Tscholnok: Bilanz gezogen

Quelle: Neue Zeitung

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Tscholnok Schulträgerschaft – Schwowisch-Dischkursch – Vortragsreihe – Jubiläen

Die Tscholnoker Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung zog noch im Dezember Bilanz des Jahres 2014. Ihre Tätigkeit kennzeichnete nie die Eintönigkeit, aber das Ergebnis ist diesmal glänzend: es war ein außerordentlich erfolgreiches Jahr. Es gibt ja wenig örtliche deutsche Selbstverwaltungen, die die Trägerschaft über zwei Institutionen haben.

 

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Kindertagesstätte

Noch 2012 wurde die Tagesstätte für höchstens sieben Kinder mit zwei Betreuerinnen von der Deutschen Selbstverwaltung geschaffen. Die Räumlichkeiten stellte die Gemeinde kostenlos zur Verfügung. Natürlich mussten Renovierungsarbeiten vorgenommen werden. Mütter, die ihr Kind nicht im Ort unterbringen konnten, waren gezwungen, dies in Daurog oder noch weiter weg zu tun. Nun können sieben Kinder von 7 bis 17 Uhr den ganzen Tag oder nach Wunsch für kürzere Zeit in dieser Tagesstätte bleiben. Was aber einmalig ist, aber leider bald zu Ende geht, dass die Deutsche Selbstverwaltung beim Ministerium für Humanressourcen einen Antrag gestellt hatte und die Kinder fast zwei Jahre lang ohne Entgelt versorgt wurden. Die Eltern danken dafür. Die KITA „Manófalva“ hat dank der Erzieherinnen eine Ausstrahlung im Ort. Sie beteiligen sich mit ihren Zöglingen am Gemeinschaftsleben der Gemeinde. Sie organisieren Spielnachmittage, Bastelstunden, an denen auch die größeren Kinder mit ihren Eltern teilnehmen. Ein schönes Beispiel dafür war im November, als die Kinder im örtlichen Kulturhaus einem Clown zuhörten, im großen Raum mit verschiedenem Spielzeug spielten oder eben mit den Eltern etwas bastelten. Kleinen Kindern ab und zu in entsprechendem Milieu die Kontaktaufnahme mit älteren Kindern zu erleichtern, stärkt ihr soziales Verhalten. Gut gefiel auch, als auf einem Weihnachtsmarkt die Betreuerinnen kleinere Dekorationen für den Weihnachtsbaum verkauften.

Die Schule in eigener Hand

Mit der Übernahme der Deutschen Nationalitätenschule der Gemeinde im September 2014 kann man hoffen, dass nicht nur die finanzielle Seite abgesichert ist, sondern noch mehr als zuvor für die Traditionspflege des Deutschtums gesorgt wird. Der Prozess war gut vorbereitet. Die Eltern hatten noch im Juni die Möglichkeit, sich über Details der Übernahme informieren zu lassen. Im ersten Schritt löste sich unsere Schule aus dem Zusammenschluss mit den benachbarten Gemeindeschulen. In einer von den beiden Selbstverwaltungen unterzeichneten Vereinbarung sind die Bereiche der Zusammenarbeit festgelegt. Erleichtert wird die Zusammenarbeit dadurch, dass der Vorsitzende der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung Ladislaus Szax seit 2006 auch Abgeordneter der kommunalen Selbstverwaltung ist. Natürlich wird die Schule mit allen Kräften mitmachen, wenn die Gemeinde Veranstaltungen organisiert, an denen auch die Teilnahme von Kindern erwünscht ist. Mit den Geldern, die übrigbleiben, wird man andere wichtige Aufgaben der Gemeinde finanzieren können.
Man ist optimistisch, dass durch die Trägerschaft beider Institutionen den Beteiligten in jeder Hinsicht das Optimale geboten wird. Als zusätzlicher Gewinn wird das Prestige der Deutschen Selbstverwaltung noch mehr steigen. Das Gremium genoss durch seine permanente Teilnahme am gesellschaftlichen Leben der Gemeinde auch bisher ein hohes Ansehen.

