanzfestivals erhielt er öfter den Preis für die beste Choreographie, das von ihm geleitete Ensemble wurde dreimal Festivalpreisträger (Niveaupreis 1984 und 1989, Preis des Ministeriums für Kultur „Hervorragendes Ensemble“ 1987).

Josef Wenczl wurde am 8. Mai 1945 in Werischwar geboren. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für die Erhaltung und Weitergabe der Volkstanztraditionen. Im Jahre 1961 begann er in der Deutschen Nationalitätentanzgruppe von Werischwar zu tanzen. Ab 1965 war er auch im Zentralen Tanzensemble der Nationalitäten in Budapest und lernte hier Tänze der anderen Minderheiten kennen. Ab 1969 leitete er die Kindergruppe in Werischwar. In demselben Jahr ließ er sich im vom Kultusministerium organisierten Fach Ungarndeutsche Volkstanzpädagogik einschreiben, das er im Jahre 1973 erfolgreich absolvierte. Zu dieser Zeit wandte sich sein Interesse auch der Choreographie zu, er sammelte in den Komitaten Tolnau und Branau Volkslieder, Volkstänze und Traditionen der Ungarndeutschen. Die gesammelten Erfahrungen, Inspirationen baute er in seine eigenen Choreographien ein. Seine 70 Choreographien stehen nicht nur im Repertoire der Werischwarer, sondern auch der Tanzgruppen in Niklo, Iklad, Leinwar, Maratz, Sankt Iwan, Schambek oder Saar.

Von 1975 bis 2006 leitete er die Tanzgruppe. 1983 absolvierte er die Budapester Pädagogische Hochschule in den Fächern allgemeine Bildung und Volkskunde. Bis 2008 arbeitete er im Werischwarer Kulturzentrum, zuerst als Fachreferent für ungarndeutsche Kultur, später als Direktor. Von 1994 bis 2004 war er Vorsitzender der Tanzsektion des Landesrates.

Als Anerkennung seiner Tätigkeit erhielt er viele Auszeichnungen: den Niveaupreis des Verbandes der Ungarndeutschen (1992), die Gedenkmedaille für Piliscsaba (2000), den Preis für das Deutschtum in der Region Nord (2003), den Kunstpreis des Komitats Pesth (2004), die Anerkennung „Für die ungarndeutsche Tanzkultur“ des Landesrats der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen (2005), den Niveaupreis des Weltdachverbandes der Donauschwaben, Stuttgart (2007), den Kunstpreis des Hauses der Künste in Werischwar (2008). Jetzt zum Jubiläum wurde ihm – geteilt mit der Deutschen Nationalitätentanzgruppe Werischwar – die Medaille „Für Werischwar“ für seine mehr als 50 Jahre lange hervorragende tanzkünstlerische Tätigkeit sowie seine bedeutende Rolle als Tänzer, Choreograph und künstlerischer Leiter in der Pflege und Weitergabe der Tanzkultur der Ungarndeutschen verliehen. Am 25. Oktober konnte er den „Goldenen Ehrenbrief“ des Weltdachverbandes der Donauschwaben übernehmen.

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