Wiederkehrende Programme

Die regelmäßigen Schwowisch-Dischkursch-Nachmittage, die wertvollen Zusammenkünfte der örtlichen Ahnenforscher, deren Tätigkeit von der Bearbeitung der Vergangenheit nicht wegzudenken ist, die abwechslungsreichen Programme ab April im Haus und auf dem Hof des Heimatmuseums, die kleineren und größeren Feierlichkeiten der örtlichen Kulturgruppen (Beteiligung an den Dorftagen, am Lesefest, am Umzug zu Christi Himmelfahrt, schwäbische Hochzeit usw.), Wettbewerbe für die SchülerInnen – all das sind entweder selbständige Veranstaltungen der Gruppen oder werden eben von der deutschen Selbstverwaltung organisiert. Die Vernetzung der verschiedenen deutschen Gemeinschaften ist also ideal. Das bewies die nun schon das dritte Mal vorgeführte Tscholnoker Hochzeit. Den deutschen Gästen aus Baden-Württemberg zeigten die Mitglieder der Tanzgruppe und der Chöre sowie die Kapelle Alte Kameraden, wie dieses große Familienfest in alten Zeiten ablief. Die Koordinierung liegt in der Hand der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung, die auch ihre früheren Mitglieder für ihren Ausschuss gewann. Auch regionale Aufgaben hat man in Tscholnok wahrgenommen: 2012 und 2014 wurde der Komitatsschwabenball Komorn-Gran in Tscholnok organisiert. Beide waren ein Riesenerfolg, die Ballgäste bekamen eine Führung im Heimatmuseum, die mit der Verkostung von echt Tscholnoker Gaumenkitzerln verbunden war. Die landesweit bekannte Heimattöne-Kapelle aus Schemling gab ihr Bestes, dem dankbaren Publikum zuliebe gastierte sie seitdem wieder in Tscholnok: im Hof des Heimatmuseums stellte sie ihre neueste CD vor und begleitete zugleich die vor zwei Jahren gegründete Somorer Tanzgruppe. Das Heimatmuseum soll mit Leben gefüllt werden. Die unmittelbare Nähe zur Schule, zum Kulturhaus erleichtert dieses Vorhaben.
Auch letztes Jahr setzte man die Vortragsreihe fort, in der die verschiedensten Aspekte der Vergangenheit unter die Lupe genommen werden. Die Erinnerung an die Leventezeiten, die Kriegsjahre oder die Erläuterung der Zwangsmadjarisierung lockten Leute ins Kulturhaus, die sich gern mit unserer Vergangenheit auseinander setzen. Ihnen auch ein breites Angebot zu machen – eine verantwortungsvolle, aber schöne Aufgabe der Deutschen Selbstverwaltung.

2015 – im Zeichen der Jubiläen

Auf der ersten Sitzung der Deutschen Selbstverwaltung sprach man sich für die weitere Koordination der kulturellen Aktivitäten aus, was zugleich eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten voraussetzt.

• 2015 hat man außer den wiederkehrenden Aktivitäten ein Jubiläum und eine große Veranstaltung ins Auge gefasst. Diese zwei Höhepunkten sind: 25 Jahre Tanzgruppe im Februar, 300 Jahre Ansiedlung der deutschen Ahnen im August. Vom Jahr 1715 hat man die ersten schriftlichen Spuren der hier angesiedelten Deutschen. Ihnen soll mit einem Denkmal und einer ganztägigen Veranstaltung im August gedacht werden. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange.

• Ein neues Fest ist eingeführt worden: Die Schule hielt am 19. Januar, dem Gedenktag der Vertreibung, im Kulturhaus ein Gedenkprogramm. Hier wurde zwar dank der unentbehrlichen Arbeit der Bergleute keiner vertrieben, aber diese schwere Last der ungarischen Geschichte darf auch in Tscholnok nicht verschwiegen werden.

• Geplant ist die finanzielle Unterstützung der Kulturgruppen (Chöre, Tanzgruppen, Kapellen).

• Man sprach sich für mehr Präsenz in der örtlichen Zeitung sowie in den Medien landesweit aus.

• Der alte Brauch des Ratschens vor Ostern wird noch heute ausgeübt. Das Ratschen sollte aber besser koordiniert werden. Die Unterstützung dazu wird nach wie vor von den Deutschlehrern erwartet.

• Die Rettung von Grabdenkmälern mit deutscher Inschrift und ihre Pflege sollen weitergeführt werden.

• Im Dezember sollen die traditionell gewordenen Christkindelspiele vorbereitet und durchgeführt werden. Der deutsche Teil der Christmette muss gesichert werden.

Das Deutschtum der Gemeinde Tscholnok hat mit den gewählten Vertretern (Ladislaus Szax, Eva Priegl, Eszter Fődi und Franz Eichardt) großes Glück: Die vierköpfige Selbstverwaltung (Durchschnittsalter 37 Jahre) will und kann die Interessen der Nationalität vertreten, ihre Meinung hochdeutsch aber auch im Dialekt darlegen – und das ist doch beispielhaft! Der Vorsitzende kümmert sich noch um die Koordinierung der kirchenmusikalischen Traditionen im Landesrat, Eva Priegl opfert von ihrer Freizeit auch nicht wenig für die Kinder im Landesverein VUK, indem sie regelmäßig die Sommerlager organisiert. Letztes Jahr schrieb sie einen Internet-Wettbewerb landesweit aus, an dem mehr als hundert Gruppen teilgenommen haben. Auch dafür verdienen sie unser Lob.

Agotha Hárs

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